Am Dienstag feiern Max-Planck-Forscher den 100. Geburtstag ihrer Gesellschaft. Es gibt viel Grund zur Freude, aber auch einige düstere Kapitel.

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Ein Max-Planck-Wissenschaftler untersucht am Mikroskop eine Fruchtfliege.

Ein Max-Planck-Wissenschaftler untersucht am Mikroskop eine Fruchtfliege.

dpa

Ein Max-Planck-Wissenschaftler untersucht am Mikroskop eine Fruchtfliege.

Berlin. Erfolg macht sexy – dies gilt nicht nur beim Menschen, sondern auch für Bonobo-Affen. Männchen, die in der Hierarchie oben stehen, können sich leichter mit Weibchen paaren. Was in der Soziologie kaum überrascht, ist in der Naturwissenschaft Grundlagenforschung. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Anthropologie in Leipzig haben das herausgefunden.

Verhaltensforscher Konrad Lorenz arbeitete für die Planck-Gesellschaft

Eher ein stiller Erfolg, der sich kaum mit anderen messen kann. Etwa mit der Arbeit des Verhaltensforschers Konrad Lorenz, der mit seinen Graugänsen berühmt wurde. Oder mit dem Elektronenmikroskop, das von Ernst Ruska erfunden wurde. Beide waren Forscher für die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die am Dienstag ihren 100. Geburtstag feiert.

Sie gilt als die deutsche Nobelpreisschmiede: 17 Mal haben Forscher der MPG diese Auszeichnung seit 1948 nach Deutschland geholt. Ein Grund zum Feiern: Am Dienstag blickt die MPG, die nach dem II. Weltkrieg aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hervorging, auf 100 Jahre Forschung von Weltruf zurück.

Der Rückblick wird nicht ungetrübt sein. Zu tief waren Forscher in Rüstungsexperimente für zwei Weltkriege und auch in das millionenfache Morden im Nationalsozialismus verstrickt.

Auch die dunklen Kapitel der Gesellschaft sind gut dokumentiert

Die Schatten in der 100-jährigen Geschichte sind gut dokumentiert. Besonders dunkel ist die Nazi-Zeit. „Insgesamt war keine Mehrheit der Wissenschaftler in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft an Nazi-Verbrechen beteiligt“, sagt der Historiker Reinhard Rürup, der die Geschichte der Gesellschaft mit aufgearbeitet hat. „Viele haben mit ihrer Tätigkeit aber ein verbrecherisches Regime gestützt und stabilisiert.“ Was das hieß, klingt unvorstellbar: KWG-Biologen etwa bestellten die Augen oder Gehirne ermordeter Menschen direkt in Auschwitz.

Nach Kriegsende konnten viele Wissenschaftler weiterarbeiten

Heute hat die MPG auf alle Bundesländer verteilt 80 Institute und Forschungseinrichtungen für Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Rund 5000 Wissenschaftler und fast 10 000 Mitarbeiter arbeiten für sie. Hauptsitz ist München.

Im Jahr hat die MPG einen Etat von rund 1,3 Milliarden Euro, die von Bund und Ländern finanziert werden.

Der letzte Nobelpreise ging 2007 an den Chemiker Gerhard Ertl, der am Berliner Fritz-Haber-Institut der MPG forschte.

Nach 1945 konnten viele Forscher der Gesellschaft ihre Karrieren fortsetzen. „Da wurde unterschieden, ob jemand ein guter oder ein schlechter Forscher war“, sagt Rürup. „Es ging nicht darum, ob jemand Nazi gewesen war.“ Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft änderte ihren Namen. Nobelpreisträger Max Planck, der als unbelastet galt, übernahm im hohen Alter die Präsidentschaft. Die Gesellschaft erhielt seinen Namen – und eine neue Chance.

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