Kaum ein anderes Kleidungsstück polarisiert derart wie die Jogginghose. Am Donnerstag darf sie ganz ungeniert getragen werden – oder nicht?

Jogginghosentag
Gemütlich ist sie ja schon – aber auch wirklich schick? Eher nicht. An der Jogginghose scheiden sich die Geister. Der 21. Januar ist der Tag der Jogginghose. Foto: dpa

Gemütlich ist sie ja schon – aber auch wirklich schick? Eher nicht. An der Jogginghose scheiden sich die Geister. Der 21. Januar ist der Tag der Jogginghose. Foto: dpa

Jan-Philipp Strobel

Gemütlich ist sie ja schon – aber auch wirklich schick? Eher nicht. An der Jogginghose scheiden sich die Geister. Der 21. Januar ist der Tag der Jogginghose. Foto: dpa

Düsseldorf. „Wer Jogginghosen anzieht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Modezar Karl Lagerfeld hat sein Urteil über dieses Kleidungsstück längst gefällt. Und in der Tat – die bequemen Schlabberhosen polarisieren. Mann trägt sie gerne, Frau verzieht dabei ebenso gerne das Gesicht.

Eine frühere Nachbarin hat einmal gesagt, dass ihr „der Erfinder der Jogginghose nicht in die Finger geraten darf“. Ihr Gatte, ein Banker, verlor laut Lagerfeld zumindest an den Wochenenden regelmäßig die Kontrolle über sein Leben. Eigentlich hatte er dann immer eine an. Am Donnerstag ist, Sie ahnen es, der Tag der Jogginghose.

Wer genau die Jogginghose erfunden hat, lässt sich nicht mehr klären. Es war ein fließender Übergang von den eher schlichten Sportanzügen der 1950er und 1960er Jahren zu eben jenen Jogginghosen, die in den 1970er Jahren eher figurbeleidigend (Windelhintern“), aber auch sehr bequem und bunt daherkamen.

Weit geschnitten lassen sie den Träger leicht unförmig wirken

Das Material besteht oft aus Nylon, gerne mit einem Futter aus Baumwolljersey oder Frottee. Das sind dann die berühmten Ballonseide-Produkte, in denen sich schon manch einer blamiert hat. Besonderes Kennzeichen: sie sind weit geschnitten und lassen den Träger leicht unförmig wirken. Natürlich gibt es auch Jogginghosen aus Baumwolle oder zumindest mit einem hohen Baumwollanteil. Der ist gut für Sportler, weil schweißaufnehmend. Viele Träger – eigentlich die meisten – treiben aber in dieser Kleidung keinen Sport.

In den 1980er Jahren begann der Siegeszug der Jogginghose. Knallbunte Bonbonfarben und der unvermeidliche Schlabberlook waren hoffähig geworden. Kein Wunder, es war ja auch die Zeit der Karottenhosen und des besonders farbenfrohen Modegeschmacks.

Globale Anerkennung für die Jogginghose fordern die Initiatoren eines ungewöhnlichen Aktionstages. Am 21. Januar als internationalem Jogginghosen- Tag soll der Schlabberlook zum Leidwesen modebewusster Zeitgenossen überall präsentiert werden. Der „International Sweatpants Day“ geht auf eine Faschingsidee von vier Schülern aus der österreichischen Stadt Graz zurück. Nach ihren Angaben bekennen sich inzwischen Hunderttausende in mehr als 50 Ländern zur Bequemlichkeit. Sie gehen am 21. Januar demonstrativ in Jogginghosen zur Arbeit, ins Restaurant oder zu besonderen Schlabber-Partys.

Mittlerweile haben einige Prominente wie etwa Glamourgirl Paris Hilton die Jogginghose auf offiziellen Terminen zur Schau gestellt, für Hip-Hopper sind sie praktisch Berufskleidung – und immer häufiger sieht man auf Langstreckenflügen Passagiere, die es sich in Fallschirmseide bequem machen. Letztere ziehen sich aber üblicherweise vor Ende des Fluges wieder um.

Eine Schule im schwäbischen Schwieberdingen schaffte es mit ihrer Schulordnung im November in die Schlagzeilen. Die schreibt nämlich eine „angemessene und ordentliche Kleidung“ vor – und die Jogginghose gehöre nicht dazu, sagt Schulleiterin Ilse Riedl. Dabei handelt es sich nicht um ein Verbot: „Wir sind uns mit den Eltern einig, dass die Jogginghose keine angemessene Kleidung zum Lernen ist“, ist Riedl überzeugt. Dabei würde Riedl am Jogginghosen- Tag sogar ein Auge zudrücken in Sachen Schulordnung. „Ich werde das Thema zwar nicht platzieren“, sagt sie. „Aber wenn das von meinen Schülern käme - ich habe doch Humor. Dann darf man eben einmal so richtig danebengreifen im Kleiderschrank.“

Modeberater Andreas Rose meint zwar, dass man Jogginghosen in der Öffentlichkeit tragen kann, aber „nur Fashion-Profis und urbanen Trendsettern nimmt man diesen Look eigentlich ab“, so seine Warnung. Die Kombination mit Kapuzenpulli sieht seiner Meinung nach schnell prolligfaul aus. Und auch wenn die Sweatpants in edlen Stoffen daherkommt und mit Blazer getragen wird, wirke das komplette Outfit häufig nicht stimmig, findet Rose.

„Kräftige und untersetzte Figuren sollten die Finger davon lassen, denn der Look kann schnell kippen.“ Und wie geht es nun richtig? „Die Jogginghose verlangt nach schmalen Kombi-Partnern, also keine weiten Blusen und Oversize-Tops anziehen, sondern figurbetonte Oberteile“, rät Rose. Dazu viel Schmuck kombinieren. Das Oberteil kommt locker in den Hosenbund. „High Heels verlängern das Bein und machen den Look auch im Büro salonfähig.“

Männern empfiehlt der Experte, im Stilkontrast etwa Lederjacke und Boots zur Hose zu kombinieren – so wird der Look rockig. „Die lässige Hip- Hop-Version sorgt im Mix mit Bomberjacke und Metallic- Sneakers für ein Fashion-Update.“ Ein bekennender Jogginghosenträger ist übrigens der frühere Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Und dass sich sportliches Aussehen und Nylonhosen nicht grundsätzlich ausschließen, zeigt Klopp immer wieder. Aber der Trainer hat in der Vergangenheit mit seinen Ausbrüchen am Spielfeldrand auch gezeigt, dass vielleicht doch etwas an der Lagerfeld- Theorie dran ist.

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