In Südtirol kommen neun Passagiere ums Leben. 28 Menschen werden teils schwer verletzt.

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Die Schlamm- und Geröllmassen warfen einen Waggon von den Gleisen.

Die Schlamm- und Geröllmassen warfen einen Waggon von den Gleisen.

dpa

Die Schlamm- und Geröllmassen warfen einen Waggon von den Gleisen.

Bozen. Eine breite Schlammlawine rast talwärts, reißt einen Zug mit zwei Wagen von den Gleisen und mindestens neun Menschen in den Tod. Bei dem schweren Zugunglück am Montagmorgen in Südtirol wurden außerdem 28 Menschen verletzt, sieben von ihnen schwer. Die Regionalbahn wurde im Meraner Land in einer engen Schlucht von den herabstürzenden Erd- und Gesteinsmassen erfasst und aus den Schienen geschleudert.

Unter den Verletzten sind auch zwei Touristen, deren Nationalität aber noch nicht bekannt sei, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. Nach italienischen Medienberichten soll es sich um Deutsche handeln. Das Auswärtige Amt hatte dagegen keinerlei Hinweise auf deutsche Opfer.

"Ein Wagen wurde bei diesem Sturz direkt getroffen", sagte der Rettungshelfer Florian Schrofenneger einem italienischen Fernsehsender. Mehrere Bäume in der Nähe des Gleises verhinderten, dass der erste von zwei Waggons in das Kiesbett des Etsch gedrückt wurde. Die Feuerwehren sicherten den Waggon mit einem Flaschenzug. Zusammen mit dem Zivilschutz gruben sie mühsam mit Schaufeln und Händen nach Opfern.

Die schlimmste Zugkatastrophe in der Provinz Bozen

"Es können immer noch Opfer in dem Schlamm stecken", sagte Durnwalder mittags an der Unfallstelle zwischen Mals und Meran im Vinschgau. Etwa 40 Menschen waren am Montagmorgen in den Zug der gegen 8.20Uhr von Mals in Richtung Meran gestartet war. Die Strecke wird laut vor allem von Studenten und Pendlern genutzt. Sie ist aber auch bei Touristen beliebt.

"Das ist ohne jeden Zweifel die schlimmste Zugtragödie, die wir jemals in der Provinz Bozen gehabt haben", erklärte Durnwalder. Es verstärkte sich im Laufe des Tages der Verdacht, dass eine Bewässerungssleitung eines Obstanbau-Gebietes oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben könnte. Das habe möglicherweise eine Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen.

Der Regionalzug R108 gehört zum Nahverkehrsunternehmen SAD, das von der autonomen Provinz Bozen geführt wird. Die Strecke, auf der sich das Unglück ereignete, war 2005 eröffnet worden und gilt als eine der modernsten des Landes.

Die Schlamm- und Gesteinsmassen bewegten sich in einer Breite von zehn bis 15 Metern talwärts und drangen auch in die Waggons ein, erläuterte der Bozener Chefgeologe Ludwig Nössing. Die Bergung der Verletzten gestaltete sich laut Feuerwehr Bozen schwierig, da die Unfallstelle nur schwer zu erreichen sei. Die Rettungskräfte gelangten nur zu Fuß zum Einsatzort.

"Die Hubschrauber sind pausenlos im Einsatz", sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai. Die Leichen mussten aus den Schlamm- und Geröllmassen geborgen werden. Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser verteilt. "Wir befürchten, dass sich die Zahl der Opfer noch erhöhen könnte", erklärte der Südtiroler Landesrat für Gesundheit und Sozialwesen, Richard Theiner.

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