Vibrationen an der Kathedrale wecken schlimmste Erinnerungen an den Archiv-Einsturz.

Bau
Die neue U-Bahn erschüttert den Dom mit ihren Vibrationen. In Köln blickt man deshalb unwillkürlich nach oben, wenn man über die Domplatte läuft, und fragt sich: Er wird doch wohl nicht. . .?

Die neue U-Bahn erschüttert den Dom mit ihren Vibrationen. In Köln blickt man deshalb unwillkürlich nach oben, wenn man über die Domplatte läuft, und fragt sich: Er wird doch wohl nicht. . .?

dpa

Die neue U-Bahn erschüttert den Dom mit ihren Vibrationen. In Köln blickt man deshalb unwillkürlich nach oben, wenn man über die Domplatte läuft, und fragt sich: Er wird doch wohl nicht. . .?

Köln. Norbert Feldhoff (73), Propst und damit Hausherr des Kölner Doms, kann sich noch genau erinnern, als er die Erschütterungen zum ersten Mal wahrnahm. „Ich hab’s gemerkt, als ich auf einem Stuhl saß, wie der anfing zu zittern.“ Für ihn besteht kein Zweifel daran, was die Ursache ist: Es sind die neuerdings vorbeifahrenden U-Bahnen.

Erschütterungen, U-Bahn, Dom. Eine unheilvollere Wortfolge ist für Kölner kaum denkbar. Denn natürlich werden sofort Erinnerungen an den Einsturz des Stadtarchivs vor vier Jahren wach. Seitdem haben in der Stadt immer böse Witze grassiert, wonach als nächstes der Dom dran ist.

U-Bahnen fahren jetzt nur noch mit Tempo 20 am Dom vorbei

Feldhoff steht dem Domkapitel vor. Es war dieses Gremium, das im Winter 1246/47 den Neubau des Kölner Doms beschloss, einer Kathedrale, die größer und höher sein sollte als alle Kirchen der Christenheit.

Über 600 Jahre hat es gedauert, diese Kirche fertigzubauen. Seitdem wacht das Domkapitel über ihren Fortbestand. Die unheilvollen Nachrichten müssen die ehrwürdige Herrenrunde in Schwarz und Grau zutiefst beunruhigen.

„Es gibt Gefühltes, Gehörtes, Gemessenes“, sagt Feldhoff. Die Erschütterungen seien da, ebenso Geräusche, und Dombaumeister Michael Hauck habe sie „eindeutig der Aufnahme des Fahrbetriebs der neuen U-Bahn-Linie 5 zugeordnet“. Auf derartige Belastungen sei der Dom nicht angelegt.

Der Dom ist zwar auf Sand gebaut – den Rheinsanden – aber er steht dennoch felsenfest. Das Fundament ist so dick und so tief, dass es nach Berechnungen von Statikern noch weit mehr aushalten würde als die 120 000 Tonnen Gesamtgewicht des Doms.

Die gotischen Baumeister haben im Mittelalter ganz unkölnisch ein Zuviel an Sicherheit eingeplant. Und weil die Dombaumeister auch schon wussten, dass der Rheingraben ein Erdbebengebiet ist, haben sie die Basaltsteine des Fundaments mit elastischem Tuffstein umgeben. Japanische Architekten haben sich das später abgeguckt – für die Wolkenkratzer von Tokio.

Deshalb hat der Propst gehandelt und Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) alarmiert. Nun fahren die U-Bahnen nur noch mit Tempo 20, Schallgutachter sind einbestellt. Feldhoff will keine Panikmache betreiben. „Akut muss keiner Angst haben, dass der Dom einstürzt“, sagt er. Das klingt beruhigend, könnte aber auch meinen: Noch kann man reingehen, aber was in 50 Jahren mal ist, das weiß unser Herrgott.

Professor Klaus-G. Hinzen, Leiter der Erdbebenstation Bensberg, scheint weniger besorgt. Die Erdbebenstation hat schon vor Jahren Messgeräte im Dom installiert und bisher keine gefährlichen Ausschläge festgestellt. Und das Zittern? „Alles was in der Umgebung des Doms passiert, lässt natürlich den Dom erzittern“, sagt Hinzen, „schon seit mehr als 100 Jahren auch die Eisenbahnen nebenan, die wir auch messen, wenn die in den Bahnhof rein- und rausfahren.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer