Es herrscht Eiszeit, dabei sollte es doch wärmer werden. Forscher sagen: Der Frost widerlegt den Klimawandel nicht.

Düsseldorf. Seit zehn Tagen herrschen selbst im sonst milden Rheinland durchgehend Temperaturen unter Null - ein Ende der Frostperiode ist nicht in Sicht. Widerspricht das nicht den Prognosen vieler Klimaexperten, die für die kommenden Jahrzehnte mildere Winter voraussagen?

Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklären, dass dieser Schlussfolgerung ein Missverständnis zugrunde liegt: Wetter ist nicht gleich Klima. Während Klimaprognosen grundsätzliche Veränderungen über einen größeren Zeitraum berechnen, ist das Wetter ein augenblicklicher Zustand der Atmosphäre, eine Art Unterpunkt des Klimas. Ein sich erwärmendes Klima schließt also einen kalten Winter nicht aus, kalte Winter wird es aber in Zukunft seltener geben.

Hinzu kommt, dass sich die Klimaerwärmung auf die weltweite Durchschnittstemperatur bezieht. Die durchschnittliche Erwärmung ist aber in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich stark, in einigen wenigen sinkt die Temperatur sogar leicht. Auch aktuell herrscht zwar in Europa sowie Teilen Ostasiens und der USA "Eiszeit", Australien, zurzeit im Hochsommer, meldet jedoch gebietsweise Dürre und Hitzerekorde.

Entscheidend für das Weltklima ist die Entwicklung in den Tropen

Entscheidender für das Weltklima ist nach Auskunft des Kieler Klimaforschers Mojib Latif ohnehin weniger die Entwicklung in unseren Breiten als das Klima in den Tropen - und die seien zurzeit "außergewöhnlich warm". Letztlich sei dies sogar der Auslöser für den derzeitigen Eiswinter im Süden der USA. "Das ist auf die warmen Temperaturen im tropischen Pazifik zurückzuführen, ein Phänomen, dass wir ,El Niño’ nennen", sagt Latif. Dieses Naturereignis bewirke eine Umkehrung normaler Strömungsverhältnisse im südlichen Pazifik, was starke Auswirkungen auf das globale Wettergeschehen habe.

Eine ganz andere Klimatheorie rechnet tatsächlich mit einer anhaltenden Kältewelle: Wenn sich die Erde und damit auch die Ozeane erwärmen, beginnen die vereisten Polkappen zu schmelzen. Das Süßwasser im Atlantik, so die Überlegung, könnte in sehr großen Mengen den wärmenden Golfstrom bremsen und schließlich vollkommen stoppen. Dann stünde Europa keine Erwärmung, sondern eine neue Eiszeit bevor.

Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale Durchschnittstemperatur um 0,8Grad gestiegen. Die große Mehrheit der Klimaforscher ist sich einig, dass dieser Anstieg zum größten Teil auf den Ausstoß von Treibhausgasen zurückzuführen ist. Da die Gase erst mit einer Verzögerung von 30 bis 40 Jahren klimawirksam werden, glauben die Forscher, dass wir schon jetzt einen Anstieg von 1,2 bis 1,5 Grad nicht mehr verhindern können.

Seit einigen Jahren steigt die Temperatur kaum noch an. Vermutlich hängt das mit natürlichen Schwankungen im Klimasystem zusammen, die noch etwas anhalten könnten. Einige Experten fürchten, dass sich der Anstieg nach dieser "Pause" beschleunigt fortsetzt.

Diese Überlegung, die auch in Al Gores Kinofilm "Eine unbequeme Wahrheit" erläutert wurde, ist zwar theoretisch möglich, unter Klimaforschern ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios aber umstritten. Sicher ist, dass diese Theorie nichts mit der aktuellen Kälteperiode zu tun hat. Sie könnte höchstens in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts eine Rolle spielen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer