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Lüneburg (dpa). Er hat hundertfach Kinderprostituierte in Thailand missbraucht und ihnen seine HIV-Infektion verschwiegen: Vor dem Lüneburger Landgericht hat ein Sextourist am Freitag eingeräumt, sich zwischen 2004 und 2009 in mehr als 400 Fällen an sieben Kindern und 23 Jugendlichen vergangen zu haben. Der HIV-infizierte Mann soll ungeschützten Sex mit den Mädchen gehabt haben, ohne sie über seine Infektion aufzuklären. Dem 65-Jährigen wird deswegen zusätzlich versuchte Vergiftung vorgeworfen. Das Gericht hatte dem Angeklagten eine Höchststrafe von neun Jahren zugesagt, wenn er gesteht. Ein Gutachter soll klären, ob er in der Psychiatrie untergebracht wird.

Der Angeklagte hatte über Kontakte zu «200 bis 250» Frauen in Thailand akribisch Buch geführt. Vor Gericht sagte er, etwa zehn Prozent der Frauen seien jünger als 18 Jahre gewesen. Es sei schwer, das Alter dieser Mädchen nach europäischen Maßstäben einzuschätzen. «Sie sind deutlich schlanker, zierlicher. Eine 25-Jährige sieht wie bei uns ein Teenager aus,» sagte er. Außerdem hätten sich ältere Mädchen als jünger ausgegeben und umgekehrt.

Er habe 1995 erstmals einen Freund in Thailand besucht. Zwei Jahre später infizierte er sich dort mit dem HIV-Virus, machte jedoch weiter regelmäßig Urlaub in Pattaya. Er habe sich regelmäßig an der Strandpromenade nach Mädchen umgesehen. Mit einer Frau hatte er dreieinhalb Jahre ein eheähnliches Verhältnis. Zuletzt sei er nur noch vierteljährlich zu Arztbesuchen nach Deutschland zurückgekehrt.

Lange habe er sich daran gehalten, sich nicht mit Minderjährigen und Drogen einzulassen, sagte der Angeklagte. Erst als ältere Mädchen jüngere mitbrachten, sei er leichtsinnig geworden. Im Dezember 2009 war der Angeklagte nach seiner Rückkehr aus Thailand am Flughafen verhaftet worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Um das auf zwei Jahre angesetzte Verfahren abzukürzen, hatte das Gericht dem Mann eine Strafe von höchstens neun Jahren zugesagt, sollte er umfassend gestehen. Damit wollte die Kammer auch die Anreise zahlreicher Zeugen aus Thailand vermeiden. Im Dezember 2010 hatte sich eines der mutmaßlichen Opfer, ein zur Tatzeit 15 Jahre altes Mädchen, in Pattaya von einem Hochhaus gestürzt. Sie hatte in einem Prozess in Frankreich gegen einen französischen Sextouristen aussagen sollen, berichtete der leitende Ermittler in dem Fall vor dem Landgericht.

Der Angeklagte aus Celle soll sich zudem vor Jahrzehnten bereits an Kindern in Deutschland vergangen haben. Ein Verfahren zu drei möglichen dieser Fälle will die Staatsanwaltschaft einstellen. Das Gericht behält sich jedoch vor, nach einem entsprechenden Gutachten eine Unterbringung in der Psychiatrie anzuordnen. «Wir gehen derzeit davon aus, dass es keine Sicherungsverwahrung geben wird», sagte Axel Knaack, Vorsitzender der Ersten Großen Jugendkammer. Das Geständnis soll am 20. Januar fortgesetzt werden. Ein Urteil will die Kammer am 21. Februar sprechen.

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