Das Geheimnis ihres Glücks? Paarberater Felicitas und Volker Lehnert nennen es den Lebensstil gegenseitiger Bereicherung. Das beste daran: Diese Liebe ist erlernbar.

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Felicitas und Volker Lehnert schrieben über die Ehe als Lebenstil gegenseitiger Berreicherung.

Felicitas und Volker Lehnert schrieben über die Ehe als Lebenstil gegenseitiger Berreicherung.

Felicitas und Volker Lehnert schrieben über die Ehe als Lebenstil gegenseitiger Berreicherung.

Uli Engers, Bild 1 von 2

Felicitas und Volker Lehnert schrieben über die Ehe als Lebenstil gegenseitiger Berreicherung.

Frau Lehnert, Herr Lehnert, sind Sie glücklich verheiratet?
Beide: Absolut.
 
Was ist denn Glück in der Ehe - nach 26Jahren?
Felicitas Lehnert: Dass ich ohne zu überlegen sagen kann: Das würde ich sofort wieder machen.

Volker Lehnert: Dass ich einen Menschen an meiner Seite habe, bei dem Treue, Zuverlässigkeit und Vertrauen absolut gewährleistet sind.

Hat die Ehe gegenüber anderen Lebensformen einen Vorzug?
Felicitas Lehnert: Ich lebe selbst lange in einer Ehe, habe da sehr gute Erfahrungen gemacht und arbeite beruflich mit Ehen. Da fühle ich mich nicht kompetent, mich über andere Lebensformen zu äußern.
 
Nur so viel: Eine Basis für glückliche Beziehungen ist Zuverlässigkeit. Da bietet die Ehe eine Möglichkeit. Willkür kann zwar glückliche Momente erzeugen, aber kein glückliches Lebensgefühl.

Volker Lehnert: Das ist auch der Ansatz in unseren Büchern. Wir betreiben keine Ideologisierung von Ehe, als sei sie die Lebensform schlechthin und alles andere irgendwie minderwertig. Sondern wir sagen anders: Wenn jemand in einer Ehe leben möchte, dann muss er’s richtig machen.

Was meinen Sie mit "richtig machen"?
Volker Lehnert: Sich so zu verhalten, dass innerhalb der Beziehung ein Plus an Lebensqualität entsteht. Ich erlebe ja eine Bereicherung durch meine Frau und sie durch mich - mit meiner Frau bin ich mehr als ohne sie. Eine glückliche Ehe meint immer die Ergänzung.
 
Es gibt eine Aufgabenteilung und ein Bezogensein auf den Weg und auf die Bedürfnisse des anderen. Das Ganze ist mehr als die Summer zweier Menschen. Also nicht: Lass mich so autonom wie möglich. Sondern: Was können wir uns gegenseitig Gutes tun?
 
Felicitas Lehnert: Ein anderer Aspekt ist, dass ich nur auf die Nähe einer Paarbeziehung hin gewisse Chancen habe, mich zu spiegeln und weiterzuentwickeln. Ein banales Beispiel: Ein Partner sagt "Wie isst du eigentlich? Du schmatzt!"
 
Das sagt ein Fremder nicht. Das hat natürlich auch etwas Unangenehmes, weil nicht jeder sein eigenes Spiegelbild gut ertragen kann. Aber es eröffnet eine Möglichkeit der persönlichen Reifung, derer man sich beraubt, wenn man die Nähe, die eine Partnerschaft bietet, nicht zulässt.

Liebe ist: Sagen, was ich mir wünsche, aber tun, was der andere braucht.

Macht die Ehe sozial verträglicher...
Volker Lehnert: Wir glauben ja.
 
...und hat sie positive gesellschaftliche Auswirkungen?
Volker Lehnert: Unbedingt.
 
Felicitas Lehnert: Wir erleben eine Generation von verwöhnten Einzelkindern, so um die 30. Wenn die heiraten, kommt es häufig vor, dass sie nach der Schmetterlingsphase sterbensunglücklich sind. Weil sie sich nämlich jeder für sich ein Puzzle gemacht haben, in dem nur noch ein Stück fehlt - das ist der andere, der soll da rein.
 
Und die beiden schaffen es nicht zu sagen: Wir sind jetzt ein Paar, wir müssen gemeinsam ein neues Puzzle bilden. Jeder hat seine festen Vorstellungen, auch davon, was der andere liefern soll. Aber so funktioniert das nicht.

VolkerLehnert: Was nicht vorhanden ist, ist das Bewusstsein: Ich bin mit dafür verantwortlich, dass es meiner Frau/meinem Mann gut geht.

In Ihrem Buch nennen Sie das den Lebensstil der gegenseitigen Bereicherung.
Felicitas Lehnert: Ich will das nochmal in einem anderen Bild erklären. Wenn zwei Enten heiraten, ist das ganz einfach. Die meisten Ehepaare sind aber als Beispiel ein Affe und eine Ente. Und die verstehen sich nicht automatisch.
 
Jetzt können die beiden sich gegenseitig vorwerfen, dass der andere den falschen Lebensraum hat, das falsche Futter möchte und überhaupt ganz blöd ist. Oder die Ente sagt: Ich habe durch den Affen einen sehr viel größeren Lebensraum. Gegenseitige Bereicherung ist das Gegenteil von gegenseitigem Infragestellen.
 
Volker Lehnert: Die Ente lernt, im Bild gesprochen, durch den Affen etwas vom Urwald kennen. Und der Affe lernt von der Ente etwas vom Tümpel kennen. Beide erweitern ihren Lebensraum, wenn sie das, was dem anderen wichtig ist, wahrnehmen und in diese Welt eintreten. Der Affe müsste lernen: Mit Bananen mache ich dir keine Freude.
 
Ich mache dir Freude, wenn ich ein Umfeld schaffe, in dem du schwimmen kannst - obwohl mir selbst schwimmen keinen Spaß macht. Dieser Gedanke, von sich selbst zu abstrahieren und die Liebessprache des anderen zu lernen, das ist offensichtlich eine unheimlich schwere Lektion unter Partnern.
 
Klingt alles nach Arbeit...
Felicitas Lehnert: Ja sicher. Wenn einer nur Ehekonsument ist, kann man mit ihm keine Ehe machen. Wobei ich den Begriff Arbeit nicht so gern habe, der klingt so sauertöpfisch. Wenn schon Arbeit, dann nicht im Sinne von Job, sondern von Gestaltung, von Pflege.

Volker Lehnert: Das fällt eben nicht in den Schoß, gegenseitige Bereicherung stellt sich nicht automatisch ein.

Wie schlimm ist der Seitensprung für eine Partnerschaft?
Felicitas Lehnert: Er ist der Super-Gau. Und ich höre häufig Paare sagen: Wenn ich das nur gewusst hätte... Er wird völlig unterschätzt, weil er gesellschaftlich so banalisiert oder sogar noch als Auffrischung der eigenen Sexualität betrachtet wird.
 
Aber nach einem Seitensprung wird die Beziehung nie wieder so sein wie vorher. Das heißt nicht, dass sie zu Ende ist. Doch es bleibt eine Narbe. Das grenzenlose Vertrauen kommt nie mehr zurück, es bleibt immer dieser kleine Zweifel...

Volker Lehnert: Die faktische Wirkung des Seitensprungs, auch unter modernen, aufgeklärten, liberalen Menschen, ist: Es tut höllisch weh.

Wie wichtig ist Sex?
Felicitas Lehnert: Sexualität ist in einer Ehe elementar. Sexualität ist aber mehr als junges Kopulationsverhalten; der Koitus macht vielleicht 15 Prozent der Sexualität aus.
 
Sexualität ist körperliche Nähe, Zärtlichkeiten wie Massieren, vertrautes Handeln. All das, was ich anstößig fände, wenn mein Partner es mit einer anderen Frau täte. Das fängt beim Händchenhalten an.
 
Sie sind beide Christen. Hilft gemeinsame Überzeugung in der Ehe?
Felicitas Lehnert: Sie kann durchaus helfen. Allerdings sollte man eine Ehe nicht auf einem ideologischen Hintergrund aufbauen, das wäre eher Vereinsbildung als Liebesbeziehung.
 
Welche Basis braucht eine Beziehung, die gelingen soll?
Felicitas Lehnert: Ehrlich zu fragen: Möchte ich, dass es dem anderen gut geht? Und sind wir grundsätzlich in der Lage, Kompromisse zu finden?
 
Bitte vervollständigen Sie den Satz: Liebe ist...
FelicitasLehnert: ...einen Menschen so anzunehmen, wie er ist, und zu seinem Leben das beizutragen, was ich kann - und mit dem zu leben, was er nicht kann.
 
Das Paar

Felicitas A. Lehnert (geboren 1959), Studium der Germanistik und evangelischen Theologie, Ausbildung zur Psychologischen Beraterin (VDPP) und Ehe-, Familien- und Lebensberaterin. Mehr unter www.lehnert-neuss.de

Dr.Volker A. Lehnert (geboren 1960), Studium der evangelischen Theologie, von 1988 bis 2001 Pfarrer in Neuss, seit 2001 Dezernent für theologische Aus- und Fortbildung der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Familie Felicitas und Volker Lehnert sind seit 26 Jahren miteinander verheiratet, leben in Neuss und haben drei Kinder.
 
Die Bücher
 
 
 
Ratgeber Gemeinsam hat das Ehepaar Lehnert fünf Bücher rund um die Ehe geschrieben. Der Titel "Ehe der Zoff uns scheidet! Was Sie tun können, bevor Sie was tun müssen - 12 Denkanstöße" ist gerade in fünfter Auflage im Aussaat Verlag erschienen.
 
Typische Unterschiede zwischen Mann und Frau kommen zur Sprache. Es gibt ein kleines Eheseminar für Stunden zu zweit. Die Verwurzelung des Autoren-Paars im christlichen Glauben prägt das Buch. Der Preis: 9,90 Euro.

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