Ein Flammeninferno bei San Francisco sorgt für Entsetzen. Die Ursache: Eine defekte Gasleitung, über die sich Anwohner schon Tage zuvor beschwert hatten.

wza_1000x567_739714.jpeg
Ein riesiger Feuerball schwebte über dem kleinen Vorort von San Francisco und setzte zahlreiche Häuser in Brand.

Ein riesiger Feuerball schwebte über dem kleinen Vorort von San Francisco und setzte zahlreiche Häuser in Brand.

Reuters

Ein riesiger Feuerball schwebte über dem kleinen Vorort von San Francisco und setzte zahlreiche Häuser in Brand.

San Francisco. Ein lodernder Feuerball hat mitten in einem Vorort von San Francisco tödliche Verwüstung angerichtet. Eine unterirdische Gasleitung war am Donnerstagabend (Ortszeit) in der Ortschaft San Bruno nahe des Flughafens explodiert und hatte ein ganzes Wohnviertel in Brand gesetzt.

Die erste Bilanz: mindestens sechs Tote, Dutzende Verletzte, 53 zerstörte Häuser und weitere 123 beschädigte Gebäude.

Schockierte Augenzeugen verglichen das flammende Inferno mit der Zerstörung wie nach einem Bombenanschlag. Fernsehbilder zeigten den rotgelben Feuerball, der in dem dicht besiedelten Gebiet hoch in den Himmel schoss. Die gespenstische Feuerwalze war noch lange nach Anbruch der Dunkelheit zu sehen.

Helfer durchsuchen abgebrannte Häuser nach weiteren Toten

Nach dem ersten Schock wurden bereits wütende Stimmen über mögliche Versäumnisse des Energieversorgers PG&E laut. Firmenchef Chris Jones sprach von einer "Tragödie", deren Ursache gründlich nachgegangen werde. Die Explosion der unterirdischen Pipeline war so heftig, dass sie ein riesiges Loch in den Boden riss.

Medienberichten zufolge hatten Anwohner schon Tage zuvor Gasgeruch wahrgenommen und dies den Behörden gemeldet. Ein Mann schimpfte vor den schwelenden Überresten seiner Nachbarschaft, dass der Energiekonzern auf die Beschwerden nicht reagiert habe.

Ursache des Unglücks bei San Francisco war eine defekte Gasleitung. In Deutschland verhindern ausgeklügelte Absperrventile in den Leitungen eine vergleichbare Katastrophe, sagt der Vize-Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs. Vergleichbare Katastrophen seien daher hierzulande "zum Glück ganz, ganz selten" sagt Ziebs. "In den 70er Jahren kam es bei Frankfurt zu einer vergleichbaren Gasexplosion. Heute ist so etwas in Deutschland fast ausgeschlossen. Wir haben einen sehr hohen technischen Standard bei den Pipelines."

Hartmut Ziebs: "Ursächlich für das Feuer in Kalifornien sind die sogenannten Sekundärbrände: Die Gaswolke explodiert, dadurch werden Gebäude, Industrieanlagen oder Flächen entzündet. Das Gas selber ist relativ schnell verbrannt."

Feuer nach Gasexplosionen werden laut Ziebs "ganz normal gelöscht - wie bei jedem anderen Feuer auch. Man geht mit Wasser und Schaum dagegen vor, um die Brände schnell unter Kontrolle zu bekommen, aber durch die Vielzahl der Feuer kann das lange dauern."

In den schwelenden Trümmern wurde die Suche nach weiteren Opfern in der Nacht fortgesetzt. "Es wird Tote geben, aber wir haben noch keine Zahlen", sagte die Leichenbeschauerin April Florent. Die Helfer müssten nach und nach die abgebrannten Häuser durchsuchen.

Hausbewohner mussten sofort die Flucht ergreifen

"Erst haben wir einen lauten Knall gehört, dann wackelte das ganze Haus", erzählten die Brüder Bob und Ed Pellegrini. Sie dachten erst an ein Erdbeben, spürten dann aber die starke Hitze. "Es sah aus wie die Hölle auf Erden". Die Hausbewohner ergriffen sofort die Flucht, es blieb keine Zeit, um Habseligkeiten zu packen. 100 Menschen fanden in Notunterkünften Zuflucht.

Im Bezirk wurde der Notstand ausgerufen. Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen und -hubschraubern gelang es den Feuerwehrleuten zunächst nicht, die Flammen unter Kontrolle zu bringen, die Berichten zufolge sogar die Fenster von Feuerwehrwagen zum Schmelzen brachten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer