Die Band unterstützt seit mehr als 15 Jahren ein Kölner Restaurant, in dem Bedürftige für wenig Geld ein Menü erhalten können.

Die Band Höhner bei einem Benefiz-Konzert für Obdachlose.
Die Band Höhner bei einem Benefiz-Konzert für Obdachlose.

Die Band Höhner bei einem Benefiz-Konzert für Obdachlose.

WDR

Die Band Höhner bei einem Benefiz-Konzert für Obdachlose.

Köln. Wenn Prominente Gutes tun und darüber reden, ist das Risiko hoch, dass man ihnen vorwirft, sie würden nur Werbung für sich selbst machen. "Man muss immer aufpassen, dass man sich nicht selbst als guten Menschen beweihräuchert", sagt Henning Krautmacher, Frontmann der Höhner.

Seit mehr als 15 Jahren unterstützen er und seine Bandkollegen als Schirmherren ein Restaurant in Köln, in dem Berber für kleines Geld ein Drei-Gänge-Menü bekommen, in dem aber Banker ebenfalls willkommen sind. Ein großes Aufsehen machen sie um ihr Engagement nicht, auch wenn sie kontinuierlich Spenden sammeln und im Lauf der Jahre schon einen sechsstelligen Betrag zusammenbekommen haben.

Auch Frontmann Krautmacher kocht und kellnert ab und zu im LoRe

Das Prinzip des Lobby-Restaurants (LoRe) ist es, dass Obdachlose, wie alle anderen Menschen auch, sich für ihr Geld in einem Restaurant an einen Tisch setzen können und bedient werden. "Meistens ist es so, dass die Berber, bevor sie ins Restaurant kommen, erst einmal Betteln gehen und damit ihre Arbeit machen. Das merkt man, wenn man kassiert und dann lauter kleine Münzen bekommt", sagt Krautmacher, der auch schon mal für die Gäste kocht oder kellnert.

Selbst für sich sorgen können, sei für die Würde der Menschen von der Platte wichtig. Kontakt zum LoRe haben die Musiker über einen guten Freund bekommen. "Das Restaurant war die Idee von Pfarrer Karlheinz Iffland, den wir seit vielen Jahren kennen. Über ihn haben wir die Schicksale von Menschen, die auf der Straße leben, kennengelernt", erinnert sich Krautmacher.

Das Risiko abzudriften und auf der Straße zu landen, kennen die Höhner auch aus dem eigenen Leben. "Bei mir gab es einen kritischen Zeitpunkt, als ich 16war und unbedingt Profimusiker werden wollte. Da bestand die Gefahr, dass ich Schiffbruch erleide", sagt Schlagzeuger Janus Fröhlich. Durch die Unterstützung seiner Mutter bekam er noch die Kurve, machte sein Abi und studierte später auf Lehramt.

Das LoRe liegt in der Domstraße 81 unweit des Hauptbahnhofs. Berber zahlen dort zwei Euro für ihr Essen, Banker kostet die Mahlzeit 4,80 Euro. Das LoRe ist ein Projekt des Kölner Arbeitslosenzentrums (Kalz).

Die Band unterstützt seit 15 Jahren das Projekt. Dazu zählen sämtliche Einnahmen aus dem Song "Alles verloren", der im vergangenen Jahr Titelsong eines WDR-Tatorts war, bei dem die Band, aber auch Berber aus dem LoRe mitgespielt haben.

Neben dem LoRe setzen sich die Höhner auch für den Erhalt der Sozialstation "Gulliver" am Hauptbahnhof ein. Diese soll Ende des Jahres geschlossen werden, weil die Bahn die Räume aus Brandschutz-Gründen nicht mehr zur Verfügung stellen will. Sie bietet Obdachlosen unter anderem Schlaf- und Waschplätze und wird wie das LoRe vom Kölner Arbeitslosenzentrum Kalz betrieben.

"Bei uns hat jeder seinen Beruf erlernt und ist erst ins Musikgeschäft eingestiegen, als er wirklich sicher war, dass er davon leben kann. Das ist auch ein Verdienst unserer Eltern", sagt der gelernte Schauwerbegestalter und Journalist Henning Krautmacher.

Dass aber auch Menschen, die etwas Vernünftiges gelernt haben, obdachlos werden können, wissen die Höhner aus den Begegnungen mit den Berbern: "Es kann wirklich jeden treffen. Wir haben Akademiker genau so kennengelernt wie Handwerker oder Künstler", erklärt der Sänger. Immer wieder sind er und seine Kollegen dabei, wenn einer der Berber aus dem LoRe zu Grabe getragen wird. "Es ist nicht leicht, dafür zu sorgen, dass das würdevoll abläuft. Da muss erst ein Bestattungsinstitut gefunden werden, das bereit ist, für wenig Geld zu arbeiten. Meist sind es auch nur ein paar Leute von der Platte, die den Trauerzug bilden."

"Grundangst, dass es einem selber mal so gehen könnte."

Wütend werden die Musiker, wenn Obdachlose als Penner beschimpft werden oder wenn man sie einfach ignoriert. "Das liegt wohl auch an der Grundangst, dass es einem selbst einmal so gehen könnte. Da hält man sich das Problem lieber vom Leib", ärgert sich Fröhlich. Dass sich die Menschen selbst Berber nennen, hat seinen Grund. "Da geht es um ein eigenes Lebenskonzept und um eine Freiheit, die es sonst so nicht gibt. Deshalb jammern viele auch nicht, wenn sie bei minus 15 Grad im Freien schlafen müssen."

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