Die Touristen aus dem Nachbarland prägen den Wintersportort im Sauerland.

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Die Winterberger Skiliftbetreiber wissen, was sie ihren Gästen aus Holland schuldig sind: Hinweise auf Rodelverbote oder auch Skifahren unter Flutlicht gibt es natürlich auch auf Niederländisch.

Die Winterberger Skiliftbetreiber wissen, was sie ihren Gästen aus Holland schuldig sind: Hinweise auf Rodelverbote oder auch Skifahren unter Flutlicht gibt es natürlich auch auf Niederländisch.

dpa

Die Winterberger Skiliftbetreiber wissen, was sie ihren Gästen aus Holland schuldig sind: Hinweise auf Rodelverbote oder auch Skifahren unter Flutlicht gibt es natürlich auch auf Niederländisch.

Winterberg. Mit großer Entschiedenheit leert Bernd Altenseuer, Platzwart des Winterberger Campingparks Hochsauerland, seine Kaffeetasse. "Ich muss runter - da steht wieder ein Käskopp", sagt er. Sein holländischer Freund, der Dauercamper Nico Limburg, überhört die Beleidigung. Er und Altenseuer sind dicke Freunde. Häufig vertritt der 70-jährige Limburg den Platzwart sogar: "Dann habe ich die Leitung über den ganzen Platz. Ich liebe das Camping-Leben. Jeder hilft jedem, alle sind nett. Manchmal muss ich richtig weinen."

Limburg, zwei Herzinfarkte, sieben Bypässe, kommt aus Amsterdam, aber es gefällt ihm da nicht: "Das ist eine schreckliche Stadt. Hektisch und viel Kriminalität. Hier hat man noch heile Welt. Und dann die Ruhe und die schöne Landschaft!" Keine Sehnsucht nach dem Meer? "Wir sind keine Strandmenschen", antwortet seine Frau Rietje (69).

Für Deutsche ist das größte Hotel im Ort immer ausgebucht

Jetzt fährt der Ex-Manager nur noch drei Mal im Jahr in die Heimat, um dort zum Arzt zu gehen. Sein geräumiges Haus in der Einflugschneise von Schiphol steht leer, dafür lebt er mit Frau und Papagei in seinem Wohnwagen und einer winzigen Hütte 668 Meter über dem Meeresspiegel. Sein Sohn und seine Tochter verbringen ebenfalls jede freie Minute auf dem Platz. Die Tochter will im Mai in Winterberg heiraten.

Die Holländer sind besonders willkommen, denn sie geben mehr Geld aus als die Deutschen: "Die Zeiten, als die ihr Campingstühlchen aufklappten und die Kühltasche rausholten, sind lange vorbei", schildert Tourismusdirektor Michael Beckmann. Holland ist reich geworden, das merkt man auch hier. Die Gäste, deren Kennzeichen NL einst spöttisch mit "Niente Lire" übersetzt wurde, bestellen jetzt zu jedem Essen eine Flasche Wein und loben dann noch die niedrigen Preise, weil sie sie mit der Schweiz oder mit Österreich vergleichen.

Im größten Hotel des Ortes werden Deutsche gar nicht mehr genommen. Wenn ein Deutscher bei "De Brabander" anruft, wird er abgewimmelt. "Dann sagen wir: ,Wir sind ausgebucht!’", erzählt Inhaber Rob Meurs. Nur ganz Hartnäckige bekommen die Wahrheit zu hören: Es ist nicht ausgebucht, aber es ist ein holländisches Hotel mit holländischer Musik, holländischem Fernsehen und holländischem Essen.

Jeder dritte Tagesgast kommt inzwischen aus Holland

Winterberg im Sauerland galt schon immer als Hausberg von Holland. Aber erst in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wintersportort in NRW so richtig oranje gefärbt. Jede dritte Tourist kommt nun von drüben.

Die Wirtschaftskrise hat das Geschäft in Winterberg noch belebt - statt in die Alpen fährt nun mancher Holländer lieber ins Sauerland. 1,1 Millionen Übernachtungen zählt Winterberg im Jahr.

"Das ist hier eine niederländische Enklave", meint Jaap van der Werf, ein 41-jähriger Familienvater. Mit seinen kleinen Kindern war es ihm nach Österreich zu weit, deshalb hat er sich für Winterberg entschieden. Marinus Doldersun fand die Entfernung sogar für einen Tagesausflug nicht zu weit: Die Hinfahrt im Schneetreiben dauerte viereinhalb Stunden. Nun steht er zum ersten Mal in seinem Leben auf Skiern. Sogar jeder dritte Tagesgast kommt aus Holland.

Im März will Nico Limburg endlich mal wieder drei Wochen am Stück in Holland verbringen. "Spätestens nach einer Woche wird er doch wieder kribbelig", sagt seine Frau. "Und dann geht es wieder nach Winterberg."

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