Aachen (dpa). Im Aachener Gefängnis ist es wieder zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Ein Häftling hat mit einer Porzellanschüssel einen Justizbeamten niedergeschlagen. Das Opfer habe mit einer Platzwunde über dem Auge im Aachener Klinikum behandelt werden müssen, sagte ein Sprecher des nordrhein- westfälischen Justizministeriums in Düsseldorf. Er bestätigte einen Bericht der «Rheinischen Post».

Nach dem Ausbruch der beiden Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski im November 2009 war die Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen immer wieder wegen verschiedener Zwischenfälle in die Schlagzeilen geraten. Die JVA-Leiterin Reina Blikslager wehrte sich am Sonntag jedoch gegen den Vorwurf eines «Skandalknastes».

«Wir sind eine sichere Anstalt», sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. «Wir leisten hier unter schwierigen Bedingungen engagiert unsere Arbeit.» Der Vorfall vom Freitag war ein Überraschungsangriff: Als der JVA- Beamte die Zelle des Gefangenen für dessen Freistunde aufgeschlossen hatte, wurde er sofort von dem Häftling attackiert.

Der Wächter wurde danach blutend von Kollegen in einem Flur gefunden. Die Scherben der Porzellanschüssel lagen auf dem Boden. Bereits am Wochenende verließ der Wächter das Krankenhaus aber wieder. Gegen den 33 Jahre alten Häftling wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. «Wir werden auch prüfen, ob wir den Mann in ein anderes Gefängnis verlegen», sagte Blikslager.

Der Mann verbüßt eine 13-jährige Haftstrafe wegen versuchten Mordes in Aachen. Er sei bisher nicht als gewalttätig aufgefallen, sagte Blikslager. Bei als gefährlich eingestuften Häftlingen sei es sonst möglich, diesen nur Plastikgeschirr auszuhändigen. Solche Vorfälle seien aber nur schwer zu verhindern und passierten auch in anderen Gefängnissen. «In Aachen scheint aber jeder Vorfall besonders interessant zu sein», sagte Blikslager.

Die Opposition forderte das Justizministerium auf, Konsequenzen aus der Attacke zu ziehen. Ein Ministeriumssprecher sagte, man werde zunächst den Bericht der Anstaltsleitung auswerten. Sollte es Handlungsbedarf geben, würden die Änderungen schnell umgesetzt.

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