Ein Helfer berichtet über die Katastrophe vor fünf Jahren. Heute ist der Wiederaufbau fast überall abgeschlossen.

Berlin. Rainer Lang wirkt wie ein Mann, den nichts so schnell aus der Ruhe bringen kann. Aber wenn er sich an den Jahresbeginn 2005 erinnert, sucht er nach Worten.

"So stellt man sich einen Alptraum vor, eine Atombombenexplosion vielleicht oder einen Weltuntergangsfilm", sagt der 55-Jährige dann.

 Lang war für die Diakonie-Katastrophenhilfe in Sri Lanka - wenige Tage nachdem der Tsunami im Indischen Ozean die Küstenregionen des Landes völlig verwüstet hatte.

Heute, fünf Jahre später, ist der Wiederaufbau so gut wie abgeschlossen. Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Wasserversorgung sind nach Einschätzung des deutschen "Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe" oft sogar besser als zuvor. Doch nur Investitionen in die Vorsorge können nach Einschätzung der Experten verhindern, dass sich eine derartige Tragödie mit fast 230 000 Todesopfern wiederholt.

Lang erlebte das Ausmaß der Verwüstung, als er in den betroffenen Küstengebieten ankam. "Dort war alles platt. Wirklich kein Stein stand mehr auf dem anderen. Überall irrten verzweifelte Menschen herum oder saßen im Schockzustand einfach da. Ihre Haut war oft völlig aufgerissen, denn sie hatten sich an den scharfkantigen Palmenstämmen festgeklammert. Und viele mussten mit ansehen, wie ihre Kinder keine Kraft mehr zum Festhalten hatten und einfach untergingen."

Mit einem Gottesdienst in der Johanneskirche in Düsseldorf gedenken Angehörige und Überlebende der Opfer des Tsunamis vor fünf Jahren. Zu der Gedenkfeier am Zweiten Weihnachtstag um 10 Uhr werden auch Katastrophenhelfer erwartet. Insbesondere soll an die 552 deutschen Vermissten und Toten erinnert werden, hieß es im Düsseldorfer Landeskirchenamt.

Seit dem Tsunami vor nun fünf Jahren werden immer noch 13 Deutsche vermisst. 539 deutsche Opfer konnten bislang identifiziert werden.

Ein Seebeben der Stärke 9,1 hatte 2004 in den Küstenregionen mehrerer asiatischer Länder rund 230 000 Menschenleben gefordert. Hunderttausende Bewohner in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und weiteren Anrainer-Staaten des Indischen Ozeans wurden obdachlos.

Mit deutscher Hilfe ist in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Tsunami-Warnzentrale entstanden, die mit neuesten Messgeräten und Computermodellen einmalig ist in der Welt. Federführend ist das Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam.

Langs Aufgabe war es, Hilfsbedarf zu sondieren und unter den Partnerorganisationen abzusprechen. "Am Anfang waren alle völlig überfordert", erinnert er sich. Es galt, Überlebende unterzubringen, ihnen Kleidung und Essen zu geben. Bald fuhr Lang weiter, erreichte Gebiete im Osten, die von Rebellen kontrolliert worden waren. "Da war es noch schlimmer. Die pure Armut. Aber zumindest arbeiteten Armee und Rebellen friedlich nebeneinander."

Nach sechs Monaten konnten fast alle Kinder wieder zur Schule gehen

Nach einem chaotischen Anfang wurde die Nothilfe dennoch ein Erfolg. "Kein einziges Kind musste an Unterernährung oder durch Seuchen sterben", berichtet Regine Stachelhaus von Unicef. Zwei Millionen Menschen wurden binnen weniger Tage mit Wasser, Nahrung und medizinischer Hilfe versorgt. Ein halbes Jahr danach gingen bereits fast alle Kinder wieder in provisorische Schulen. Rund 330 Millionen Euro wurden in Deutschland für den größten Hilfseinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg gespendet.

Die Vorwürfe, es sei zu viel Geld gesammelt worden, weisen die Organisationen zurück. "Umgekehrt ist es richtig: Wir brauchen mehr Geld für vergessene Katastrophen." Und mit Blick auf die Zukunft mahnt der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters: "Der Klimawandel ist der Tsunami von morgen."

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