Sigrid Meurer pflegt die kleinen Tiere und wildert sie wieder aus. Ihr Heim bezeichnet sie als Igelkrankenhaus.

Engagement
Meurer zeigt den elf Wochen alten Igel „Stachel“. Er war noch sehr klein, als er zu ihr kam.

Meurer zeigt den elf Wochen alten Igel „Stachel“. Er war noch sehr klein, als er zu ihr kam.

Dieses Igelbaby und seine Geschwister waren erst wenige Tage alt, als sie bei Sigrid Meurer abgegeben wurden. Jetzt sind sie sechs Wochen alt.

Michaelis, Bild 1 von 2

Meurer zeigt den elf Wochen alten Igel „Stachel“. Er war noch sehr klein, als er zu ihr kam.

Düsseldorf. 38 Igel leben derzeit bei Sigrid Meurer (64) in Düsseldorf. Jeder in seinem eigenen Umzugskarton mit kleinem Häuschen, gefüllt mit Papierschnipseln, damit es schön kuschelig ist. Manch einer könnte meinen, dass das ganz schön viele Igel für einen Haushalt sind, Meurer sieht das aber anders. „Im Moment habe ich nur 38. Ich hatte aber auch schon 80 Igel gleichzeitig hier, um die ich mich gekümmert habe.“

Sie päppelt unterernährte, verletzte und verwaiste Igel auf

Die Rentnerin aus Düsseldorf-Eller pflegt seit mehr als zehn Jahren alle Igel, die bei ihr abgegeben werden. Dafür hat sie sogar einen Verein gegründet. „Meine Kollegen von der ´ Igelhilfe Rhein-Wupper´ sitzen in Ratingen und Duisburg. Wir kümmern uns ehrenamtlich um kranke, verletzte, und viel zu kleine Igel, die es alleine nicht schaffen würden“, sagt sie.

Am frühen Abend ist Fütterungszeit. Jeder Igel bekommt ein Schälchen mit Katzenfutter, Mozzarella und Bananenscheiben in seinen Karton gestellt, die bis in den letzten Winkel des Dachstuhls gedrängt stehen. Nur ein kleiner Durchgang bleibt für Sigrid Meurer.

Die Intensivstation hat sie im Wohnzimmer eingerichtet

Es folgt ein Schauspiel: Plötzlich scheint es in jedem Winkel des Hauses zu rascheln. Die Igel strecken neugierig ihre spitzen Nasen aus den Häuschen und machen sich über ihre Mahlzeit her. Noch während die Tiere geräuschvoll schmatzen und die Kleinsten bereits nach mehr Futter piepsen, erklärt Sigrid Meurer, worauf es bei der Igelpflege wirklich ankommt. „Zuerst untersuche ich die Igel auf Verletzungen und wiege sie. Dann sprühe ich sie mit Floh-Spray ein und entwurme die Kleinen. Anschließend werden mögliche Verletzungen gereinigt und versorgt.“

Igel, die schwerere Verletzungen erlitten haben, landen im Wohnzimmer der gelernten Bürokauffrau. „Das sind meine Intensivpatienten. Da kann es vorkommen, dass ich Schmerzmittel spritzen, Antibiotika geben und Infusionen legen muss Das hier ist quasi ein Igelkrankenhaus“, sagt sie. Wie lange die Igel bei ihr bleiben, komme auf deren Zustand an und sei daher sehr unterschiedlich.

Wenn Sie einen verletzten Igel finden, sollten Sie ihm auf einem Handtuch in einem Umzugskarton einen Schlafplatz einrichten. Katzenfutter und Rührei ohne Gewürze sind als Futter geeignet. Dabei sollte eine Schale Wasser stehen, aber niemals Milch. Diese ist für Igel in der Regel unverträglich.

Der Verein „Igelhilfe Rhein-Wupper“ hilft bereits seit 2007 in Not geratenen Igeln. In den Igelstationen werden sie mit Nahrung und Medizin versorgt, bis sie wieder in der Lage sind, in der freien Wildbahn zu überleben. Mehr Informationen zu den Igelstationen gibt es im Internet. www.igelhilfe.eu

Gefundene Igel können bei Sigrid Meurer abgegeben werden. Sie ist erreichbar unter der Notfall-Telefonnummer 0211/789354.

Für Nahrung und Medikamente wird Unterstützung benötigt, da Igelstationen ehrenamtlich betrieben werden. Schon eine Spende von zehn Euro kann helfen. Kontodaten für eine Spende können bei Sigrid Meurer erfragt werden.

Eine enge Bindung zu den Igeln versucht Meurer aber zu vermeiden. „Es geht ja immer darum, dass sie im besten Fall wieder ausgewildert werden sollen.“ Außerdem würden es viele Igel nicht schaffen. „Man muss bedenken, dass die Igel in einem sehr schlechten Zustand bei mir ankommen. Jeder Igel, der wieder gesund wird, ist für mich ein Erfolg“, sagt sie. 154 Igel wurden in diesem Jahr bereits bei Sigrid Meurer abgegeben, 41 konnte sie wieder auswildern und 84 sind gestorben.

„Einige verstorbene Igel habe ich auch schon obduzieren lassen, wenn unklar war, woran sie gestorben sind. Oftmals wurden Milz- und Leberschädigungen festgestellt. Ich vermute, dass das durch Chemikalien in der Umwelt verursacht wird.“ Im Winter wildert Sigrid Meurer keine Igel aus. „Diejenigen, die fit genug sind, halten ihren Winterschlaf in meinem Gartenhäuschen. Schwächere oder verletzte Igel versorge ich über den Winter. Erst im Frühjahr, wenn die Temperaturen nachts im zweistelligen Bereich liegen, wildere ich wieder aus“, sagt sie.

Eine Leidenschaft für die stacheligen Tiere hegt die Rentnerin bereits seit ihrer Kindheit. „Mich fasziniert einfach alles an Igeln. Es sind Wildtiere und jeder hat seinen ganz eigenen Charakter, das merkt man immer wieder. Außerdem sind sie unheimlich anpassungsfähig. Man muss schon ziemlich bekloppt sein, um sowas zu machen wie ich, aber es gibt einem auch sehr viel“, sagt sie.

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