Der Kapitän behauptet, in ein Rettungsboot gestürzt zu sein. Schwere Fehler wirft ihm die Staatsanwältin vor.

Havarie
Kapitän Francesco Schettino steht in der Kritik.

Kapitän Francesco Schettino steht in der Kritik.

Reuters

Kapitän Francesco Schettino steht in der Kritik.

Giglio. Die Luft für Francesco Schettino, Kapitän der havarierten „Costa Concordia“, wird immer dünner – und seine Rechtfertigungsversuche für das Unglück mit bislang elf toten Passagieren werden immer bizarrer. Am Mittwoch behauptete er, in ein Rettungsboot gefallen zu sein, als sich dieses vom Seil löste.

Seine Erklärung: Als der Absenkmechanismus blockierte, dann aber wieder ansprang, „bin ich gestrauchelt und lag plötzlich mit den Passagieren im Boot“. Daraufhin habe er nicht mehr auf das Schiff zurückkehren können.

Nach Einschätzung der zuständigen Untersuchungsrichterin hat der Kommandant hingegen schwere Fehler gemacht. Schettino habe ein „unbesonnenes Manöver“ durchgeführt, als er der Insel „viel zu nah kam“, befand das Gericht am Mittwoch. Außerdem habe der Kapitän nach der Kollision mit einem Felsen den Schaden am Schiff „unterschätzt“ und dadurch eine Alarmmeldung verzögert.

Kollegen beschreiben Schettino als draufgängerisch

Weil keine Fluchtgefahr bestehe, wurde Schettino unter Hausarrest gestellt. Er darf nur mit seiner Familie Kontakt haben. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, dagegen Einspruch einzulegen. Sie will ihn in Haft sehen.

Schettino, geboren in Neapel und Sprössling einer Schifffahrer-Dynastie, steht seit zehn Jahren im Dienst der Reederei und war Kommandant des Prunkstücks der Flotte, der „Costa Concordia“. Bilder aus vergangenen Tagen zeigen ihn als stolzen Kapitän etwa auf dem Hudson, wie er auf seiner Kommandobrücke an der Skyline Manhattans vorbeischippert.

Kollegen beschreiben ihn laut „Spiegel online“ als draufgängerisch. Er würde selbst einen Bus „wie einen Ferrari fahren“. Schettinos Schwester Gulia beschreibe ihn jedoch als ernsthaften und verantwortungsbewussten Menschen.

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