Auch in NRW sollen die Essgewohnheiten verändert werden.

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An einer Dortmunder Grundschule wird schon Obst und Gemüse geschält. (dpa)

An einer Dortmunder Grundschule wird schon Obst und Gemüse geschält. (dpa)

An einer Dortmunder Grundschule wird schon Obst und Gemüse geschält. (dpa)

Dortmund. Äpfel und Birnen mag Erdem am liebsten. Bei Mario sind es Pflaumen und Kohlrabi. Die Neunjährigen in der Dortmunder Stift-Grundschule sind begeisterte Obst- und Gemüseesser: "Auf Obst habe ich immer Hunger", sagt Mario. "Davon kann man essen, soviel man will", bestätigt Erdem - und nimmt sich ein Apfelstück. Seit zwei Jahren bekommen sie an jedem Schultag an ihrer Schule Obst und Gemüse.

Wie den beiden könnte es bald zehntausenden Kindern gehen, nachdem der Bundesrat grünes Licht für ein Schulobstprogramm gegeben hat. Es sieht die kostenlose Verteilung von Obst und Gemüse an Schulen vor. Ziel ist, im Kampf gegen Übergewicht Kindern gesunde Essgewohnheiten zu vermitteln. Die EU finanziert die Umsetzung in Deutschland mit 20 Millionen Euro. Weitere 18Millionen Euro sollen die Bundesländer beisteuern.

Schulen, die mitmachen wollen, müssen ein Konzept vorlegen

Für NRW betont Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU): "Mein Ziel ist, dass die Infrastruktur mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2010 steht." Schon jetzt ist aber klar, dass in NRW nicht alle Grundschüler profitieren werden. "Wir kennen noch nicht den genauen Betrag, der uns aus dem Haushalt dazu zur Verfügung stehen wird", sagt Uhlenbergs Sprecher Wilhelm Deitermann. Darum wisse man auch noch nicht, wie viele Grundschulen einbezogen werden.

Bei der Auswahl der Schulen sollen diejenigen bevorzugt werden, in denen mehr Kinder aus sozial schwächeren Familien sind. Auch will man keinesfalls "jedem Kind einfach nur einen Apfel in die Hand drücken". Die Grundschulen, die sich beteiligen möchten, müssen schon ein begleitendes Konzept vorlegen, in dem es vor allem um Ernährungsbildung geht. "Sonst würde ja alles verpuffen", sagt Deitermann.

Wie so ein Konzept aussehen kann, zeigt die Dortmunder Stift-Grundschule, die seit zweieinhalb Jahren als eine von 15 in der Stadt an dem Projekt "Besser essen. Mehr bewegen" teilnimmt. "Die Essgewohnheiten haben sich schon sehr geändert", sagt Schulleiterin Monika Hornig. Früher hätten die Kinder morgens mehr Süßigkeiten dabeigehabt. "Jetzt bringen sie schon mal Obst mit."

In der Klasse 4b fängt das wöchentlich wechselnde "Obstteam" um 9.15 Uhr mit der Zubereitung an. An einem Extratisch schnippeln, schälen und schneiden zumeist drei Kinder Gurken, Äpfel oder Möhren. In Schüsseln wird das "Finger Food" dann herumgereicht. Auch im Unterricht selbst kommt das Thema gesunde Ernährung immer wieder auf den Tisch - ebenso wie die Themen Hygiene oder Zahngesundheit.

Wie die Logistik nach der Ausweitung des Projekts aussehen soll, steht noch nicht fest. Für das Landwirtschaftsministerium, so betont Sprecher Deitermann, sei aber besonders wichtig, dass saisonale und regionale Produkte in die Klassen kommen.

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