Grundschüler sollten in einem Aufgabenblatt markieren, was typisch für Jungs ist und was typisch für Mädchen. Demnach ist es falsch zu denken, Mädchen seien mutig.

Mädchen und Jungen in einer Schulklasse
Was ist typisch Mädchen, was ist typisch Jungs. Im Ethikunterricht wird dieses Thema behandelt.

Was ist typisch Mädchen, was ist typisch Jungs. Im Ethikunterricht wird dieses Thema behandelt.

Armin Weigel

Was ist typisch Mädchen, was ist typisch Jungs. Im Ethikunterricht wird dieses Thema behandelt.

Typisch Mädchen, typisch Junge - ein Ethiktest in einer Grundschule in Sachsen-Anhalt stellt ihren Schülern diese Frage. Die Antworten werden vorgegeben. Es sind die althergebrachten Stereotypen, die die Schüler entsprechend markieren müssen. Rosa für Mädchen, Blau für Jungen, Fußball spielen Jungs, Mädchen spielen mit Puppen. 

Das an sich wäre schon in der heutigen Zeit ein Aufreger. Doch was die Netzgemeinde wirklich zum Kochen bringt, ist der Punktabzug für Antworten, die anscheinend nicht in das Geschlechter-Weltbild der Lehrerin passen. So wurde als falsch bewertet, das Mädchen mutig sind.

Ein Bild von diesem Test wurde auf Facebook von der Nutzerin Sandra Goldschmidt veröffentlich. Dort schreibt sie: " Ich finde das ist skandalös. Geschlechterstereotype nicht zu diskutieren und analysieren sondern zu zementieren und dann auch noch mit richtig oder falsch zu bewerten. Ich krieg mich kaum noch ein!"

 

Der Beitrag ist inzwischen über 1000 mal geteilt worden.

Das Material „Niveaubestimmenden Aufgaben“ diente als Vorlage (Seite 20, Aufgabe 3a), Kreise grün die Eigenschaften ein, die deiner Meinung nach typisch für Mädchen sind und blau, die typisch für Jungen sind.). In Aufgabe 3b) wird dann zur Diskussion aufgefordert. (Gibt es Wörter, die du mit beiden Farben einkreisen kannst? Erkläre es deinen Mitschülerinnen und Mitschülern.)

In der Grundschule im Burgenlandkreis unterließ die Lehrerin die Diskussion und gab vor, welche Antworten "richtig" und welche "falsch" sind.

 

Manche User stellten sich die Frage, ob es sich um einem Fake handeln könnte, so unglaublich ist der Test samt Bewertung für viele, die an der Debatte teilnehmen. Doch Goldschmidt habe das Bild von einer Mutter in einer geschlossenen Gruppe auf Facebook erhalten. Dort postete eine weitere Mutter ebenfalls einen Test von ihrem Sohn, mit noch mehr "Fehlern". Demnach ist es ebenso falsch, wenn Mädchen kurze Haare habe. Richtig ist dagegen, das Mädchen ängstlich sind.

 

Ein Facebook-Kommentator bemerkt dazu: "Ich weiß gerade nicht, ob ich Mädchen-mutig = halbe Punktzahl oder Mädchen-ängstlich = volle Punktzahl schlimmer finde.", Eine andere Facebook-Kommentatorin zieht aus dem Test ihre eigene Schlüsse: "Ich dachte, ich hätte drei Mädchen, aber jetzt weiß ich, dass es wohl Jungs sind: sie sind laut und mutig, spielen mit Autos und mögen blau!"

Das Schulministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte auf Anfrage von Medien, dass die Aufgabe tatsächlich in einer 4. Klasse im Burgenlandkreis durchgeführt und benotet wurde. Offizielles Unterrichtsmaterial sei der Test allerdings nicht. Für den Ethikunterricht gäbe es aber die Vorlage "Niveaubestimmende Aufgaben für die Grundschule".

Nachdem dieses Aufgabenblatt im Internet für Empörung sorgte, suchte am Freitag die Schulleitung und die Lehrerin, die den Test durchgeführt und benotet hatte, das Gespräch mit den Eltern. Man seie sich einig geworden hieß es. dwi

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