Die Kette „My Islamic Banking“ bietet in Düsseldorf Geldgeschäfte für alle, die nach dem Koran leben.

Neueröffnung
Eine Bankangestellte marokkanischer Herkunft vermittelt in der neuen Düsseldorfer Bankfiliale Geldgeschäfte nach islamischen Grundsätzen.

Eine Bankangestellte marokkanischer Herkunft vermittelt in der neuen Düsseldorfer Bankfiliale Geldgeschäfte nach islamischen Grundsätzen.

Stefan Arend

Eine Bankangestellte marokkanischer Herkunft vermittelt in der neuen Düsseldorfer Bankfiliale Geldgeschäfte nach islamischen Grundsätzen.

Düsseldorf. Hinter der grauen und noch nackten Hauswand würde kaum jemand einen Finanzberater vermuten. Das kleine Büro in Düsseldorf-Oberbilk, wo der Ausländeranteil mit 29 Prozent elf Punkte über dem Durchschnitt der Stadt liegt, ist noch im Aufbau. Doch schon bald sollen hier zinslose Kredite vergeben werden – nach den ethischen Grundsätzen des Korans. Das Unternehmen „My Islamic Banking“ eröffnet in Düsseldorf und Dortmund die ersten Filialen in NRW für islamkonforme Finanzdienstleistungen – von der Altersvorsorge bis zur Baufinanzierung.

 

„Wenn ein junger Unternehmer einen Kredit braucht, bekommt er diesen zinslos. Dafür beteiligen wir uns mit fünf Prozent am Gewinn.“

David Kremer, Geschäftsführer „My Islamic Banking“

Ein wesentlicher Baustein ist dabei das Zinsverbot: Jedem Transfer muss ein reales Gut zugrunde liegen, das heißt, ein Anleger erhält keine Zinsen, sondern wird am wirtschaftlichen Erfolg der Bank beteiligt. „Und wenn ein junger Unternehmer einen Kredit braucht, bekommt er diesen zinslos. Dafür beteiligen wir uns mit fünf Prozent am Gewinn“, sagt David Kremer, Geschäftsführer „My Islamic Banking“.

Riskant sei das schon, deshalb werden kurzfristige Anlagen mit größtmöglicher Risikovermeidung bevorzugt. „Grundsätzlich basiert das ganze Prinzip auf einer großen Portion Vertrauen“, sagt Kremer. Als sündhaft gelten im Bankgeschäft nach der Scharia, dem religiösen Gesetz des Islam, unschickliche Investitionen und Spekulationsgeschäfte, vor allem aber dürfen Muslime nur in islamgerechte Geschäfte investieren. Verboten sind Branchen wie Alkohol, Waffen, Schweinefleisch und Glücksspiel.

Kunde zahlt Jahresbeitrag anstelle von Kontoführungsgebühren

Aber auch die „islamic Banker“ sichern sich ab: Monatliche Kontoführungsgebühren fallen zwar nicht an, dafür wird in vielen islamischen Banken ein Jahresbeitrag gezahlt. Auch Darlehen sind verboten: Will ein Kunde ein Haus kaufen, so erwirbt die Bank die Immobilie und verkauft sie mit einem Gewinnaufschlag per Raten an den Käufer weiter.

Finanzexperten schätzen, dass etwa 15 Prozent der rund vier Millionen Muslime in Deutschland ein Interesse an islamkonformen Bankgeschäften haben, mit steigender Tendenz. Ein lukratives Geschäft, das Marktpotenzial liege damit bei rund 1,6 Milliarden Euro. Besonders NRW bietet dabei genug Spielraum, wo schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Muslime leben.

Zwei Berater werden in der Düsseldorfer Filiale tätig sein, die auf Wunsch auch zu ihren Kunden nach Hause kommen. Das Konzept komme auch bei Nicht-Muslimen an: Rund 20 Prozent der Kunden seien keine Muslime.

Auch deutsche Banken und Finanzdienstleister mischen mit

Auch deutsche Banken und Finanzdienstleister machen „islamic Banking“: 2010 hatte etwa die Deutsche Bank eine Lizenz für islamisches Bankwesen von der malaiischen Zentralbank erworben und kann seitdem auf Wunsch islamische Dienstleistungsgeschäfte abwickeln. Im selben Jahr eröffnete auch eine andere islamische Bank in Mannheim: die Kuveyt Türk Bank.

Doch auch die Koran-konformen Banken blieben nicht von der internationalen Finanzkrise verschont: 2008 fiel der Dow Jones Islamic Market Index innerhalb von zwölf Monaten um 42 Prozent. „Sicher ist das Geschäft nie“, meint auch Kremer.

myislamicbanking.de

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