Der prominente Patient Michael Schumacher stellt die französische Klinik auf eine schwere Probe. Das „normale Krankenhaus“ wird von Medien belagert.

dpa

Grenoble. Die Klinik in Grenoble ist um Normalität bemüht. Doch die Prominenz des Patienten Michael Schumacher und der weiterhin kritische Zustand des Formel-1-Rekordweltmeisters stellen die Abläufe im Universitätskrankenhaus der französischen Stadt auf den Kopf.

Das weltweite Medieninteresse ist riesengroß – in den vergangenen Tagen auch zu erkennen an unzähligen Übertragungswagen vor der Klinik. Die hat inzwischen darauf reagiert: Gestern Nachmittag wurden die Journalisten der internationalen Medien aufgefordert, den Parkplatz vor dem Universitätskrankenhaus von Übertragungswagen und anderem großen Equipment zu räumen. Für die Fahrzeuge wurde ein unmittelbar angrenzendes Gelände zur Verfügung gestellt.

Der große Andrang von Medienvertretern hatte die regulären Abläufe im Krankenhaus zunehmend beeinflusst – bis hin zu Behinderungen in der Einfahrt zur Notfallaufnahme.

Dreist: Journalist kam als Priester verkleidet

Draußen vor der Tür versucht Schumachers Managerin Sabine Kehm, die mediale Neugier zu befriedigen. „Wir schätzen die Arbeit der Medien sehr, dennoch sollten bitte Privatsphäre und Gefühle der Familie respektiert werden“, appelliert die ehemalige Journalistin.

Der dreisteste Versuch, an Schumacher heranzukommen, soll ebenfalls auf einen Journalisten zurückgehen: Sicherheitskräfte fingen einen verkleideten Priester ab, der zu Schumacher vordringen wollte. „Es gibt besondere Sicherheitsvorkehrungen, weil wir ständig Versuche von Medien haben, nah an Michael oder die Familie heranzukommen“, sagt Kehm.

Die offensive Informationspolitik von Klinik und Ärzten offenbarte bei den Pressekonferenzen am Montag und Dienstag die ganze Dramatik von Schumachers Lage: künstliches Koma, Lebensgefahr, zwei Operationen. „Es liegt noch ein langer Weg vor ihm“, sagte Jean-Francois Payen vom behandelnden Ärzteteam.

Auch alte Rivalen beten für Schumacher

Bei allem Wirbel um den prominenten Patienten und die medizinisch komplizierte Aufgabe versuchen die Ärzte, ein Stück Alltag auf der Intensivstation der renommierten Klinik zu bewahren. Payen, Chef der Anästhesie-Abteilung, spricht ausdrücklich von „einer ganz normalen Behandlung“ für Schumacher. Jeder andere Patient werde auf die gleiche Weise medizinisch versorgt.

In den schwersten Tagen im Leben von Michael Schumacher verkommen auch alte Rivalitäten zu völligen Nebensächlichkeiten. „Was im Leben zählt, ist, sich an die guten Zeiten zu erinnern“, schrieb Schumachers ehemaliger Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello: „Wir beten für dich.“

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