Jahrhundertjuli 2010. Deutschland steuert auf einen Hitzerekord zu -und es gibt keine Hoffnung auf rasche Erfrischung. Stattdessen drohen weiter Unwetter.

Der Juli ist der heißeste seit 110 Jahren - da hilft nur noch Abkühlung, wie hier im Eisbach in München.
Der Juli ist der heißeste seit 110 Jahren - da hilft nur noch Abkühlung, wie hier im Eisbach in München.

Der Juli ist der heißeste seit 110 Jahren - da hilft nur noch Abkühlung, wie hier im Eisbach in München.

dpa

Der Juli ist der heißeste seit 110 Jahren - da hilft nur noch Abkühlung, wie hier im Eisbach in München.

Offenbach. Die Juli-Sonne stellt alles in den Schatten. Seit mindestens 110 Jahren war es in Deutschland im Juli nicht mehr so heiß, der Monat könnte als heißester Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1900 in die Geschichte eingehen.

Ein Ende der Hitzewelle mit Temperaturen um die 30 Grad sei bis mindestens zum übernächsten Wochenende nicht zu erwarten, sagte DWD-Meteorologe Andreas Friedrich am Mittwoch.

Hinzu kommen heftige Unwetter - immer dann, wenn es kühlere Luft vom Atlantik nach Mitteleuropa schafft und dort auf die aufgeheizte Luft trifft. Wenn die Gewitter vorbei sind, heizt die Sonne die Luft wieder auf. "Dieses Spiel wiederholt sich alle zwei bis drei Tage", sagte Friedrich.

Die Unwetterlinien überqueren Deutschland jeweils von West nach Ost mit Gewittern, Starkregen, Hagelschlag und möglicherweise auch Tornados. Erst am Montag hatte Sturmtief "Norina" in Teilen Deutschlands eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, für den Mittwoch warnten die Wetterdienste vor neuen Unwettern.

Der Donnerstag sollte ein wenig Abkühlung bringen. Bereits in der Nacht zum Samstag könnten dann die nächsten Gewitter zuschlagen.

In den ersten 13 Juli-Tagen registrierte der DWD eine Durchschnittstemperatur von 22,3 Grad für Deutschland. "Das sind 5,4 Grad über normal", sagte Friedrich. Der bisherige Rekord liegt bei 22,1 Grad und wurde im Juli 2006 aufgestellt. Das Wetter trug damals zum "Sommermärchen" der Fußball-WM in Deutschland bei.

In diesem Jahr ist die Berliner Innenstadt Deutschlands Hotspot: Die Wetterstation Alexanderplatz registrierte seit Monatsbeginn eine Mitteltemperatur von 25,8 Grad, das sind 6,6 Grad mehr als im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990.

Regen fällt nur dort, wo Gewitter niedergehen. Dann können zwar große Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit fallen - nur wenige Kilometer weiter aber bleibt es knochentrocken. Ein sanfter, ergiebiger Landregen, der die ausgedörrten Böden wieder durchfeuchten könnte, ist nicht in Sicht.

In etlichen Regionen hat es seit Wochen nicht geregnet, in Offenbach seit 27 Tagen nicht. In Waibstadt und Ingelfingen-Stachenhausen (Baden-Württemberg) sowie in Weihenstephan und Kahl am Main bei Aschaffenburg (Bayern) meldeten die DWD- Stationen seit Anfang Juli keinen messbaren Niederschlag.

Nachts gibt es nur wenig Abkühlung, vor allem in den aufgeheizten Innenstädten hält sich die Wärme. In der Nacht zum Mittwoch wurden am Berliner Alexanderplatz 22 Grad als Tiefsttemperatur gemessen, am Stadtrand war es mit 14 bis 17 Grad deutlich angenehmer. Die Station Berlin-Alexanderplatz registrierte am Mittwochmorgen die fünfte Tropennacht in Folge.

So nennen die Meteorologen Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Auch die nächsten Nächte sollen Tropennächte werden. "Eine solche Serie tropischer Nächte hat es in den fast 250 Jahre zurückreichenden Messreihen in Berlin wohl noch nie gegeben", sagte Friedrich.
 

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