Bischöfe finden Bio-Kraftstoff ethisch bedenklich. Misereor appelliert an die Regierung.

Debatte
Vizepräses Petra Bosse-Huber ist strikt gegen Agrarkraftstoffe.

Vizepräses Petra Bosse-Huber ist strikt gegen Agrarkraftstoffe.

dpa

Vizepräses Petra Bosse-Huber ist strikt gegen Agrarkraftstoffe.

Düsseldorf. Die Debatte um den Biosprit E 10 nimmt eine neue Wendung. Nach Diskussionen um Verträglichkeitsgarantien für Autos und Kritik über fehlende Aufklärung geht es jetzt immer mehr um ethische Bedenken. Vor allem Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sprechen sich öffentlich dagegen aus, Nahrungsmittel für die Produktion von Treibstoff zu verwenden.

„Man kann nicht Benzin für die Welt gegen Brot für die Welt aufwiegen“, sagt etwa Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Anbau für die Bioenergie habe weltweit zu einem Anstieg des Getreidepreises geführt. Für sie steht damit fest: „Hier wird erneut versucht, ein ökologisches Problem auf dem Rücken der armen Länder zu lösen.“

Der ungleiche Zugang zu Nahrung ist ein Kernthema der Kirchen

Zuvor hatten sich bereits der katholische Weihbischof von Speyer, Otto Georgens, Hamburgs Erzbischof Werner Thissen sowie der evangelische Bischof Gerhard Ulrich aus Kiel gegen Biokraftstoffe ausgesprochen. Die Herstellungsweise des Biosprits berührt ein Kernthema der Kirchen: das Welthungerproblem. Das katholische Hilfswerk Misereor setzt sich in Entwicklungsländern mit Hilfsprojekten gegen wirtschaftliche Not und unfaire Handelsbedingungen ein.

Inzwischen fordert Misereor die Bundesregierung dazu auf, die Biokraftstoffquote zurückzunehmen. „Gerade in Ländern des Südens trägt die rapide anwachsende Nachfrage nach Agrosprit zur Verknappung der Flächen für Grundnahrungsmittel bei“, sagt Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

In Mexiko führte der Anbau von Biomasse zur „Tortilla-Krise“

Die „Teller-oder-Tank-Debatte“ ist nicht neu. In Mexiko hat der Anbau von Biomasse für den amerikanischen Markt im Jahr 2007 zur so genannten „Tortilla-Krise“ geführt. Aufgrund hoher Subventionen bauten Landwirte ihren Mais lieber für Benzin als für Nahrungsmittel wie Tortilla an.

Seit 1. Januar gilt in Deutschland eine erhöhte Beimischungsquote von Agrotreibstoffen. Deshalb soll das sogenannte E 10 mit einem Anteil von bis zu 10 Prozent Agroethanol nach und nach im Markt eingeführt werden.

Der Treibstoff wird weltweit aus Pflanzen wie Weizen, Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Mais gewonnen. In Deutschland wird er zu zwei Dritteln aus Getreide und zu einem Drittel aus Zuckerrüben hergestellt.

Will man 10 Prozent der gesamten im deutschen Straßenverkehr benötigten Treibstoffe durch Agrotreibstoffe ersetzen, würden dafür nach Rechnung des „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) mehr als 27 Prozent der gesamten deutschen Ackerfläche benötigt.

Die Preise für Mais, Zucker und Weizen ziehen auf dem Weltmarkt an. Grund dafür ist vor allem die steigende Nachfrage nach Agrokraftstoffen.

Nun könnten die Kirchen eine breit angelegte Ethik-Debatte anstoßen. Eine Sprecherin des Erzbistums Köln spekuliert: „Ich kann mir vorstellen, dass das Thema in der katholischen Kirche demnächst auf breiter Ebene auf die Tagesordnung kommt.“

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