Am Heumarkt wird eine Betondecke früher eingezogen als geplant, um eine Flutung der Baugrube ganz vermeiden zu können.

Am Samstag verlegte die Feuerwehr am Heumarkt acht Kilometer Schläuche, um die Baustelle im Notfall schneller fluten zu können.
Am Samstag verlegte die Feuerwehr am Heumarkt acht Kilometer Schläuche, um die Baustelle im Notfall schneller fluten zu können.

Am Samstag verlegte die Feuerwehr am Heumarkt acht Kilometer Schläuche, um die Baustelle im Notfall schneller fluten zu können.

Die Schüler Aaron und Tobi (v.l.) kamen mit ihrer Badeausrüstung und protestierten so kreativ gegen den Kölner U-Bahn-Pfusch.

Eppinger, Bild 1 von 2

Am Samstag verlegte die Feuerwehr am Heumarkt acht Kilometer Schläuche, um die Baustelle im Notfall schneller fluten zu können.

Köln. Die U-Bahn-Baustelle am Kölner Heumarkt wird vorerst doch nicht geflutet. Stattdessen soll die künftige U-Bahn-Haltestelle mit einem neuen Konzept vor dem drohenden Rhein-Hochwasser geschützt werden.

Die Baugrube ist gefährdet, weil Arbeiter in den schützenden Bauwänden nur rund 20 Prozent der für die Stabilität notwendigen Eisenbügel eingebaut hatten. Die restlichen Bügel sollen sie verkauft haben.

Ein Grund für den Verzicht auf die Flutung war das trockene Wetter am Samstag, das den Pegel des Rheins geringer als vorhergesagt hatte steigen lassen. "Derzeit steigt der Pegel langsamer als noch am Freitag", sagte Reinhard Vogt von der Hochwasserschutzzentrale.

Entscheidend ist der Grundwasserspiegel direkt an der Baustelle, der vom Hochwasserstand des Flusses beeinflusst und deshalb halbstündlich gemessen wird. Wenn er die kritische Marke von 39,50 Metern übersteigt, muss die Baustelle geflutet sein. Hier lag der Anstieg am Samstag bei einem Zentimeter pro Stunde und damit ebenfalls geringer als befürchtet. "Der Anstieg erfolgt immer zeitversetzt zum Rheinpegel und ist schwer voraussagbar", erklärte Vogt.

600 Betonmischer sollen das Material für die Decke bringen

Um die Baustelle wieder zu stabilisieren, will man, früher als bislang geplant, am Montag mit dem Betonieren einer Zwischendecke beginnen und hofft, am Dienstag gegen 18 Uhr damit fertig zu sein. Ausgehärtet ist die Decke, für die etwa 600 Betonmischer das Material heranfahren müssen, voraussichtlich am Mittwochabend. Dann müsste erst ab einem Grundwasserpegel von 41,50 Metern geflutet werden.

Einen weiteren Zeitvorsprung erhofft man sich aus einer Wasserleitung, die die Baustelle direkt mit dem Rhein verbindet. Über sie soll im Notfall zusätzliches Wasser in die Grube der U-Bahn-Haltestelle eingeleitet werden.

Damit vertraut man nicht nur wie bisher geplant auf das Abschalten der Pumpen, die im regulären Baubetrieb verhindern, dass das Wasser in die Baugrube eindringt. "Wenn wir Wasser vom Rhein hoch pumpen, können wir die Zeit für die Flutung der Grube von bislang 36 auf gut 14 Stunden senken", sagte der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen bei einer Pressekonferenz. Er betonte, dass das neue Konzept die Sicherheit nicht gefährde: "Wir können jederzeit auf jede Entwicklung reagieren."

Grund zur Sorge gibt es beim Hochwasser-Experten Vogt trotzdem. Er erwartet, dass der Rheinpegel am Montag wieder deutlicher ansteigen könnte.

Die Reaktionen der zahlreichen Schaulustigen waren am Samstagmittag kritisch: "Wir freuen uns über ein neues Schwimmbad in der Innenstadt", sagte Aaron zynisch, der mit seinem Mitschüler Tobi (beide 17) in Badeausrüstung inklusive Schwimmdelfin zum Heumarkt gekommen war, um gegen den U-Bahn-Pfusch zu protestieren. "Es kann doch nicht sein, dass hochbezahlte Ingenieure eine U-Bahn bauen und dabei die halbe Stadt versenken. Da steht das Risiko in keinem Verhältnis zum Nutzen", ärgerte sich Aaron.

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