Howler
Indie-Rock aus den USA: Howler. Foto: David McCrindle

Indie-Rock aus den USA: Howler. Foto: David McCrindle

dpa

Indie-Rock aus den USA: Howler. Foto: David McCrindle

Berlin (dpa) - Den Howlers kann es nicht trashig genug sein: Für ihr Debüt «America Give Up» nahm sich So-TM-Label-Chef Chris Heidman persönlich Zeit für einen schlaflosen «last minute ten day marathon», um einen ungehobelt Sound mit der Band zu produzieren.

Die Vorliebe für ungeschliffenen Rock kommt nicht von ungefähr, denn Frontmann Jordan Gatesmith und seine Mitstreiter Max Patrek, France Camp, Brent Mayes sowie Ian Nygaard stammen aus dem Punkrock- und Hardcore-verwöhnten Minneapolis, der Heimatstadt der 80er SST-Legende Hüsker Dü oder der aktuellen Hardcoreband Much Worse. Neben dem wilden Sound der Punkrock-Generation verrät auch das bewusst ausgewählte Outfit wie Misfits- oder Black-Flag-T-Shirts, Karohemden und Chucks-Turnschuhe die Nähe ihrer Vorbilder. Auch wenn Jordan gern als punkiger Indie-Justin-Bieber-Verschnitt beschrieben wird, mag man dies wohl eher seinem jungen Alter von rund 20 Jahren zuschreiben.

Angefangen Gitarre zu spielen hat Jordan mit 14. Er hatte, wie er meint, eine unbändige innere Unruhe, die er erfolgreich für die kreative Arbeit und Weiterentwicklung seines Songwritings nutzen konnte. Angetrieben davon, endlich sein eigenes Ding zu machen, wechselte er stetig die regional aufstrebenden Bands wie zuletzt von Total Babe und erschuf seine eigene.

Heute bewegt sich Jordan stilistisch mit Howler zwischen den Strokes, Replacements, The Thermals und flächigen Sonic-Youth-Passagen - eine kraftvolle Synthese aus metallisch klingendem Gitarrensound, erstaunlich tiefer und wenig kreischender Stimmlage und dumpfem Schlagzeugspiel. Howler selbst bezeichnen ihren Sound als Surf-Trash und beschreiben damit gut die würzige Prise aus sonnendurchflutetem Garage Rock und US-Pop der 60er.

Die Texte aber sind im Hier und Jetzt angesiedelt: Im Oktober 2011 befahl US-Päsident Obama den Rückzug aus dem Irak und Howler kommentieren scharfsinnig mit «America Give Up», beklagen «Too Much Blood» oder wollen mit «Black Lagoon» schockieren.

Songs wie «America», «Told You Once» oder «Back Of Your Neck» bedienen dagegen eher das klassische Rock-Lager mit melodiösem Gesang, eingängigen Riffs und rasselnden Drums. Allem Schlafentzug zum Trotz wirkt das Album insgesamt sehr frisch und angenehm aufgeräumt. «Seit ewigen Zeiten gab es kein großes Rock-Album oder eine große Punk-Platte», sagte Jordan Gatesmith im Interview mit dem Musik-Magazin «NME». Das würden sie mit ihrem «dirty rock'n'roll» und dem Album «America Give Up» jetzt ändern wollen.

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