Langsam erreichen die Helfer mehr Menschen. Aber noch immer warten Millionen auf Wasser und Lebensmittel.

Angesichts der gigantischen Aufgabe vereint: US-Präsident Barack Obama beauftragte seine Vorgänger George W. Bush (l.) und Bill Clinton (r.) mit der Koordination der Spendensammlung in den USA.
Angesichts der gigantischen Aufgabe vereint: US-Präsident Barack Obama beauftragte seine Vorgänger George W. Bush (l.) und Bill Clinton (r.) mit der Koordination der Spendensammlung in den USA.

Angesichts der gigantischen Aufgabe vereint: US-Präsident Barack Obama beauftragte seine Vorgänger George W. Bush (l.) und Bill Clinton (r.) mit der Koordination der Spendensammlung in den USA.

dpa

Angesichts der gigantischen Aufgabe vereint: US-Präsident Barack Obama beauftragte seine Vorgänger George W. Bush (l.) und Bill Clinton (r.) mit der Koordination der Spendensammlung in den USA.

Port-au-Prince. Wut, Verzweiflung und Chaos in Haiti: Nach dem Jahrhundert-Erdbeben kämpfen Millionen Menschen ums Überleben und warten auf Wasser, Lebensmittel und Medikamente.

Das Ausmaß der historischen Katastrophe wurde fünf Tage nach den Erdstößen immer deutlicher: Neben der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince sind auch im Süden und Westen des bitterarmen Karibikstaats Städte verwüstet. In der Hauptstadt selbst läuft die Verteilung der Hilfsgüter trotz großer logistischer Probleme aber langsam besser.

Die Vereinten Nationen sprachen von der schlimmsten Katastrophe in ihrer Geschichte. In Leogane, westlich von Port-au-Prince, beschrieb ein Reporter der BBC apokalyptische Szenen. Fast jedes Gebäude sei zerstört, nach UN-Angaben sind 90 Prozent der Häuser dem Erdboden gleichgemacht. "Hier ist das Epizentrum und viele Tausende sind tot", erklärte UN-Vertreter David Orr, laut BBC. Ein Überlebender sagte: "Wir haben keine Hilfe, nichts. Kein Essen, kein Wasser, keine Medizin, keine Ärzte."

Mit einer Welle der Hilfbereitschaft reagiert die internationale Gemeinschaft. Doch für die Helfer im Land ist die Lage schwierig. Selbst beim Tsunami Ende 2004 in Asien seien die Probleme nicht so groß gewesen, sagte Elisabeth Byrs, Sprecherin des UN-Koordinationsbüros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA).

Trotzdem kommt die Hilfsaktion langsam auf Touren: Im Fernsehen waren Bilder von Helfern zu sehen, die unter dem Schutz von UN-Blauhelmen Essen und Wasser ausgaben. Als aus einem tieffliegenden Hubschrauber Essens-pakete abgeworfen wurden, kam es sofort zu den befürchteten Raufereien um die Lebensmittel.

Mediziner von "Ärzte ohne Grenzen" operieren ohne Pause

Tennis-Star Roger Federer (28) und seine Kollegen haben gestern ein Benefiz-Turnier für die Erdbeben-Opfer veranstaltet. Bei dem Mixed-Wettbewerb, an dem u.a. auch Rafael Nadal und Serena Williams teilnahmen, kamen rund 200.000 Dollar zusammen.

Auch andere Prominente greifen in die Tasche: Model Gisele Bündchen spendete beispielsweise 1,5 Millionen Dollar, Golf-Profi Tiger Woods will ein mobiles Krankenhaus (2,1 Mio. Euro) finanzieren.

Bundespräsident Horst Köhler forderte gestern bei "Anne Will" (ARD) umfassende Hilfe: "Wir haben hier eine moralische Verantwortung." Die Bundesregierung stockte ihre Zahlungen auf 7,5 Millionen Euro auf. Zahlreiche Organisationen schicken heute vom Düsseldorfer Flughafen aus weitere Helfer und Güter nach Haiti.

Es werden noch rund 30 Deutsche vermisst. Eine Deutsche wurde nach fünf Tagen aus den Trümmern ihres Hotels gerettet.

Zugleich begannen die ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton mit einer großangelegten Spendensammlung für die Erdbebenopfer. Präsident Barack Obama, der seine Vorgänger mit der Koordination der Spendenhilfe beauftragt hatte, empfing die beiden im Weißen Haus. "Vor uns liegen schwierige Tage", sagte Obama.

In einem Wettlauf gegen die Zeit operierten Mediziner der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" Verletzte. Erfahrene Mitarbeiter sagten nach Angaben der Organisation, sie hätten noch nie so viele schwere Verletzungen auf einmal gesehen. "Innerhalb der nächsten 24 Stunden müssen etwa ein Drittel der Patienten hier operiert werden, sonst sterben sie", sagte Jennifer Furin dem Nachrichtensender CNN. Die Medizinerin arbeitet in einem provisorischen Krankenhaus am Flughafen von Port-au-Prince.

Noch Überlebende zu finden, wurde immer unwahrscheinlicher. Der für die US-Hilfsgütertransporte zuständige General Ken Keen sagte gegenüber CNN, er halte bis zu 200.000 Todesopfer für möglich.

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