leichnam Wülfrather wurde als Berater nach Venezuela gerufen. Doch für Konservierung des toten Präsidenten war es drei Tage zu spät.

Hugo Chávez
Am verglasten Sarg nahmen viele Venezolaner Abschied von ihren verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez.

Am verglasten Sarg nahmen viele Venezolaner Abschied von ihren verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez.

Die Regierung Venezuelas suchte Rat beim Wülfrather Chirurgen Richard Klatt.

dpa, Bild 1 von 2

Am verglasten Sarg nahmen viele Venezolaner Abschied von ihren verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez.

Wülfrath/Caracas. Ein Moloch. Laut. Schmutzig. Hektisch. Und warm. Sehr, sehr warm. Caracas. Die Sechs-Millionen-Stadt in Venezuela. Vor einer Woche war er dort noch im Einsatz – in einer heiklen Mission.

Der Wülfrather Chirurg Richard Klatt gehörte zu dem dreiköpfigen Team, dass die Regierung Venezuelas als Berater hinzugezogen hatte, um eine Frage zu klären: Wie kann der Leichnam des verstorbenen Präsidenten Chávez einbalsamiert werden?

Hilfsorganisation ist ansonsten bei Naturkatastrophen im Einsatz

Klatt war auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz im Evangelischen Krankenhaus in Hagen-Haspe, als ihn am Samstag vor einer Woche der Anruf erreichte. „Dann ging alles schnell.“ Ein Geschäftsmann aus Venezuela hatte seine deutschen Kontakte genutzt, um in Deutschland Experten zu finden, die bei der Aufbahrung Chávez, der vor jetzt zwölf Tagen verstorben war, dem venezolanischen Staat zur Seite stehen könnten.

Und der Verein, für den Klatt sich engagiert, ist da führend: „Death Care Embalmingteam Germany“ (Totenpflege-Einbalsamierungsteam), eine Freiwilligen Hilfsorganisation, die bei Naturkatastrophen zum Beispiel die Rettungsdienste in der Art entlastet, dass sie sich um die Leichen kümmert. Klatt: „Die Retter sollen Leben schließlich retten.“

Mit einem Privatjet wurden Klatt und seine zwei Begleiter (ein Deutscher, ein Niederländer) von Düsseldorf nach Mittelamerika geflogen. „Am Flughafen in Caracas stiegen sie in einem abgesperrten Bereich aus.

Death Care Embalmingteam Germany ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die bei Katastrophen weltweit ihre Hilfe anbietet, wenn Sterbefälle zu bedauern sind.

Diese Hilfe besteht unter anderem aus: Desinfektion und/oder Konservierung von Opfern, Rekonstruktion der Opfer, Hilfe bei der Identifikation und Hilfe bei der Bergung der Opfer.

„Sicherheitspersonal, Militär: Das flößt Respekt ein“, beschreibt Klatt, „schon ein klammes Gefühl“. Allen sei spätestens in diesem Moment „sehr bewusst“ gewesen, dass das ein Einsatz wie kein zweiter werde. Insgesamt, betont er, „sind wir höflich und zuvorkommend“ behandelt worden.

„Uns war schnell klar, dass wir nicht mehr helfen können.“

Richard Klatt, Chirurg aus Wülfrath

„Death Care“ wurde Ende der 1990er Jahre ins Leben gerufen, hatte beim großen Erdbeben in der Türkei 1999 zum Beispiel einen großen Einsatz. 2005 wurde aus der Interessengemeinschaft ein eingetragener Verein.

Deren Mitglieder – vor allem Bestatter, aber auch Ärzte – wollen den Rettungsdiensten in Krisensituationen den Rücken frei halten. Sie konservieren Tote, rekonstruieren sie auch. „Es geht nicht nur um Hygiene vor Ort. Ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit: Wir wollen das Abschiednehmen für die Angehörigen möglich machen“, sagt Klatt.

Warmes Klima in Südamerika macht Einbalsamierern die Arbeit schwer

„Für die Ewigkeit“ wollten die Machthaber Venezuelas auch ihren Commandante einbalsamieren. Dafür holten sie sich Experten ins Land. Eben auch den Wülfrather Mediziner. „Uns war sehr schnell klar, dass wir nicht mehr helfen können. Wir waren einfach drei Tage zu spät da“, sagt Klatt.

Das warme Klima des Landes erleichtere die Arbeit der Einbalsamierer nicht. Die Erkenntnis hatten Klatt und seine Begleiter vor einer Woche. Am 5. März war Chávez im Alter von 58 Jahren verstorben.

Ende vergangener Woche räumten Regierungssprecher ein, dass „es Schwierigkeiten mit der Einbalsamierung gebe“. An diesem Samstag twitterte Informationsminister Villegas, dass die Einbalsamierung ausgeschlossen sei. Eine Bestätigung der „Death Care“-Einschätzung. Klatt und Co. waren zu diesem Zeitpunkt längst wieder in der Heimat – zurückgekehrt mit einem Linienflug.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer