Der ehemalige Post-Chef kommt nicht zur Ruhe. Jetzt holt ihn die Spitzelaffäre bei der Telekom ein. Dort war er Aufsichtsratschef.

Im Januar saß Klaus Zumwinkel (hier mit seinen Anwälten) wegen Steuerhinterziehung auf der Anklagebank.
Im Januar saß Klaus Zumwinkel (hier mit seinen Anwälten) wegen Steuerhinterziehung auf der Anklagebank.

Im Januar saß Klaus Zumwinkel (hier mit seinen Anwälten) wegen Steuerhinterziehung auf der Anklagebank.

dpa

Im Januar saß Klaus Zumwinkel (hier mit seinen Anwälten) wegen Steuerhinterziehung auf der Anklagebank.

Bonn. Klaus Zumwinkel wird selbst im selbstverschuldeten Ruhestand von Ermittlern verfolgt. Aus dem mächtigen und lange Zeit höchst angesehenen Spitzenmanager wurde wegen seiner privaten Steuerhinterziehung ein verurteilter Krimineller.

Nach dem Urteil in der Liechtenstein-Steueraffäre - einem der spektakulärsten deutschen Steuerstrafverfahren - zog sich der 65-Jährige mit einer Bewährungsstrafe aus seiner Kölner Villa ganz legal auf seine festungsgleiche Burg Tenno am Gardasee in Italien zurück.

Und die "Rente" war auch schon gesichert: Wie jetzt bekannt wurde, ließ sich Zumwinkel seine gesamten Pensionsansprüche vom Post-Konzern auszahlen - das sollen 20 Millionen Euro sein.

Doch seit Freitag ist die Freude über den "goldenen Herbst" seines Lebens erneut getrübt: Überraschend standen Ermittler vor der Tür seiner Burg.

Diesmal ging es nicht um privates Fehlverhalten oder Gier, sondern um die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt seit knapp einem Jahr, ob der langjährige Post-Vorstandschef als Ex-Aufsichtsratschef bei der Schwester Telekom in den Skandal verwickelt ist und ob er die gesamte Aktion auch insgeheim angestoßen haben könnte.

Intern hatte die Telekom nach der Amtszeit von Zumwinkel aufgedeckt, dass in den Jahren 2005 und 2006 unter anderem Aufsichtsräte und Journalisten ausgespäht worden waren, indem ihre Telefonverbindungen überprüft wurden. Rund 60 Personen sollen davon betroffen sein.

Klaus Zumwinkel weist jede Mitverantwortung zurück

Zumwinkel selbst hatte unmittelbar nach seinem Steuer-Schuldspruch jede Mitverantwortung zurückgewiesen. Als damaliger Aufsichtsratschef habe er keine Weisungsbefugnis gehabt. Das operative Geschäft habe der Vorstand geführt. Diese Äußerung führt zum damaligen Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Auch Ricke wurde von Razzien überrascht - und das gleich an zwei Orten: in seinem Schweizer Haus und am Ammersee in Bayern, wo seine Frau ein Anwesen hat und Ricke auch anwesend war, als die Beamten klingelten.

Auch Ricke hatte seine Zelte in der Heimat abgebaut und war still und leise von Bonn am Rhein in die Schweiz übergesiedelt. Möglicherweise hat eine Schlüsselfigur in der Affäre, ein früherer Konzern-Sicherheitsmanager, inzwischen geplaudert. Der Mann sitzt als Verdächtiger bereits seit einigen Monaten in Untersuchungshaft. Kamen seine ominösen Auftraggeber aus der Konzernspitze? Das will die Staatsanwaltschaft klären.

Ende Januar war Zumwinkel wegen Hinterziehung von knapp einer Million Euro Steuern vom Bochumer Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Gedächtnis bleibt die Aktion, als er am 14. Februar 2008 vor laufenden Kameras aus seiner Kölner Villa nach einer Razzia von der Staatsanwaltschaft zum Verhör mitgenommen. Einen Tag nach den TV-Bildern räumte der langjährige Post-Lenker seinen Schreibtisch und gab dann auch seinen Posten bei der Telekom auf.

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