Schweden will die Einführung der Riesen-Lkw vorantreiben. In Deutschland wächst die Angst vor einem Verkehrskollaps.

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Der Gigaliner einer Spedition aus Nettetal fuhr im Modellversuch mit bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht durch NRW.

Der Gigaliner einer Spedition aus Nettetal fuhr im Modellversuch mit bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht durch NRW.

Sauels

Der Gigaliner einer Spedition aus Nettetal fuhr im Modellversuch mit bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht durch NRW.

Brüssel. Sie heißen Monstertrucks oder Gigaliner, sind Lastwagen der Superlative - 25 Meter lang und mit Ladung bis zu 60 Tonnen schwer - und umstritten wie kaum ein anderes Verkehrsprojekt in Europa. Nun haben die Befürworter Grund zur Freude. Denn eine neue EU-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Riesen-Laster den Straßengütertransport billiger machen und ihre Einführung sinnvoll ist.

46 Milliarden Euro müssten für neue Brücken investiert werden

Besonders in Deutschland, dem Transitland Nummer Eins, wächst nun die Sorge, Europa könne von den monströsen Brummis geradezu überrollt werden. Zumal man den Schweden, die ab Juli den Vorsitz in der EU führen, zutraut, dass sie sich zusammen mit der EU-Kommission mächtig für die europaweite Zulassung ins Zeug legen werden.

"Schweden hat ein großes Eigeninteresse - allein schon wegen seiner großen Lkw-Hersteller Volvo und Scania", argumentiert Martin Roggermann, Koordinator der EU-weiten "No-Mega-Trucks"-Kampagne.

In der aktuellen EU-Studie bestreiten die Experten nicht, dass die EU-weite Zulassung gigantische Infrastrukturkosten für stabilere Brücken und größere Kreisverkehre erforderlich macht. Allein in Brücken müssten rund 46 Milliarden Euro investiert werden.

Selbst Sicherheitsdefizite (längere Überholwege, aufwändigeres Rangieren, zu schwache Leitplanken) werden nicht geleugnet. Trotzdem kommen die Forscher unterm Strich zu folgendem Ergebnis: Riesen-Lkw wären ein Gewinn, weil sie den Straßengüterverkehr preiswerter machten.

Im Oktober 2007 hatten die Verkehrsminister von Bund und Ländern grundsätzlich entschieden, dass keine Riesen-Lkw auf deutschen Straßen zugelassen werden sollen - unter anderem weil sie ein zu hohes Risiko für die Verkehrssicherheit darstellten. Ein NRW-Modellversuch durfte aber fortgesetzt werden.

NRW hatte zum 1.Januar 2007 einen Versuch mit den Gigalinern gestartet, an dem sich zwölf Transportunternehmen beteiligten. Auf 20 ausgewählten Strecken waren die Lkw mit einer Länge von bis zu 25 Metern unterwegs - allerdings durften sie mit Ladung nicht schwerer als 40 Tonnen sein. Gigaliner können ein Gewicht von bis zu 60 Tonnen haben. Der Versuch endete im Juni 2008. Die Auswertung liegt noch nicht vor.

Während Länder wie Deutschland, Großbritannien, Österreich und Schweiz die Gigaliner vehement ablehnen, sind Schweden, Dänemark und die Niederlande dafür. Schweden erprobt bereits eine neue XXL-Generation mit 30 Metern Länge und 90 Tonnen Gesamtgewicht.

In Deutschland hingegen lehnen nicht nur Umweltschützer die Gigaliner ab. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist ebenfalls dagegen, auch der EU-Politiker Georg Jarzembowski (CDU) will sie nicht: "Im Parlament gibt’s keine Begeisterung für eine europaweite Zulassung."

Gigaliner-Gegner Roggermann hält der aktuellen EU-Studie die Ergebnisse anderer Gutachten entgegen. So sagt eine Untersuchung aus dem Jahr 2006 voraus, dass durch die Riesen-Laster allein in Deutschland 1,3 Millionen Lkw-Fahrten von der Schiene zurück auf das Fernstraßennetz verlagert würden.

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