Teile des Nachlasses des Kölner Kardinals wurden am Mittwoch im Kölner Auktionshaus Lempertz versteigert. Nutznießer ist eine Stiftung des Erzbistums.

Teile des Nachlasses des Kölner Kardinals wurden gestern im Kölner Auktionshaus Lempertz versteigert. Nutznießer ist eine Stiftung des Erzbistums.
Auktionator Henrik Hanstein (r.) und Beisitzer Otmar Plaßmann bei der Versteigerung des in einer Vitrine ausgestellten Klappaltars aus dem Nachlass von Kardinal Meisner.

Auktionator Henrik Hanstein (r.) und Beisitzer Otmar Plaßmann bei der Versteigerung des in einer Vitrine ausgestellten Klappaltars aus dem Nachlass von Kardinal Meisner.

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Auktionator Henrik Hanstein (r.) und Beisitzer Otmar Plaßmann bei der Versteigerung des in einer Vitrine ausgestellten Klappaltars aus dem Nachlass von Kardinal Meisner.

Köln. Als im Kölner Dom das abstrakte Fenster von Gerhard Richter eingebaut worden war, wollte der damalige Kardinal Joachim Meisner ursprünglich seinen Bischofsstuhl am Altar versetzen lassen, um es während der Messen nicht sehen zu müssen. Das Fenster sei in einer Moschee oder einem anderen Gebetshaus besser aufgehoben als in einer gotischen Kathedrale, schimpfte er nach der Einweihung. Aber so abweisend Meisner in diesem Fall zunächst war, so kunstinteressiert konnte er sonst auch sein. Am Mittwoch wurde ein Teil seines Nachlasses beim renommierten Kölner Kunsthaus Lempertz versteigert – und brachte einen Gesamterlös von 840 000 Euro.

Den größten Teil davon machte ein kleiner gotischer Altar aus der Toskana aus: Er wurde für 400 000 Euro versteigert. Nach Angaben des Auktionshauses komme zu diesem sogenannten Hammerpreis noch ein Aufgeld von 114 000 Euro hinzu. Der Bieter kam aus dem Ausland.

Wertvollste Stücke aus dem Nachlass einer Bildhauerin

Insgesamt wurden rund 30 religiöse und andere Kunstwerke aus Meisners Nachlass versteigert. Dabei war der frühere Kölner Erzbischof (1933–2017) nur in Teilen selbst aktiver Kunstsammler. Laut Erzbistum bekam er im Laufe seines Lebens auch viele Werke von Freunden und Wohltätern geschenkt. So stammen die wertvollsten Stücke, die am Mittwoch unter den Hammer kamen, aus dem Nachlass der 1987 in Köln gestorbenen Bildhauerin Hildegard Domizlaff. Sie war mit Meisner befreundet und hinterließ ihm ihre Sammlung mit der Auflage, „damit Gutes zu tun“.

Dazu zählte auch der Klappaltar aus dem 14. Jahrhundert. Wie wertvoll er war, haben aber offenbar weder Domizlaff noch Meisner geahnt: Der Altar war nur zu einem geringen Teil des Schätzwertes von 120 000 bis 160 000 Euro versichert gewesen. Eine Neubewertung fand erst durch Experten des Kunsthauses Lempertz statt.

Meisner habe ohnehin mit dem Auge und nicht mit dem Ohr gesammelt, heißt es aus dem Erzbistum. Für ihn sei das Dargestellte und nicht der Sammlerwert oder die erwartete Werteentwicklung entscheidend gewesen. Zu seinem Nachlass gehören Gemälde, Ikonen, Skulpturen, Möbel und Porzellan. Darunter finden sich auch viele sakrale Stücke und Bilder mit Bezug auf seine Heimat und seine Lebensstationen.

Unterstützung für die Kirche in Mittel-, Ost- und Südeuropa

Die dreiteilige Arbeit des im 14. Jahrhundert in Florenz tätigen Maestro di Tobia (Schätzwert 120 000 bis 160 000 Euro) aus dem Nachlass der Kölner Bildhauerin Hildegard Domizlaff erbrachte einen Hammerpreis von 400 000 Euro plus Aufgeld von 114 000 Euro.

Ein Gemälde von Carl Rottmann (1797–1850) erbrachte 75 000 Euro.

Eine Figur der Heiligen Hedwig – Schutzpatronin der schlesischen Heimat Meisners und geschätzt auf 6000 Euro – kam auf einen Hammerpreis von 10 000 Euro.

Alle Stücke aus dem Meisner-Nachlass, die am Mittwoch versteigert wurden, erbrachten zusammen einen Erlös von 840 000 Euro.

Domizlaffs Auftrag, „Gutes zu tun“, erfüllte Meisner schon zu Lebzeiten durch den Verkauf mehrerer Arbeiten. Die Restbestände, so sein testamentarischer Wille, sollten zugunsten der nach ihm benannten Kardinal-Meisner-Stiftung versteigert werden. Die Stiftung war 2014 in Köln zur Würdigung seines Lebenswerkes errichtet worden. Sie fördert Projekte und Maßnahmen der Pastoral- und Gemeindeentwicklung im Erzbistum Köln sowie in der Kirche Mittel-, Ost- und Südeuropas. Meisner starb am 5. Juli 2017 im Alter von 83 Jahren. Er stammte gebürtig aus dem niederschlesischen Breslau.

Dass sein Nachlass nun bei Lempertz versteigert wurde, ist kein Zufall. Der Kardinal war in dem Kölner Traditionshaus oft zu Gast, ohne allerdings regelmäßig Kunst zu kaufen. Er habe eher die angebotenen Kunstwerke betrachten wollen und den Austausch gesucht. „Er hat sich für Kunst sehr interessiert“, äußerte sich Mariana Henstein, Expertin für Alte Meister bei Lempertz, gegenüber der KNA. Trotz seines kunsthistorischen Sachverstands war es Meisner aber durchaus recht, wenn eine wertvolle Ikone und ein eher kunsthandwerkliches Bild nebeneinander hingen. In seine Amtszeit fällt auch die Eröffnung des von Stararchitekt Peter Zumthor entworfenen Neubaus des Kölner Diözesanmuseums Kolumba.

Die gestrige Versteigerung war nur der Auftakt des Nachlassverkaufs. Der überwiegende Teil soll nach Angaben des Erzbistums erst im Rahmen einer Benefiz-Auktion versteigert werden, die Ende September ebenfalls bei Lempertz stattfindet. Dort werden dann auch preiswertere Objekte angeboten, sodass für eine breitere Öffentlichkeit die Möglichkeit besteht, ein Erinnerungsstück an Meisner zu erwerben. Entsprechend wird für den Termin auch mit einer Vielzahl an Souvenir-Jägern gerechnet. Auch dieser Erlös wird wiederum an die Kardinal-Meisner-Stiftung fließen.

Die kann sich aber schon nach dem gestrigen Tag über einen überraschend hohen Betrag freuen. „Kardinal Meisner hat die Auktion beflügelt“, kommentierte Kilian Jay von Seldeneck vom Auktionshaus Lempertz den Versteigerungserfolg.

erzbistum-koeln.de lempertz.com

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