Passau. Den jahrelangen sexuellen Missbrauch von acht Jungen und einem Mädchen muss ein bayerischer Judotrainer mit sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis büßen. Das Passauer Landgericht wies den 38-Jährigen am Donnerstag zudem in eine Psychiatrie ein. Der Mann hatte mehr als 200 Missbrauchsfälle zugegeben.

Er ist nach Ansicht der Gutachter pädophil und muss therapiert werden, damit er in Zukunft mit seiner Neigung umgehen kann. Andernfalls seien weitere Übergriffe auf Kinder zu erwarten.

Der Passauer Trainer hatte die neun und mehr Jahre alten Jungen nach dem Sportregelmäßig beim gemeinsamen Duschen eingeseift und dabei unsittlich berührt.

Auch an mehreren Jungen und einem Mädchen aus seinem Bekanntenkreis hatte er sich vergangen, teilweise kam es dabei auch zu weitergehenden sexuellen Handlungen. Diese Fälle wurden deswegen als schwerer sexueller Kindesmissbrauch eingestuft.

Insgesamt listete die Anklage neun Opfer auf. Die Fälle einiger anderer Geschädigter wurden aus verschiedenen Gründen nicht verhandelt. Die Anklage sei nur "die Spitze des Eisbergs", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Hainzlmayr. Mit seinem Geständnis hatte der 38-Jährige den Opfern eine Aussage in dem Prozess erspart.

Obwohl es bereits früher Verdächtigungen gegen den 38-Jährigen gab, konnte er bis zu seiner Verhaftung weiterhin Kinder bei dem Passauer Sportverein betreuen. Der Judoclub habe "den Bock zum Gärtner" gemacht und bis zum Schluss hinter dem Trainer gestanden, kritisierte der Staatsanwalt.

Gegen den Mann war ein früheres Ermittlungsverfahren zunächst eingestellt worden, im Jahr 2008 kam es zu einer Verurteilung beim Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe. Grund war, dass der Mann sich an zwei Buben im Zeltlager vergangen hatte. Obwohl er damit "mehrere Schüsse vor den Bug" bekommen habe, habe der Trainer weiterhin Kinder missbraucht, betonte Richter Hainzlmayr.

Nach dem ersten Urteil ergaben sich in der Berufungsverhandlung neue Hinweise auf weitere Fälle. Im April 2009 kam der Mann deshalb in Untersuchungshaft.

Als die Medien dann über den Kindesmissbrauch während des Sporttrainings berichteten, ging es nach Angaben des ermittelnden Kripobeamten "Schlag auf Schlag". Reihenweise hätten sich weitere Opfer und Eltern gemeldet, sagte der Polizist.

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