Jahrelang hat André Bamberski auf einen neuen Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder seiner Tochter Kalinka gewartet.

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André Bamberski (M.) betritt mit seinen Anwälten Laurent de Caunes (r.) und Francois Gibault das Gericht.

André Bamberski (M.) betritt mit seinen Anwälten Laurent de Caunes (r.) und Francois Gibault das Gericht.

dpa

André Bamberski (M.) betritt mit seinen Anwälten Laurent de Caunes (r.) und Francois Gibault das Gericht.

Paris. Auf diesen Prozess hat André Bamberski fast 30 Jahre gewartet – am Dienstag war es soweit. Vorbei an Dutzenden Fernsehkameras bahnt sich Kalinkas Vater den Weg. Der Pariser Justizpalast ist Schauplatz eines Justizkrimis, der in Frankreich hohe Wellen schlägt. Um kurz vor zehn Uhr nimmt der deutsche Internist Dieter K. (75) Platz hinter dickem Panzerglas. Der Mann, in dem Bamberski den Mörder seiner Tochter sieht.

Während Bamberski triumphierend in Prozessakten blättert, kauert der Angeklagte unsicher auf seinem Stuhl. Es ist ein Duell zweier verfeindeter Männer, die sich keines Blickes würdigen. Für Bamberski steht fest, dass K. seine 14 Jahre alte Tochter Kalinka missbraucht und mit einer Spritze getötet hat. K. bestreitet das.

Die 18 Monate in französischer Haft haben Dieter K. offenbar zugesetzt

K. ist dunkel gekleidet, trägt Sakko und Rolli. Er ist herzkrank und seine hohlen Wangen lassen vermuten, dass er in den vergangenen 18 Monaten im Gefängniskrankenhaus in Fresnes einige Pfunde verloren hat.

Wenn die Vorsitzende des Schwurgerichts, Xavière Simeoni, das Wort an K. richtet, wird er sichtlich nervös, verhaspelt sich. Obwohl zwei Dolmetscher zur Verfügung stehen, versucht er französisch zu sprechen.

Die eigentliche Tat spielte am Dienstag beim Prozessauftakt noch keine Rolle

Unter welchen Umständen Kalinka, die im Juli 1982 ihre Mutter, die mit K. verheiratet ist, besuchte, rückt am Dienstag in den Hintergrund. Die Verteidigung betont stattdessen die angebliche Nichtigkeit des Prozesses, weil niemand zweimal in derselben Sache verurteilt werden könne. K.s Anwalt attackiert André Bamberski: „Ihnen geht es nicht um Gerechtigkeit, Sie wollen Rache.“

1982 Kalinka Bamberski (14) wird am 10. Juli vom Stiefvater Dieter K. tot in dessen Haus entdeckt.

1983 Deutsche Behörden gehen von einem Unfall ohne Fremdverschulden aus. Der leibliche Vater André Bamberski fordert vergeblich neue Untersuchungen.

1984 Bamberski erstattet Anzeige in Frankreich, die Justiz ermittelt. 1993 wird das Verfahren eröffnet.

1995 Dieter K. wird wegen der Tötung seiner Stieftochter in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt.

1997 In einem anderen Fall wird Dieter K. von einem deutschen Gericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er eine 16-jährige Patientin in seiner Praxis betäubt und vergewaltigt hat.

2001 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte rügt das französische Urteil, da der Anwalt des Angeklagten nicht gehört worden war.

2005 Deutschland verweigert die Auslieferung von K. nach Frankreich.

2009 Am 18. Oktober wird Dieter K. schwer verletzt und gefesselt im französischen Mülhausen nahe einem Gerichtsgebäude gefunden. Gegen Bamberski wird ein Verfahren wegen Entführung eingeleitet.

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