Bereits in der ersten Januarwoche gab es so viel Niederschlag wie sonst im gesamten Monat.

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Kein Durchgang – der Ausleger im Monheimer Stadtteil Baumberg ist nicht mehr passierbar.

Kein Durchgang – der Ausleger im Monheimer Stadtteil Baumberg ist nicht mehr passierbar.

Anna Schwartz

Kein Durchgang – der Ausleger im Monheimer Stadtteil Baumberg ist nicht mehr passierbar.

Düsseldorf/Köln. Der Rheinländer spricht von „Drisswetter“, im Ruhrgebiet sagt man gern „Usselswetter“ – gemeint ist in beiden Fällen genau das, was sich seit Anfang des Jahres draußen abspielt: Regen, Regen, Regen. Bereits in der ersten Januarwoche ist schon so viel in NRW vom Himmel gekommen, wie ansonsten im kompletten Monat, stellt der Deutsche Wetterdienst fest.

Schiffe fahren nur noch in der Mitte des Stroms, Fähren setzen aus

Die Konsequenz: Der Rheinpegel steigt und steigt. Marlene Willkomm, stellvertretende Leiterin der Hochwasserschutzzentrale in Köln, vermutet, dass der Höchststand am Montag erreicht sein wird. Am Freitagmittag wurden in Köln 6,89 Meter und in Düsseldorf 6,30 Meter gemessen.

Das hat für den Verkehr auf dem Rhein erste Konsequenzen: Schiffe fahren nur noch in der Strommitte. Die Fähre zwischen Urdenbach und Zons verkehrt bis auf weiteres nicht, die Kaiserswerther Fähre macht bis zum 5. Februar Betriebsferien. Autofahrer konnten am Freitag nur noch in Hitdorf übersetzen. Am Montag eventuell schon nicht mehr.

Schließlich sollen dann nach Schätzung der Kölner bereits Pegelstände jenseits der 7,50 Meter erreicht werden. Marlene Willkomm sagt: „Wir gehen aber davon aus, dass wir nicht über die acht Meter kommen.“ Genau weiß das aber keiner, denn die Wetteraussichten für NRW bleiben alles andere als rosig (siehe Kasten). Ab 8,30 Meter dürfen keine Schiffe mehr fahren.

Erste Park- und Campingplätze wurden dicht gemacht, einzelne Wege gesperrt. In Köln sind zurzeit vier der elf Hochwasserpumpwerke in Betrieb, die dafür sorgen, dass das Regenwasser weiterhin ablaufen kann.

Nach den Sturmtiefs Ulli und Andrea kommt jetzt Bibiana. Am Wochenende ziehen Kaltluftwellen mit Regen und frischem Wind über NRW hinweg, teilte der Deutsche Wetterdienst in Essen mit. „Das ist aber nichts im Vergleich zu Ulli und Andrea“, sagte Meteorologe Karl-Heinz Nottrodt. Die Temperaturen liegen zwischen vier und acht Grad.

Über die Hochlagen können noch vereinzelt Sturmböen hinwegziehen. Zwischendurch schneit es auch.

Das Hochwasser ist auch dem regnerischen Dezember geschuldet. Im Flachland von NRW fielen 140 bis 150 Liter Wasser pro Quadratmeter. Karl-Heinz Nottrodt, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst sagt: „Damit lagen wir 50 bis 60 Prozent über dem Mittelwert für Dezember.“

Am 1. Dezember war der Rhein noch 94 Zentimeter hoch

Diese Mengen verwandelten das Rinnsal Rhein, der am 1. Dezember auf einen 94-Zentimeter-Pegel gefallen war, wieder in einen Strom. Eine Rekordsteigung? Nein, da haben die Kölner Wasserschutzexperten schon anderes erlebt. Willkomm: „Im Januar 1995 stieg der Rhein innerhalb von 24 Stunden von 4,10 auf 8,11 Meter.“ So sieht ein Rekord aus.

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