Mit einigen Guerilleros brachte er einen Diktator zu Fall und überlebt angeblich 600 Mordanschläge: Fidel Castro ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Weltpolitik. Nun feiert Kuba seinen 90. Geburtstag - und Castro kritisiert den einstigen Erzfeind.

Kubas Ministerpräsident Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara (r), Präsident der kubanischen Nationalbank, sehen auf dem Fliegerstützpunkt San Julian einer Bauern-Militärparade zu (Aufnahme vom 21.08.1960).
Kubas Ministerpräsident Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara (r), Präsident der kubanischen Nationalbank, sehen auf dem Fliegerstützpunkt San Julian einer Bauern-Militärparade zu (Aufnahme vom 21.08.1960).

Kubas Ministerpräsident Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara (r), Präsident der kubanischen Nationalbank, sehen auf dem Fliegerstützpunkt San Julian einer Bauern-Militärparade zu (Aufnahme vom 21.08.1960).

UPI

Kubas Ministerpräsident Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara (r), Präsident der kubanischen Nationalbank, sehen auf dem Fliegerstützpunkt San Julian einer Bauern-Militärparade zu (Aufnahme vom 21.08.1960).

Havanna. Auf seine alten Tage wird Fidel Castro sentimental. Er erinnert sich an seine Kindheit im Örtchen Birán auf Kuba, an einen Ausflug mit seinem Vater, Spaziergänge in den rauen Bergen. «Wenige Jahre nach dem Triumph der Revolution starb mein Vater. Zuvor hatte er viel gelitten», schreibt der frühere kubanische Präsident zu seinem 90. Geburtstag in der Parteizeitung «Granma». Tatsächlich hatte Castro seinem Vater einigen Kummer bereitet. Bei der Landreform nach dem Sieg der Revolution enteignete er seine eigene Familie.

Castro ist einer der schillerndsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Mit wenigen Getreuen nimmt er den Kampf gegen den mächtigen Diktator Fulgencio Batista auf, baut nach dem Sieg der Revolution ein sozialistisches Regime im Hinterhof der Vereinigten Staaten auf, hält während der Kuba-Krise die ganze Welt in Atem. Er überlebt angeblich mehr als 600 Mordanschläge und trotzt in seiner Amtszeit zehn US-Präsidenten. «Ich habe über die machiavellistischen Pläne der US-Präsidenten nur gelacht», schreibt der greise Revolutionsführer in seinem Beitrag für die «Granma».

Sein 90. Geburtstag wird in Kuba ausgiebig gefeiert. Seit Wochen drucken die Staatszeitungen Tag für Tag Fotos aus dem bewegten Leben des Guerilleros und Staatsmannes, in den Schulen und Universitäten werden Vorträge über die Verdienste des «Máximo Líder» gehalten, am Samstag sollte Castro im Karl-Marx-Theater mit einer Kultur-Gala geehrt werden. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro - ein glühender Castro-Verehrer - reiste nach Havanna, um dem Revolutionsführer seine Aufwartung zu machen.

Der Opposition ist der Personenkult um Fidel Castro hingegen suspekt. «Dieses ganze Geschrei der Staatsmedien um den Geburtstag von Fidel Castro ... riecht nach Abschied», schreibt die prominente Dissidentin und Bloggerin Yoani Sánchez auf Twitter. Nach einer komplizierten Operation gab Castro vor zehn Jahren die Macht an seinen Bruder Raúl ab. Seitdem lebt er zurück gezogen und äußert sich nur von Zeit zu Zeit in seinen «Reflexiones» zum Weltgeschehen. Über echte politische Macht verfügt er nicht mehr. «Er ist aber noch immer wichtig als Legimitator für die politische Führung Kubas», sagt Politikwissenschaftler Bert Hoffmann vom GIGA-Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg.

Kuba erlebt derzeit die größte gesellschaftliche Umwälzung seit der Revolution im Jahr 1959. Die Regierung von Raúl Castro hat diplomatische Verbindungen zum einstigen Erzfeind USA aufgenommen, immer mehr Menschen arbeiten im aufstrebenden Privatsektor und an ausgewählten Orten können die Kubaner sogar ins Internet. Politische Freiheit genießen sie allerdings noch immer nicht. Vielen auf Kuba geht die Öffnung zu langsam.

Fidel Castro hingegen hat in seinen seltenen Äußerungen durchblicken lassen, dass er so manchen Schritt seines Bruders durchaus kritisch sieht. Vor allem die Annäherung an die USA ist ihm suspekt, das «Imperium» für ihn immer noch der Todfeind. In seinen Geburtstagsgrüßen in der «Granma» kritisiert er etwa, dass sich US-Präsident Barack Obama bei seinem jüngsten Besuch in Japan nicht für die Opfer der Atombombenabwürfe am Ende des 2. Weltkriegs entschuldigt habe: «Deshalb müssen wir immer wieder darauf bestehen, dass wir den Frieden erhalten müssen, und dass keine Macht das Recht hat, Millionen von Menschen zu töten.»

Castro hat fast alle seiner Gegner überlebt, aber zuletzt sinnierte auch er öffentlich über sein Ende nach. Beim Kongress der Kommunistischen Partei im April rührte er einige Delegierte zu Tränen, als er sagte: «Wir alle kommen an die Reihe.»

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