Eine neue Studie bestätigt die Wucht des Klimawandels in NRW. Kritik an der Landesregierung.

wza_1500x935_488174.jpeg
... Schneemangel im Sauerland im Winter 2005/06.

... Schneemangel im Sauerland im Winter 2005/06.

Archiv

... Schneemangel im Sauerland im Winter 2005/06.

Düsseldorf. Das Ruhrgebiet als Glutofen, Skifahren im Sauerland nur noch eine ferne Erinnerung, Stürme im Siegerland, Starkregen im Bergischen Land - so sieht das Klimaszenario für Nordrhein-Westfalen aus, das vom Potsdam Institut für Klimaforschung für die Landesregierung entworfen wurde.

Diese Entwicklung wurde schon häufig aufgezeigt, nun aber liegt eine wissenschaftliche Arbeit in komprimierter Form vor. "Wir nehmen das äußerst ernst und bereiten uns auf die Veränderungen vor", sagte am Mittwoch NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) bei der Präsentation des Berichts.

Einen gesetzlich verordneten Klimaschutz lehnt der Minister ab

Höhere Deiche an den Flüssen, ein Ausbau der Kanalisationen und Versuche mit neuen Baumarten - das ist ein Teil der Maßnahmen, auf die Uhlenberg setzt. Eine schärfere Gangart, also eine gesetzliche Vorgabe für Industrie, Landwirtschaft und auch Privatleute, lehnt er ab. "Von Zwang halte ich nichts." Das gelte zum Beispiel auch für die Forstbesitzer, die das Land nicht zwingen könne, sturmfeste Baumarten anzupflanzen. Hier könne man aber über die Förderprogramme Einfluss nehmen.

Diese Politik der freiwilligen Vereinbarungen will Uhlenberg auch im Umgang mit der Stromwirtschaft fortsetzen. Die sei zwar mit einem jährlichen CO2-Ausstoß von 300Millionen Tonnen "Deutschlands Klima-Sünder Nummer 1".

Doch gelte die Absprache, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu mindern, so Uhlenberg. Er ermunterte zudem die Kommunen, sich mit größeren Grün- und Wasserflächen gegen den absehbaren Temperaturanstieg in den Innenstädten zu wappnen. Der Regionalverband Ruhr arbeitet an Konzepten, die auf eine Stadtbegrünung setzen.

Klimaforscher halten die Politik der Landesregierung für nicht ausreichend. "Das ist eine Querschnittsaufgabe und muss in der Staatskanzlei koordiniert werden. Denn es betrifft neben der Umweltpolitik die Bereiche Verkehr, Energie und Bauen gleichermaßen", sagte Hans-Jochen Luhrmann vom Wuppertal Institut.

Kritik gab es auch vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND). "Wir brauchen ein radikales Umsteuern im Energiesektor", sagte Landeschef Paul Kröfges. Das Konzept, auf neue Kohlekraftwerke zu setzen, sei ein Irrweg. Auch die Grünen bemängelten, die schwarz-gelbe Koalition habe kein Klimakonzept.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer