Die Mineralölwirtschaft verweist auf den schwachen Euro. Der ADAC hält Erhöhungen für nicht gerechtfertigt.

Berlin. An Benzinpreise jenseits der 1,40 Euro haben sich viele Autofahrer inzwischen zähneknirschend gewöhnt. Auch kräftige Preissprünge von fünf Cent innerhalb weniger Stunden sind mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Doch am Dienstagmorgen traf viele Autofahrer ein Preisschock an der Zapfsäule: 1,529 Euro kostete Super-Benzin in einigen Städten – so teuer war Kraftstoff in Deutschland zuletzt im Sommer 2008 mit 1,58 Euro je Liter Super.

Rekordwerte des Sommers 2008 sind noch weit entfernt

Doch was steckt dahinter? „Die hohen Preise hängen mit dem Weltmarktgeschehen zusammen“, sagt Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes. Der derzeit schwache Euro mache den Einkauf von Rohöl, das in Dollar notiert wird, teurer. Zudem hätten die Rohölpreise zuletzt deutlich angezogen.

Sie liegen laut Mineralölwirtschaftsverband für die in Europa verwendete Nordseesorte Brent bei mehr als 95 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit sind sie aber noch weit entfernt von den Werten des Sommers 2008, als ein Barrel mehr als 140 Dollar kostete.

Als Gründe für den derzeitigen Preisanstieg nennt Retzlaff unter anderem die „gewaltige Nachfrage aus China“ sowie die vorübergehende Schließung der Alaska-Pipeline wegen eines Lecks. „Das hat sich sofort auf den Markt ausgewirkt.“

Den Vorwurf der Abzocke hält sie angesichts des harten Wettbewerbs unter den deutschen Tankstellen für ungerechtfertigt. Auch am Dienstag sei der Preis im Laufe des Tages schon wieder deutlich abgebröckelt.

ADAC versteht die hohen Preise nicht

Der ADAC dagegen beurteilt die Lage deutlich anders: „Für die aktuellen Höchststände bei den Spritpreisen gibt es keinen plausiblen Grund“, sagt Andreas Hölzel vom ADAC.

Er erwartet, dass das laufende Jahr für Autofahrer noch teurer wird als 2010 – und das galt als das bislang teuerste. Im vergangenen Jahr mussten die Deutschen im Durchschnitt 1,405 für einen Liter Super-Benzin bezahlen. Das sind 1,6 Cent mehr als der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2008 und 13,2 Cent mehr als im Jahr 2009.

Der neue Biosprit könnte das Preissystem verändern

Die Einführung des neuen Biosprits E10 in den kommenden Monaten könnte zu einem erneuten Preissprung führen. Experten erwarten nämlich, dass die Mineralölkonzerne das alte Super-Benzin teurer verkaufen als den neuen Super-Kraftstoff E10. Damit wollen sie den Kunden Anreize geben, E10 zu tanken. Falls die Konzerne bestimmte Absatzquoten beim Biosprit nicht erfüllen, drohen ihnen Strafzahlungen in Millionenhöhe.

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