Ein Sparten-TV aus Köln überträgt Feiern aus ganz Europa. Drei Kameras sind live dabei.

medien
Braut, Bräutigam und Gäste tanzen – der Spartensender Dügün-TV ist live dabei, und die ganze Welt kann zuschauen. Bildschirm-

Braut, Bräutigam und Gäste tanzen – der Spartensender Dügün-TV ist live dabei, und die ganze Welt kann zuschauen. Bildschirm-

Dügün-TV

Braut, Bräutigam und Gäste tanzen – der Spartensender Dügün-TV ist live dabei, und die ganze Welt kann zuschauen. Bildschirm-

Köln. Der deutsch-türkische Fernsehsender Dügün TV braucht keine Linda de Mol. Dügün bedeutet Hochzeit. Und die gibt es auf dem Satelliten-Kanal beinahe 24 Stunden am Tag.

Einige dieser schönsten Momente werden live übertragen, die meisten aus sechs bis acht Stunden Videomaterial auf 90 Minuten geschnitten.

Und die Welt schaut zu. „90 Prozent unserer Sendungen sind Hochzeiten“, sagt Güler Balaban, die Geschäftsführerin des Kölner Senders. Die restlichen zehn Prozent sind Astro-Shows und Werbung in Form von Teleshopping.

Vor zwei großen Flachbildschirmen und einer Tastatur mit rosa-, gelb-, blau- und lilafarbenen Tasten sitzt Peter Heilmann am Schnittplatz.

Der 26-Jährige kontrolliert die Schnittübergänge bei einem zusammengestellten Film über eine deutsch-türkische Hochzeit, dann ist das Ganze sendefertig. Der neue Kollege Orhan Abdurahim schaut ihm über die Schulter.

2000 Euro kostet die Live-Übertragung einer Hochzeit

Dügün TV ist einer von zwei Sendern der Produktionsfirma Telebazaar, die in alten Industriehallen im Kölner Westen untergebracht ist. „Türkshow“ ist das Vollprogramm, aber der Spartensender Dügün sei deutlich beliebter, sagt Geschäftsführerin Güler Balaban.

Der „Hochzeitssender“ startete 2004. Zielgruppe sind Millionen Türken in Deutschland und Europa, darunter besonders die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen.

Der Sender heuert im Ausland freie Mitarbeiter für die Hochzeiten an. „Drei Kameras filmen eine Feier“, sagt Heilmann. Die meisten Teams schneiden noch im Ausland das Material nach Vorgaben des Senders. „Der Feinschliff hier dauert dann nur noch 20 Minuten.“ Schneidet Heilmann alles selbst, kostet das einen ganzen Tag

Der Kunde zahlt mindestens 350 Euro für eine Band-Übertragung, live legt er 2000 Euro hin. Dügün TV verursacht verhältnismäßig wenig Kosten. Die günstige Produktion ist auf dem Bildschirm erkennbar: Am unteren Bildschirmrand läuft ein SMS-Chat, rechts daneben werden im Wechsel die SMS-Chat-Nummern für mehrere Länder eingeblendet, oben links tickert im Laufband die Internetadresse des Senders – es erinnert an das Nachtprogramm eines deutschen Kleinsenders.

Bis zu 5000 Zuschauer schauen sich eine fremde Hochzeit an

Wenn da nicht die vielen Frauen wären, die bunte, weit ausgeschlagene Kleider tragen, manche passend dazu ein Kopftuch. Sie haken einander am kleinen Finger ein und tanzen in einer Reihe.

Die Männer bilden einen Kreis, der Bräutigam tanzt in der Mitte, die anderen strecken die Arme aus, schnipsen im Takt.

„Bis zu 5000 Zuschauer gucken sich eine Hochzeit an, auch wenn sie von Fremden ist. Die Türken interessiert das einfach“, erklärt Balaban. „Uns haben Leute geschrieben, dass sie zu Hause im Wohnzimmer getanzt haben, weil eine Hochzeit so schön war – obwohl sie niemanden kannten.“

Heilmann erklärt Abdurahim – beide sind ausgebildete Mediengestalter – die Belegung des Mischpults für Live-Übertragungen: 30 Reihen mit jeweils mehr als einem Dutzend Drehknöpfchen. Aber Abdurahim wird bei Dügün TV nicht nur arbeiten.

Der 30-Jährige hat schon seine Hochzeit für dieses Jahr angekündigt. Dügün TV wird live dabei sein.

Balaban ist, wie ihr Dialekt bestätigt, „echte Kölnerin“ mit türkischen Wurzeln. Und unverheiratet. Das lacht sie charmant weg. „Ich sage immer: Ich warte noch auf den Traumprinzen.“ Und wenn es soweit ist, will auch sie ihre Hochzeit natürlich im Fernsehen zeigen.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer