Nach der Urteilsverkündung kam es im Hamburger Landgericht zu Tumulten.

Hamburg. Dramatische Szenen im Hamburger Ehrenmord-Prozess, nachdem Ahmad-Sobair Obeidi wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde: Die Mutter von Morsal bahnt sich laut kreischend einen Weg durch die Journalisten. Sie will sich aus dem Fenster stürzen. Ein Angehöriger kommt gerade noch rechtzeitig und zerrt sie von der Fensterbank.

23 Messerstiche im Namen der Ehre - mit aller Kraft wehrt sich die Familie gegen das Urteil des Landgerichts. Und gegen Sätze wie diese: "Der Angeklagte war der Auffassung, Morsal beschmutze durch ihr Verhalten - ihre knappe Kleidung, ihre auffällige Schminke, ihr Interesse für das andere Geschlecht - ihre Ehre und die ihrer Familie."

Auch der Vater der 16-jährigen Morsal verliert nach der Entscheidung des Gerichts die Nerven. Als er an einer Mahnwache für seine Tochter vorbeikommt, nimmt er eine dort aufgestellte Kerze und schleudert sie auf die Straße. Auch schnappt er sich ein gerahmtes Foto von Morsal. Zertrümmert habe er es nicht, sagt eine Aktivistin: "Wenn er sich’s zu Hause hinhängt, ist es gut."

Bereits zuvor war es im Gerichtssaal zu Tumulten gekommen. Immer wieder hatten die Familienmitglieder gegen das Sicherheitsglas gehämmert, das den Zuschauerraum abtrennt. Während der gesamten Urteilsbegründung war Schluchzen zu hören, immer wieder gab es Zwischenrufe. Ein jüngerer Bruder des Angeklagten musste abgeführt werden, weil er das Gericht anpöbelte.

Auch der Angeklagte, der schon mehrfach vor Gericht gestanden hat, beschimpft den Richter: "Was ist das, Ehre? Ich kenn keine Ehre!" Immer wieder unterbricht er ihn bei der Urteilsbegründung, schreit in afghanischer Sprache, zeigt sogar mit brutalen Gesten, wie er zugestochen hat. Als der Richter betont, dass ein solcher Mord nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kabul strafbar sei, sagt er: "Nee, da wär’ ich schon längst draußen."

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