Angela Merkel besuchte die Medica in Düsseldorf. Die Branche stellt die neueste Technik vor.

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Tom (21) spielt das Versuchskaninchen beim Ultraschall, Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut genau hin.

Tom (21) spielt das Versuchskaninchen beim Ultraschall, Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut genau hin.

Stefan Arend

Tom (21) spielt das Versuchskaninchen beim Ultraschall, Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut genau hin.

Düsseldorf. Tom hat die Kanzlerin im Nacken. Sie trägt einen grauen Hosenanzug, er nur Sporthose und Turnschuhe. Seine Mutter hat ihm vorher beruhigend die Hand auf den Arm gelegt.

Sein Herz ist auf dem Monitor zu sehen, aber jetzt sind sie umringt von Fotografen. Sicherheitsleute, Journalisten, der Philips-Geschäftsführer und Gesundheitsminister Philipp Rösler - alle schauen auf seinen nackten Oberkörper. Denn Tom (21) ist Teil der Vorführung für Angela Merkel auf der Medica.

Spürhunde inspizierten die Stände vor dem Merkel-Besuch

Sechs Firmen schaut die Kanzlerin sich auf der größten Medizin-Messe der Welt an, und an sechs Ständen von 4400 bricht Hektik aus. Denn wenn sie kommt, muss alles perfekt sein. Das Bundeskriminalamt hat die Wege und die Absperrungen festgelegt, morgens mit Spürhunden die Stände inspiziert. Um Viertel vor drei hat Toms Mutter alle Kabel gecheckt, denn Katharina Schäfer ist Applikationsspezialistin für Ultraschall bei Philips, und um fünf vor drei stand sie dann da, die Kanzlerin.

Pro Stand blieben der Kanzlerin höchstens zehn Minuten

Sieben bis zehn Minuten pro Stand, mehr Zeit bleibt nicht, um der wichtigsten Frau Deutschlands Neuheiten vorzustellen. Philips zeigt ihr einen neuen Patientenmonitor, einen vollständigen klinischen Arbeitsplatz am Patientenbett. "IntelliVue MX 800" heißt das Gerät, eine Weltneuheit, erst seit Oktober auf dem Markt.

"Ärzte können damit direkt am Krankenbett nicht nur sämtliche Vitalparameter des Patienten aufrufen wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung oder Puls, sondern haben auch Zugriff auf alle Untersuchungen, auf Röntgen- oder Ultraschallbilder", erklärt Philips-Sprecherin Annette Halstrick. "Das vereinfacht klinische Abläufe und spart Zeit und Geld." Wichtig für Angela Merkel: Philips produziert und entwickelt auch in Deutschland.

Noch nie zuvor war ein Regierungschef auf der Medica

Die Gesundheitsbranche erwirtschaftet elf Prozent des Bruttoinlandproduktes und hat vier mal so viele Beschäftigte wie die Autoindustrie. Viele deutsche Unternehmen sind Weltmarktführer, Deutschland ist in der Medizintechnik die Nummer zwei in der Welt, hinter den USA. Die Branche rechnet für 2010 mit einem Umsatzzuwachs von zehn Prozent.

Ausgewählt wurden die sechs Firmen nach Innovationsfähigkeit und ihrer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Die hatte Philips-Geschäftsführer Jochen Franke als Beiratsvorsitzender der Medica zuvor der Kanzlerin schon im Congress-Center aufgezeigt, wo Merkel vor mehreren hundert Gästen eine Rede hielt. "Deutschland ist nicht nur eine Autonation, sondern längst die Gesundheitsnation", sagte Franke. Richtig, sagt die Kanzlerin, das sei ja auch der Grund, warum sie hier sei. Denn Kanzler kamen stets zu Auto- oder Industriemessen, auf der Medica war noch nie ein Regierungschef.

Kurz setzte Merkel an, etwas zur gerade beschlossenen Gesundheitsreform zu sagen, winkte dann aber ab: "Ach, ich will Sie damit nicht langweilen, Sie bauen schöne Geräte und müssen sich nicht damit befassen, wie das zu finanzieren ist."

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