Die Polizei rätselt, wie die Täter die hochmoderne Alarmanlage überlistet haben.

Die Einbrecher kletterten über ein Vordach und räumten unbemerkt den Juwelierladen aus.
Die Einbrecher kletterten über ein Vordach und räumten unbemerkt den Juwelierladen aus.

Die Einbrecher kletterten über ein Vordach und räumten unbemerkt den Juwelierladen aus.

dpa

Die Einbrecher kletterten über ein Vordach und räumten unbemerkt den Juwelierladen aus.

Berlin. An dem spektakulären Schmuckdiebstahl im Berliner Edel-Kaufhaus KaDeWe waren laut Polizei mindestens drei maskierte Einbrecher beteiligt. Dies hätten Bilder aus Überwachungskameras gezeigt. Sie schafften es, die hochmodernen Alarmanlagen im zweitgrößten Kaufhaus Europas zu überlisten, und packten offenbar unbelästigt von Wachleuten Schmuck und Uhren im Millionen-Wert ein, bevor sie entkamen. Dies ist der teuerste Einbruch in der hundertjährigen Geschichte des Kaufhauses.

Wie die Einbrecher genau ins Innere gelangt sind und ob sie am Tatort in der Filiale der Juwelier-Kette Christ Spuren hinterlassen haben, wollte die Berliner Polizei gestern nicht sagen. Inzwischen hätten sich aber Zeugen gemeldet, sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. "Es gibt Hinweise zu der Tat, aber bisher nichts Konkretes und keine heiße Spur." Die Polizei suche nach weiteren Zeugen. Experten des Landeskriminalamtes würden nun die Spuren vom Tatort auswerten.

Angaben über die genaue Höhe des Schadens wollte Christ auch gestern nicht machen. Eine Sprecherin sagte nur, "Uhren und Schmuck von nicht unerheblichem Wert" seien gestohlen worden. Zehn Prozent des Wertes von wiederbeschafftem Schmuck, aber höchstens 100 000 Euro, will Christ als Belohnung für Hinweise zahlen. Demnach wäre die Beute mindestens eine Million Euro wert. Laut Zeitungsberichten soll Ware für mehrere Millionen Euro gestohlen worden sein.

Angestellte füllten gestern hinter Absperrungen die ausgeräumten Regale und Vitrinen wieder auf. Davor vertrieben Wachleute die Fotografen. Heute soll die Filiale wieder öffnen.

Die Einbrecher sollen sich durch ein Oberlicht abgeseilt haben

Bekannt ist bisher, dass die Täter zwischen 5 Uhr am Sonntag und 6 Uhr am Montag unbemerkt auf das Vordach eines Seiteneingangs geklettert sind und im ersten Obergeschoss ein Fenster aufgehebelt haben.

Der Sicherheitsexperte Martin Winckel, der einen "Juwelier-Warndienst" betreibt, tippt auf professionelle Täter aus Osteuropa. Darauf weise der reibungslose Ablauf ohne Alarm hin. Solche Profi-Banden gebe es in Deutschland nicht mehr. Der Einbruch sei offenbar lange vorbereitet gewesen. Dass Uhren und Schmuck wieder gefunden werden, erwartet Winckel nicht: "Als der Alarm einging, waren Täter und Juwelen wahrscheinlich schon fast in Moskau."

Das KaDeWe, das 2007 seinen 100. Geburtstag gefeiert hat, gehört mit einer Verkaufsfläche von 60000 Quadratmetern und rund 50000 Besuchern täglich zu den Touristenattraktionen in der Hauptstadt.

Der weitere Ablauf erinnert an Hollywoodfilme wie "Ocean’s Eleven" oder "Mission Impossible". Laut Medienberichten seilten sich die Einbrecher durch ein Oberlicht ab. Nun blühen Spekulationen, dass die Täter mindestens einen Helfer im Haus gehabt haben müssen, der ihnen zumindest ein Fenster geöffnet hat. Nur ein Mitarbeiter des Kaufhauses habe wissen können, wie man Sicherungen, Kameras und Bewegungsmelder überbrückt oder überlistet.

Im Erdgeschoss hebelten sie bei dem Juwelier Schränke auf, schlugen Glasvitrinen ein und entwendeten offenbar gezielt die wertvollsten Stücke: Gold, Silber, Juwelen, Luxusuhren.

Eine Sprecherin des KaDeWe betonte: "Wir gelten als eines der am besten gesicherten Kaufhäuser." Die Sicherheitsvorkehrungen lägen "weit über den üblichen Standards". Nach Medienberichten haben Experten der Versicherungsgesellschaft den Schaden bereits taxiert. Die komplette Ware in der Filiale der Juwelier-Kette sei versichert, man werde den Schaden ersetzen.

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