Blick aufs Bordell
Zwei Beamte blicken auf ein Düsseldorfer Bordell. Foto: Caroline Seidel

Zwei Beamte blicken auf ein Düsseldorfer Bordell. Foto: Caroline Seidel

Bordelle auf der Rethelstrasse: Hier sieht man den Eingang eines Bordells, über dem Überwachungskameras hängen. Foto: Martin Gerten

Der Düsseldorfer Rotlichtskandal wird ab heute vor dem Landgericht aufgerollt. Foto: Martin Gerten

"Fürchtet euch nicht" steht hier über der Tür. In den Etablissements sollen Freier betäubt und ausgeraubt worden sein. Foto: Martin Gerten

Die Rotlicht-Betriebe waren zeitweilig geschlossen. Unter neuer Geschäftsführung konnten sie nun jedoch wieder öffnen. Foto: Martin Gerten

Die Bordelle waren von der Polizei durchsucht worden. Foto: Caroline Seidel/Archiv

Das Landgericht geht davon aus, dass der Prozess bis April 2014 dauern wird. Foto: Daniel Naupold/Archiv

dpa, Bild 1 von 7

Zwei Beamte blicken auf ein Düsseldorfer Bordell. Foto: Caroline Seidel

Düsseldorf (dpa) - Jahrelang sollen Bordellbesucher in Düsseldorf betäubt und ausgenommen worden sein. Nun wird der Skandal vor Gericht ausgebreitet. Dabei soll es schon vor dem Start eine Panne gegeben haben.

Das Düsseldorfer Landgericht habe schlicht vergessen, einem der Beschuldigten die Anklageschrift zuzustellen, berichteten mehrere Verteidiger am Montag übereinstimmend. Der Fehler sei zwar bemerkt und korrigiert worden, dem Anwalt des Betroffenen sei dadurch aber nur sehr wenig Zeit für seine Stellungnahme geblieben. Die Anklageschrift umfasst immerhin über 600 Seiten.

Weil seine Bitte um eine Fristverlängerung vom Gericht ignoriert worden sein soll, stellte der betroffene Verteidiger am Montag einen Befangenheitsantrag. Als das Gericht diesen Antrag zurückstellen wollte, hagelte es weitere Anträge aus den Reihen der Verteidiger und der Prozess musste mehrfach unterbrochen werden. Ein Gerichtssprecher bestätigte lediglich, dass es bei dem Befangenheitsgesuch um die Stellungnahme-Fristen gehe.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat die Rotlicht-Größe Thomas M. und acht weitere Beschuldigte - Gesellschafter, Wirtschafter, Servicekräfte und Prostituierte - angeklagt. Die sollen mit K.o.-Tropfen und anderen Mitteln reihenweise Freier betäubt und dann ihre Kreditkarten geplündert haben. Insgesamt gut 300 000 Euro sollen so erbeutet worden sein.

Für den Mammut-Prozess mit rund 90 Zeugen sind 93 Verhandlungstage angesetzt. «Rotlicht-König» Bert Wollersheim bleibt die Strapaze erspart: Die Ermittlungen hatten ihn entlastet.

Die Anklage wirft den Angeklagten in wechselnder Beteiligung Betrug, schwere Körperverletzung, Vergiftung, räuberische Erpressung und Raub vor. Das Landgericht geht davon aus, dass erst im April 2014 mit einem Urteil zu rechnen ist.

In vier Etablissements soll den Freiern die Prozedur widerfahren sein. «Bei meinem Mandanten besteht der Verdacht, dass ihm schon mit dem Begrüßungsgetränk Substanzen verabreicht wurden, durch die er sein Bewusstsein verlor», sagte Nebenklage-Vertreter Sebastian Schales, der einen Klienten aus Frankfurt vertritt, bei dem rund 5000 Euro abgebucht worden sein sollen.

Die Stadt Düsseldorf schloss die Rotlicht-Betriebe im Juli 2012 für mehrere Monate, sie konnten erst mit neuer Geschäftsführung wieder öffnen. Zeitweise saßen neun Beschuldigte in Untersuchungshaft. Die Kredit- oder Scheckkarten der Freier sollen in einigen Fällen bis ans Limit belastet und mehrere zehntausend Euro abgebucht worden sein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer