Taktik der Nadelstiche führt zu Verspätungen. Freitag und am Wochenende gibt’s freie Fahrt.

Mit einem Transparent machen Bahngewerkschafter im Kölner Hauptbahnhof auf ihr Anliegen aufmerksam.
Mit einem Transparent machen Bahngewerkschafter im Kölner Hauptbahnhof auf ihr Anliegen aufmerksam.

Mit einem Transparent machen Bahngewerkschafter im Kölner Hauptbahnhof auf ihr Anliegen aufmerksam.

dpa

Mit einem Transparent machen Bahngewerkschafter im Kölner Hauptbahnhof auf ihr Anliegen aufmerksam.

Düsseldorf. Kleine Ursache, große Wirkung: Nur eine Bahn-Mitarbeiterin hat am Donnerstag in Düsseldorf gestreikt - und so den S-Bahn-Verkehr in der Region teilweise zum Erliegen gebracht. Die Fahrdienstleiterin im Stellwerk Düsseldorf-Reisholz legte um 6.30 Uhr die Arbeit nieder und die Züge lahm. Zwischen Langenfeld und Düsseldorf ging bis 9 Uhr nichts mehr. Zwölf S-Bahnen fielen laut Deutscher Bahn komplett aus, um die Plätze in den überfüllten Bussen gab es sogar Schlägereien.

Fernzüge mussten umgeleitet werden

"Wir wollten nur kleine Nadelstiche setzen", erklärt Helmut Peters, Gewerkschaftssekretär von Transnet in Düsseldorf, die Aktion. Die Idee zum Ein-Personen-Streik stamme von ihm, sie sei ihm schon vor einigen Tagen gekommen. Die Kollegin im Stellwerk habe er damit am Donnerstag Morgen überrascht. "Es war eine spontane Arbeitsniederlegung." Die kündigten sie bei der Betriebszentrale an, damit diese Fernzüge umleiten und den Regionalverkehr in Düsseldorf und Langenfeld stoppen konnte. "Wir wollten nicht, dass Züge auf freier Strecke stehen bleiben", sagt Peters. "Da ist das Risiko zu groß."

Auf die immerhin beachtlichen Auswirkungen seines "Nadelstichs" ist der Gewerkschafter offenbar stolz: Die Fernzüge hatten zwischen 20 und 40 Minuten Verspätung, die S-Bahnen der Linie S6 fuhren auf der Strecke zwischen Langenfeld und der Landeshauptstadt bis 9 Uhr überhaupt nicht mehr. Ein Stich soll dieses Ergebnis auch in Richtung der Lokführer-Gewerkschaft GDL sein. Peters: "Die Lokführer haben sich zuletzt als die Herren der Schiene dargestellt. Wir wollten zeigen: Auch wenn nur ein einzelner Fahrdienstleiter fehlt, geht nichts mehr."

Insgesamt haben die Warnstreiks von Bahn-Mitarbeitern in Nordrhein-Westfalen aber nur vereinzelt zu Verspätungen und Zugausfällen geführt. Damit blieb das von vielen Fahrgästen erwartete Chaos auf den Bahnsteigen zumeist aus. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA hatten zwischen 6.30 und 9 Uhr rund 80 Bahn-Mitarbeiter zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen aufgerufen. "Im Westen haben etwa 150 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt", teilte die Gewerkschaft Transnet mit. Dabei sei es zu elf Zugausfällen und rund 100 Verspätungen im Großraum Köln gekommen. Bundesweit hätten sich mehr als 400 Beschäftigte der Deutschen Bahn an den Warnstreiks beteiligt.

Auch aus der Sicht der Deutschen Bahn war die Situation auf den Bahnhöfen in NRW bis zum Vormittag "sehr entspannt". Nur auf der Strecke Köln/Düsseldorf sei es zu stärkeren Beeinträchtigungen gekommen, da S-Bahnen umgeleitet werden mussten.

Die Gewerkschaften fordern besser planbare Arbeitszeiten und zehn Prozent mehr Geld für rund 130 000 Beschäftigte.

Die Bahn hat bisher jeweils ein Prozent höhere Einkommen für 2009 und 2010 sowie Einmalzahlungen angeboten. Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen hatte bereits nach der dritten Verhandlungsrunde am Mittwoch angekündigt, bei der anstehenden vierten Runde heute ein neues Angebot vorzulegen. Neben Entgegenkommen bei den Arbeitszeitregelungen seien auch Nachbesserungen beim Entgelt zu erwarten. "Wir können da noch etwas drauflegen, aber der Spielraum ist dabei nicht mehr sehr groß"

Am Freitag kommt die Bahn auch mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu gesonderten Verhandlungen zusammen. Die GDL fordert 6,5 Prozent mehr Geld für 12 000 tarifgebundene Kollegen und ebenfalls bessere Arbeitszeiten. Für sie läuft eine bestehende Friedenspflicht am Samstag aus.

Für Freitag muss nicht mit Streiks gerechnet werden. "Am Wochenende passiert nichts - das steht bombenfest", sagt Helmut Peters, Gewerkschaftssekretär von Transnet. Sollte die heutige Runde kein Ergebnis bringen, wird das wohl für die Fahrgäste deutlich spürbarere Auswirkungen haben. In der kommenden Woche, so die Drohung der Gewerkschaft, würden die Streiks dann deutlich ausgeweitet.

Die kostenlose Telefon-Hotline der Bahn lautet: 08000-996633

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