Der Mann, der am Montag seine Frau und seine Kinder getötet haben soll, ist noch auf der Flucht.

Verbrechen
Am Tatort in Neuss haben Bürger Kerzen aufgestellt.

Am Tatort in Neuss haben Bürger Kerzen aufgestellt.

Staniek/Polizei

Am Tatort in Neuss haben Bürger Kerzen aufgestellt.

Neuss. Zwei Tage nach der Bluttat in Neuss herrscht in der Stadt noch immer Trauer und Entsetzen. Die Polizei fahndet europaweit nach Fallah Sänger (35), der am Montag seine Frau (26) und seine beiden vier- und achtjährigen Kinder erschossen haben soll.

Mehr als 50 Hinweise sind bisher aus der Bevölkerung eingegangen, darunter auch konkrete Angaben, wo der Flüchtige am Montag gesehen wurde. Gefasst wurde der Iraker mit deutschem Pass, der mit der Tatwaffe unterwegs sein könnte, aber noch nicht.

Dem Neusser Jugendamt war die Familie bekannt

Der Polizei ist der Mann wegen häuslicher Gewalt gegen seine Frau bekannt; er soll in der Vergangenheit auch außerhalb der Familie schon wegen Körperverletzung aufgefallen sein. Seinen Kindern gegenüber sei er allerdings nicht gewalttätig gewesen, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft erklärt.

Das Neusser Jugendamt sei wegen der früheren Hausverweisungen des Mannes eingeschaltet worden, bestätigte die Stadt am Mittwoch. Über die näheren Umstände und die Frage, wie intensiv der Kontakt zu Frau und Kindern war, wollte man im Rathaus wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen die Öffentlichkeit schockiert. Fast jedes zehnte Opfer von Mord und Totschlag in Deutschland war laut der Kriminalstatistik des vergangenen Jahres ein Kind, also noch keine 14 Jahre alt.

Aber der Bochumer Kriminologe Andreas Ruch weist darauf hin, dass die Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder seit Jahrzehnten unverändert ist: Auf 100 000 Kinder kommen statistisch 0,7 vollendete Tötungsdelikte pro Jahr.

Isabella Heuser, Direktorin der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Berlin, bestätigt das: „Die vielen Taten im August kann man nicht als einen Trend oder eine Häufung betrachten. So etwas ist absolut zufällig.“ Insgesamt kämen solche Taten glücklicherweise nur sehr selten vor.

Rache oder Eifersucht könnten beim Motiv eine Rolle spielen

Die Motive der Täter seien dabei sehr unterschiedlich. In Neuss etwa habe der Ehemann seine Frau und Kinder erschossen und ist auf der Flucht. „Die üblichen Motivationslagen für solche Taten sind Rache am Ehepartner oder Eifersucht“, sagt Heuser.

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