Bischöfe einigen sich auf Entschädigungen.

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Bischof Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der Kirche. (dpa)

Bischof Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der Kirche. (dpa)

Fredrik Von Erichsen

Bischof Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der Kirche. (dpa)

Berlin. Die katholische Kirche will jedem minderjährigen Opfer sexuellen Missbrauchs bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen. Zusätzlich will die Kirche bei akutem Bedarf Kosten für eine Psychotherapie oder Paarberatung übernehmen. Dieses Angebot legte die Bischofskonferenz bei den Beratungen des Runden Tischs der Bundesregierung am Mittwoch vor. In besonders schweren Fällen sind demnach auch andere oder zusätzliche Leistungen möglich. Außerdem soll es einen Präventionsfonds geben, der mit 500 000 Euro ausgestattet wird.

Betroffene können vom 10. März an Anträge einreichen

Die Kirche macht das Angebot im Alleingang, ohne Regelungen aus der Arbeit des Runden Tischs abzuwarten, die noch nicht absehbar seien. Die Kirche sehe sich in der Pflicht, eine möglichst schnelle Hilfe anzubieten. Betroffene könnten sich vom 10. März an mit Anträgen melden.

Die Entschädigung soll nach dem Angebot der Bischofskonferenz vom Täter persönlich übernommen werden. Wenn der Täter nicht mehr belangt werden kann oder nicht freiwillig zahlt, soll ersatzweise die betroffene kirchliche Stelle einspringen. Die Bischöfe hätten keine Pauschallösung für alle Opfer gewollt, erläuterte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann. Jeder Fall werde auf Antrag einzeln geprüft. Die Auszahlungen sollten möglichst schnell erfolgen und noch in der ersten Jahreshälfte anlaufen. Die Prüfung der Anträge soll eine Zentrale Koordinierungsstelle übernehmen.

Genaue Opferzahlen liegen weiterhin nicht vor

Das Angebot zur finanziellen Entschädigung bezieht sich auf Fälle, bei denen wegen Verjährung kein durchsetzbarer rechtlicher Anspruch mehr auf Schadensersatz und Schmerzensgeld besteht. Um anderen Opfern, bei denen die Fälle noch nicht verjährt sind, einen Rechtsweg zu ersparen, sollen außergerichtliche Einigungen angestrebt werden.

Anträge auf Entschädigung können Personen stellen, „die geltend machen, als Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Bereich geworden zu sein“. Die Richtigkeit der Angaben ist schriftlich an Eides statt zu erklären, weitergehende Belege oder Beweise werden laut Ackermann nicht verlangt.

Angaben über die zu erwartende Anzahl an Anträgen kann die Bischofskonferenz noch nicht machen. Gerechnet wird mit „einigen Tausend“. Auch genaue Opferzahlen gibt es bei der Bischofskonferenz noch nicht.

Opfer kritisieren den Vorschlag: Eine „Unverschämtheit“

Opfer sexuellen Missbrauchs äußerten sich empört über das Entschädigungsangebot. „Es ist schäbig, wie die reichste Kirche der Welt versucht, sich aus der Affäre zu ziehen“, sagte der Sprecher der Opfergruppe Eckiger Tisch, Matthias Katsch.

Katsch sagte, die genannte Summe von bis zu 5000 Euro sei eine „Unverschämtheit“. Es gehe offenbar nicht um die Frage, was für die Tat angemessen sei, sondern was sich die Kirche leisten wolle. „Die Täterorganisation legt selbst fest, was ihr die Angelegenheit wert ist.“

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