Die Gefahr für Helfer ist in dem gigantischen Trümmerberg des Archivs viel zu groß.

Schon im November 2008 zeigten sich in der Kellerdecke des Stadtarchivs verdächtig breite Risse.
Schon im November 2008 zeigten sich in der Kellerdecke des Stadtarchivs verdächtig breite Risse.

Schon im November 2008 zeigten sich in der Kellerdecke des Stadtarchivs verdächtig breite Risse.

Mit seinem Spürhund sucht dieser Helfer in den Trümmern nach den Vermissten.

Kölner Stadt-Anzeiger/Hennes, Bild 1 von 2

Schon im November 2008 zeigten sich in der Kellerdecke des Stadtarchivs verdächtig breite Risse.

Köln. "Wir haben eine instabile Situation - unterirdisch und oberirdisch", sagt Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen. Einen Tag nach dem verheerenden Einsturz des Kölner Stadtarchiv-Gebäudes kann in der Domstadt von Entwarnung keine Rede sein.

Immer noch könnten mindestens zwei Menschen unter dem Trümmerberg auf der Severinstraße liegen, den der Einsturz der insgesamt drei Häuser am Dienstag hinterlassen hat. Und immer noch ist unklar, warum der große Krater an der U-Bahn-Baustelle entstand, der die Häuser zum Einsturz gebracht und teilweise verschlungen hat.

Bäcker-Azubi (17) hatte sich nach der Arbeit schlafen gelegt

Knapp 24 Stunden nach dem Unglück werden erstmals Einzelheiten über die beiden noch vermissten Männer (17 und 24 Jahre alt) bekannt. Beide haben nach Polizeiangaben im Haus auf der linken Seite des Archivgebäudes gewohnt, das nur noch zur Hälfte steht.

Die Männer lebten in zwei Wohnungen des Dachgeschosses. Der 17-Jährige machte gerade eine Bäckerlehre. Sein Ausbilder informierte Mittwoch die Innung, weil der 17-Jährige nicht zur Arbeit erschienen war.

Der junge Mann hatte in der Nacht zum Dienstag in einer Kölner Bäckerei gearbeitet und war nach Arbeitsschluss nach Hause gegangen. Kurz vor dem Unglück verabschiedete sich noch ein Freund aus der Dachgeschosswohnung, weil der 17-Jährige müde war und schlafen gehen wollte. Kaum war der Freund auf der Straße, krachte das Haus in sich zusammen.

Über den 23-jährigen Mann aus der anderen Dachgeschosswohnung wurde Mittwoch nichts bekannt. "Er wohnte dort seit mehreren Jahren", sagte ein Anwohnerin, die Mittwoch unentwegt auf das Trümmerfeld starrte.

Sollten die beiden Männer unter dem Schutt liegen, muss deren Bergung noch warten: Die Reste der beiden Häuser links und rechts des Archivgebäudes sind akut einsturzgefährdet, müssen abgerissen werden - ein höchst gefährlicher Job für die Bauarbeiter. Und ehe die Abrissarbeiten beginnen können, muss der Beton aushärten, der zur Stabilisierung in den Krater gefüllt wurde.

Bis Donnerstagabend sollen die Reste der beiden Häuser abgerissen sein, hofft Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Erst dann können die Helfer den Trümmerberg auf der Severinstraße oberhalb der U-Bahn-Baustelle abräumen und mit Bergungsarbeiten beginnen.

Für die beiden Vermissten und möglicherweise noch weitere Opfer besteht daher kaum Aussicht auf rechtzeitige Hilfe. "Man muss leider sagen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit gegen Null geht", so Neuhoff. Nur wenn es Hohlräume gebe, sei noch eine minimale Chance vorhanden. Klopfzeichen seien nicht wahrgenommen worden.

Manche Einsatzkräfte befürchten gar, dass die Vermissten nie gefunden werden, weil große Mengen Beton in den Untergrund des Hauses geschüttet und damit womöglich auch die Männer komplett verdeckt wurden.

Kopfzerbrechen bereitet den Experten die genaue Ursache des Unglücks, auch wenn dessen Hergang weitgehend geklärt scheint. Als gesichert gilt, dass es am Dienstag kurz vor 14 Uhr einen unterirdischen Erdrutsch gegeben hat, bei dem große Mengen Erdreich und Wasser vermutlich durch ein Loch in der Wand in einen 28 Meter tiefen, riesigen Hohlraum der U-Bahn-Baustelle vor dem Archivgebäude eindrangen. Durch den Erdrutsch sackte der Boden unter dem Fundament des 1971 erbauten Hauses weg.

Kulturdezernent: Haben nichts auf die leichte Schulter genommen

Zwischen Erdrutsch und Einsturz des Stadtarchivs lagen nur wenige Minuten. "Es fing oben im Gebäude an zu krachen, und drei Minuten später war das Gebäude schon zusammengebrochen", schildert Kulturdezernent Georg Quander.

Heftig wendet er sich gegen Vorwürfe, der Einsturz stehe im Zusammenhang mit Rissen in dem Gebäude, die beim U-Bahn-Bau entstanden und von den Verantwortlichen auf die leichte Schulter genommen worden seien. Gutachter hätten nach Entdeckung der Risse bestätigt: "Die Standfestigkeit des Gebäudes ist nicht beeinträchtigt."

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