Frankfurt/Main. 100 Millionen Chinesen werden bis zur Mitte des Jahrhunderts an den Folgen des Tabakkonsums sterben, wenn in China weiter so stark geraucht wird wie bisher. Das berichtet die "Ärzte-Zeitung" (Montag) unter Berufung auf eine Studie der Universität Oxford.

Jeder dritte junge chinesische Mann wird demnach einmal an einer Krankheit sterben, die mit dem Rauchen zusammenhängt. Spätestens im Jahr 2030 werde der Tabakkonsum für ein Drittel aller Todesfälle bei chinesischen Männern verantwortlich sein, schreiben Zheng-Ming Chen und Kollegen im Fachjournal "CVD Prevention and Control" (online vorab).

Der Zigarettenkonsum ist in China von 500 Milliarden Stück im Jahr 1978 auf mehr als 2000 Milliarden Stück im Jahr 2006 stark gestiegen, wie die "Ärzte-Zeitung" schreibt. Untersuchungen wiesen darauf hin, dass 1990 etwa 12 Prozent aller Todesfälle bei Männern in der Altersgruppe der 35- bis 69-Jährigen in China von Tabak verursacht waren, erläutern die Forscher um Chen.

Sie erwarten eine ähnliche Entwicklung wie in den USA, wo in derselben Altersgruppe der Anteil tabakbezogener Krankheiten unter den Todesfällen von 12 Prozent im Jahr 1950 auf 33 Prozent im Jahr 1990 angestiegen ist, nachdem der Tabakkonsum in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stark angestiegen war.

Ungefähr um das Jahr 2030 werde Rauchen und seine Folgen etwa für ein Drittel der Todesfälle bei chinesischen Männern verantwortlich sein, wenn der Tabakkonsum nicht in großem Umfang zurückgehe, betonen die britischen Forscher.

Chinesen, die etwa ein Fünftel der Erdbevölkerung ausmachten, rauchten ungefähr 30 Prozent der Zigaretten weltweit. Jährlich sterben den Angaben zufolge etwa eine Million von ihnen an den Folgen des Tabakkonsums - dies sei mehr als in jedem anderen Land.

Wegen der starken Zunahme des Rauchens zwischen 1950 und 1990 sowie seit 1999 werde das Risiko weiter stark steigen. Im Unterschied zu anderen Ländern hingen in den 1990er Jahren die Hälfte der tabakbedingten Todesfälle in China mit Emphysemen (chronische Lungenüberblähung) und nicht mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen.

Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache. Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde (WHO) stirbt daran alle sechs Sekunden ein Mensch.

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