Der 26-jährige Angeklagte hat gestanden, seinen Sohn geschlagen zu haben.
Der 26-jährige Angeklagte hat gestanden, seinen Sohn geschlagen zu haben.

Der 26-jährige Angeklagte hat gestanden, seinen Sohn geschlagen zu haben.

dpa

Der 26-jährige Angeklagte hat gestanden, seinen Sohn geschlagen zu haben.

Leipzig. Die Mutter sitzt wegen Schwarzfahrens im Gefängnis, der Vater ist heillos überfordert - und schlägt zu. Die erschütternden ersten Wochen im Leben des kleinen Jonas beschäftigen seit Mittwoch das Landgericht Leipzig. Auf der Anklagebank sitzt der 26 Jahre alte Vater des Kindes.

In sich zusammengesunken, schniefend und schluchzend gibt er zu: "Ich hab mein Kind geschlagen". Jonas habe geschrien. Er habe ihn nicht beruhigen können. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Misshandlung und gefährliche Körperverletzung vor. Jonas erlitt nach Aussage einer Ärztin so schwere Hirnverletzungen, dass er schwerstbehindert aufwachsen wird.

In jenen verhängnisvollen Tagen im Mai 2008 war der Vater allein mit dem Kind zu Hause. Die Mutter hatte wenige Wochen nach Jonas' Geburt eine 64-tägige Haftstrafe antreten müssen. "Ich hab' mir immer wieder eingeredet, dass ich das schaffe", sagt der arbeitslose 26- Jährige in stockenden Worten.

Getrieben von panischer Angst zu versagen, versuchte er, alles richtig zu machen. "Ich hab mich um meinen Sohn gekümmert, hab die Wohnung sauber gehalten, alles. Ich hab mir eingeredet, dass man mir meinen Sohn wegnimmt, wenn etwas nicht richtig ist."

Erst hatte dem Angeklagten noch seine Mutter aus Dresden geholfen. Aber die sei Alkoholikerin und es habe Streit gegeben, um den "Wein auf dem Tisch". Laut Andreas Meschkat, Amtsvormund von Jonas und Nebenkläger im Prozess, hätte der 26-Jährige auch die Chance gehabt, in ein Mutter-Kind-Heim zu gehen.

Er schlug sie aus. Warum? Die 22- jährige Mutter sagt aus, sie hätten befürchtet, dass sie Jonas "nicht mehr rauskriegen" aus dem Heim - dass das Jugendamt ihnen das Kind entzieht.

Kennengelernt hatten sich Jonas' Eltern im April 2007 in einer Wohngemeinschaft für Suchtkranke. Er hatte einen Alkoholentzug hinter sich, sie bekam Methadon. "Wir haben uns ziemlich schnell vertraut, sind uns ziemlich schnell nähergekommen." Am 22. April 2008 wird Jonas, der in Wirklichkeit anders heißt und nur zu seinem Schutz so genannt wird, geboren.

Der 26-Jährige sagt, es tue ihm leid. Nach den Schlägen habe er sich bei seinem Sohn entschuldigt, "immer wieder". Als das Kind nach dem zweiten Schlag auf den Kopf am 31. Mai kaum noch bei Bewusstsein war und sich erbrach, brachte er es in die Uniklinik Leipzig. Zunächst erzählte er, Jonas sei ihm beim Baden aus den Händen gerutscht.

Die Ärzte merkten schnell, dass dies nicht stimmen kann. Einen Tag später räumte der Vater ein, Jonas zweimal mit bloßer Hand auf den Kopf geschlagen zu haben. Die Ärztin, die das Kind behandelte, sagt jedoch, es müssen deutlich mehr "kräftige Schläge" über einen längeren Zeitraum gewesen sein.

Dass der Vater sein in Lebensgefahr schwebende Baby selbst ins Krankenhaus brachte, hat ihm eine Anklage wegen versuchten Mordes erspart. Jonas lebt inzwischen in einem Pflegeheim. Amtsvormund Meschkat sagt: "Es geht ihm schlecht."

Noch deutlicher wird die Kinderärztin: Die linke Gehirnhälfte von Jonas sei "weg". Auch die rechte Seite sei beschädigt. Jonas sei halbseitig gelähmt und drohe zu erblinden. Später werde er auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Und: "Ich glaube nicht, dass er sprechen lernt."

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