Paris. Drei Jugendliche haben mit einem spektakulären Banküberfall in der Pariser Innenstadt einen Großeinsatz der Polizei mit Hubschraubern und Spezialeinsatzkräften ausgelöst. Sie kamen nicht weit: Am Mittwoch wurde der letzte flüchtige Täter gefasst. Eine hübsche 17-jährige Blondine habe der Bande am Dienstag als Türöffner gedient, erklärte die Polizei. Das liegt im Trend: Seit 2003 hat sich die Zahl der Gewalttaten junger Mädchen in Frankreich auf 7000 verdoppelt.

Das gut geschminkte, sommerlich weiß gekleidete Mädchen war am Dienstag problemlos durch die Sicherheitsschleuse der Bank gekommen. Einmal drinnen, zog das Mädchen eine Waffe und zwang die Bankangestellten, ihre gleichaltrigen Mittäter reinzulassen. Die Jugendlichen wollten in den Tresorraum, wo die Kunden ihre Wertsachen aufbewahren. Sie wussten nicht, dass die Bank in der noblen Rue Monge im berühmten Quartier Latin gar keinen Tresorraum besitzt.

Völlig überrascht wurden die Täter, als plötzlich die Polizei eintraf. Sie hatten nicht ausgekundschaftet, dass das Überwachungssystem der Bank mit der Polizei verbunden ist. Die drei flohen durch den Notausgang - doch das Mädchen und einer ihrer maskierten Komplizen wurden schnell in einem nahen Garten gefasst.

Der kräftige Junge hat bereits 41 Straftaten auf dem Kerbholz, darunter Diebstahl und Raub. Das Mädchen steht schon wegen Drohungen und Sachbeschädigung in den Akten. Die Ermittlung und Festnahme des ebenfalls vorbestraften dritten Täters am Mittwoch in seiner Wohnung in Alfortville bei Paris war für die Polizei nur noch Routine.

Kriminalexperten erklärten der Zeitung "Le Parisien", haltlose junge Mädchen aus Problemvierteln würden von kriminellen Jugendlichen leicht ausgenutzt. Sie hätten keine Skrupel und kein Gefühl für das Risiko. "Sie sind in der Lage, sehr schnell sehr weit zu gehen", erklärte der Anwalt Joseph Cohen-Sabban.

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