Am Montag beginnt die Verhandlung gegen den Mann, der seine Tochter 24 Jahre gefangen hielt und immer wieder vergewaltigte. Der Angeklagte rechnet mit lebenslänglich.

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Der 73-jährige Josef Fritzl wird seinen Lebensabend höchstwahrscheinlich im Gefängnis verbringen müssen.

Der 73-jährige Josef Fritzl wird seinen Lebensabend höchstwahrscheinlich im Gefängnis verbringen müssen.

Reuters

Der 73-jährige Josef Fritzl wird seinen Lebensabend höchstwahrscheinlich im Gefängnis verbringen müssen.

Wien. 24 Jahre lang peinigte er seine Tochter. Er hielt sie in einem Kellerverlies im österreichischen Amstetten ohne Tageslicht wie eine Sklavin gefangen. Er vergewaltigte sie, wann immer er wollte, und zeugte so sieben Kinder. Eines ließ er sterben, weil er um die Aufdeckung seiner Straftaten fürchtete.

Am Montag, knapp ein Jahr nach der Aufdeckung seiner Verbrechen, wird der 73-jährige Josef Fritzl vor dem Schwurgericht in St. Pölten stehen. Selbst für den Angeklagten, der seit April 2008 in Untersuchungshaft sitzt, scheint inzwischen klar, dass am Ende der Verhandlung ein "lebenslang" stehen dürfte. Die schwerste Anklage lautet auf Mord. Die Staatsanwaltschaft wird zusätzlich eine Einweisung in eine "Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher" fordern.

Fritzls Opfer werden vor Gericht nicht persönlich aussagen müssen

Die Hoffnung, seinen Lebensabend mit seiner Familie verbringen zu können, hat Fritzl nach Angaben seines Anwalts Rudolf Mayer aufgegeben. Doch der Mann, der seine monströsen Taten weitgehend gestanden hat, will vor seinen Richtern auf einem Punkt bestehen: "Ich bin kein Monster", ließ der Angeklagte erklären.

Er, der seine Tochter im Alter von 18 Jahren monatelang ankettete, sie mit dem Tod bedrohte, sie und ihre Kinder hungern ließ, habe seine Tochter "geliebt". Ein Monster hätte niemals, wie im April 2008 geschehen, Elisabeth und deren lebensbedrohlich erkrankte älteste Tochter ins Krankenhaus gebracht und damit das sichere Auffliegen riskiert, sagte Anwalt Rudolf Mayer.

Die Gerichtspsychologin hat Fritzl für seine Taten voll zurechnungsfähig erklärt. Die Anklageschrift beschuldigt ihn neben Mordes der fortgesetzten Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, schwerer Nötigung, Sklaverei und Blutschande.

Der österreichische Gerichtspsychologe Reinhard Haller hält den Fall Fritzl für "einmalig" in der Kriminalgeschichte. Der 73-Jährige sei ein "hochintelligenter" Täter mit einer "bösartigen Form des Narzismus". Für den Psychologen ist sicher, dass Fritzl nicht schwachsinnig sei. "Ein psychisch Kranker könnte nie mit dieser Konstanz und mit dieser Entschlossenheit etwas über einen so langen Zeitraum hinweg durchziehen."

Für Fritzls Opfer, die Tochter Elisabeth und ihre sechs Kinder, die zum Teil ihr Leben lang in einem dunklen Kellerverlies lebten, gibt es nach Ansicht der Psychologin Brigitte Lueger-Schuster noch Hoffnung auf ein einigermaßen normales Leben. "Wir wissen von massiven Traumatisierungen durch KZ-Haft über viele Jahre hinweg, dass eine Erholung möglich ist, dass aber die Spuren des Traumas ein Leben lang da sind."

Die Öffentlichkeit wird in der kommenden Woche nur wenige Details von diesen Verbrechen erfahren, denn der größte Teil der Verhandlungen im Landesgericht wird aus Gründen des Opferschutzes hinter verschlossenen Türen stattfinden. Weder die Opfer noch Fritzls übrige Familie werden vor Gericht persönlich aussagen.

Die grausamen Verbrechen des Mannes wurden am 27. April 2008 aufgedeckt. Am Tag davor war der 73-Jährige im niederösterreichischen Amstetten zusammen mit seiner Tochter Elisabeth eher zufällig festgenommen worden. Erstmals nach 24 Jahren hatte der 73-Jährige seiner Tochter gestattet, ihr Verlies zu verlassen, um ihre schwer erkrankte Tochter, die er zuvor ins Krankenhaus gebracht hatte, zu besuchen.

Bei einer Vernehmung der Frau, die er 24 Jahre zuvor als "vermisst" gemeldet hatte, kam dann die furchtbare Wahrheit ans Licht. Am kommenden Freitag wollen die acht Geschworenen das Urteil über Josef Fritzl sprechen.

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