Künstler versteckt Goldbarren auf einem Stück Brachland – und lässt eine Stadt buddeln.

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Schweißtreibendes Graben auf der Suche nach kleinen Goldbarren: Viele Pulheimer und auch Touristen buddeln auf dem Stück Brachland.

Schweißtreibendes Graben auf der Suche nach kleinen Goldbarren: Viele Pulheimer und auch Touristen buddeln auf dem Stück Brachland.

dpa

Schweißtreibendes Graben auf der Suche nach kleinen Goldbarren: Viele Pulheimer und auch Touristen buddeln auf dem Stück Brachland.

Pulheim. Die Schatzsucher sind los. Auf einem kleinen Grundstück in dem beschaulichen Städtchen Pulheim bei Köln wimmelt es am Freitag nur so von Goldgräbern. Manche buddeln schwitzend und verbissen, manche sind in ihrem ausgeschaufelten Erdloch kaum noch zu sehen, und wieder andere haben sich gleich einen Metalldetektor mitgebracht. Sie alle wollen nur das eine: Gold. Aber auch Spaß.

"Es ist anstrengender, als ich dachte. Aber die Konsistenz ist jetzt locker, das könnte ein Zeichen dafür sein, dass hier was verbuddelt wurde, ich mach weiter", sagt Volker Sternberg, der in einem schon 1,50 Meter tiefen Erdkrater steht.

Genau 28 kleine Barren zu zehn oder 20 Gramm - Gesamtwert 10.000 Euro - warten auf ihre Finder. Der Berliner Künstler Michael Sailstorfer hat sie für seine lebendige Kunstaktion "Pulheim gräbt" im Sommer in der städtischen Brachfläche versenkt, wie die Stadt sagt.

Mondlandschaft schon kurz nach dem offiziellen Start der Aktion

Das Areal gleicht einige Stunden nach Beginn der Aktion schon einer Mondlandschaft mit vielen Kratern. Überall wird fieberhaft gehackt, geschaufelt, geschuftet. Der eine oder andere glückliche Finder soll schon mit einem Klümpchen des kostbaren Metalls in der Tasche abgezogen sein, erzählt man sich unter den Goldgräbern.

Ja, richtig, bestätigt Angelika Schallenberg, Leiterin der Pulheimer Kulturabteilung. Wohl in der Nacht seien vier Goldstücke gefunden worden. "Von wem und wo, weiß ich nicht", sagt sie. Ein Fund müsse nicht gemeldet werden. "Das Ganze entwickelt eine Eigendynamik und soll so lange laufen, wie die Leute sich noch mit Freude am Spiel beteiligen."

Michael Sailstorfer wurde am 12. Januar 1979 in Bayern geboren und wuchs als Sohn eines Bildhauers auf. Er besuchte schon früh mit seinem Vater Vernissagen, studierte von 1999 bis 2005 an der Akademie der Bildenden Künste München.

Sailstorfer verwandelt Gegenstände des Alltags. So wurde aus einem Polizeiauto ein Schlagzeug und aus einem alten Schulbus ein Museum, das er "Kässbohrer- Museum" nannte und in seiner Berliner Galerie aufgebaut hat. In der Nähe seines bayerischen Heimatortes stieß er 2004 auf einen alten Schulbus, den die Kinder nach der letzten Fahrt bemalt hatten. Der Künstler trennte die Blechhaut des Busses ab und steckte die einzelnen Bilder in Alu-Rahmen, welche wiederum - wie in einem richtigen Museum - in einer Archivbox aufbewahrt werden. "Mein Thema ist der Moment der Transformation, egal ob ich ein Polizeiauto zerlege und in ein Schlagzeug transformiere, Fußschritte in Sound übersetze oder aus einem bemalten Schulbus ein Gemäldearchiv wird", sagte Sailstorfer in einem Interview.

Das kann noch dauern. Dominik und René haben einen Metalldetektor dabei und wollen weitermachen, bis Gold in ihren Händen glänzt: "Die Sonde piepst die ganze Zeit, weil hier so viel Metallmüll rumliegt. Aber besser, als nur auf gut Glück zu arbeiten."

Barbara gehört zu den Goldgräbern, weil es lustig ist und Spaß macht an der frischen Luft." Trotzdem überlegt die schweißgebadete 54-Jährige schon, was sie bei einem Treffer mit dem Geld machen würde: "Irgendwas mit meiner Familie, was uns allen Freude macht."

"Wenn das nur ein alberner Gag sein sollte, dann werde ich richtig sauer", droht Schatzsucher Daniel (32) - allerdings nur mit der unbedrohlich kleinen Kinderschaufel seines Söhnchens aus dem Sandkasten. Indes zweifeln einige Sucher wie auch Zuschauer, ob da wirklich Wertvolles im Erdreich schlummert.

"Die finden eher eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg als Gold", glaubt Passant Sebastian. "Mit Kunst hat die Nummer auf jeden Fall nichts zu tun", meint der 23-Jährige. Passantin Gabriele findet die Aktion toll: "Das ist eine gute Idee der Stadt, sich mal den Garten kostenlos umgraben zu lassen, vielleicht mache ich das bei mir zuhause auch mal."

Die künstlerische Goldsuche soll in einem Fotoband festgehalten werden. Die Aktion ist Teil der vom Land NRW geförderten Pulheimer Reihe "Stadtbild.Intervention", die bereits seit zehn Jahren unter Beteiligung namhafter Künstler läuft. Das Geld für Gold und Projekt kommt Schallenberg zufolge von der Landesinitiative Stadt, Bau und Kultur und der Stadt Pulheim.

Den Goldgräbern ist das ganz egal. Sie sind bei strahlendem Sonnenschein voll in ihrem Element. Zwei Mädchen aus dem Schwarzwald, zu Besuch bei den Großeltern in Pulheim, haben zwar noch kein glitzerndes Gold gesehen. Aber, meint die Oma: "Die Augen glänzen doch, das ist doch auch viel wert."

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