Landesregierung will die Zahl der Operationen reduzieren. Ab Februar arbeitet ein „Runder Tisch Geburtshilfe“.

Sechs Kilo schweres Kind an der Charité geboren

Britta Pedersen

Düsseldorf. Trotz sinkender Geburtenrate ist die Zahl der Kaiserschnitte gestiegen: Von rund 174 000 Geburten in NRW im Jahr 2000 erfolgten 22 Prozent (38 400) per Operation. 2012 wurden rund 46 500 Kaiserschnitte durchgeführt; das entspricht bei rund 145 000 Geburten einer Rate von 32 Prozent.

Eine Absage an den „Wunschkaiserschnitt“

„Fast jedes dritte Kind erblickt inzwischen per Operation das Licht der Welt“, sagt Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Die Landesregierung ist alarmiert und richtet einen „Runden Tisch Geburtshilfe“ ein – unter anderem mit dem Ziel, die hohe Zahl von Kaiserschnitten zu reduzieren. „Eine Operation sollte nur erfolgen, wenn sie notwendig ist“, sagt Steffens. Das ist auch eine Absage an „Wunschkaiserschnitte“.

2010 wurden bundesweit 31,9 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. „Damit gehört Deutschland in Europa zu den Ländern mit der höchsten Rate“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. In den vergangenen Jahren sei zudem die Kaiserschnittrate bei Frauen unter 25 Jahren überdurchschnittlich gestiegen.

Biologisch betrachtet liegt das optimale Alter einer Frau für eine erste Schwangerschaft zwischen 19 und 24 Jahren. Tatsächlich ist eine Erstgebärende hierzulande im Mittel 30 – was die Risiken einer natürlichen Geburt erhöht. Aus Sicht des Neugeborenen aber ist diese der gesündere Weg: „Sie stärkt den Überlebenswillen“, sagt Gynäkologe Dr. Detlev Katzwinkel aus Langenfeld. Studien belegten, dass das Risiko des Kindes zu erkranken nach einem Kaiserschnitt höher sei – ebenso wie das Risiko des plötzlichen Kindstods in den ersten fünf Monaten.

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