Polizei und Feuerwehr sind entrüstet. Im Notfall geht wichtige Zeit verloren.

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Handy-Besitzer können bei einem Unglück oft nur unzureichende Angaben zum Ort des Geschehens machen. Schnelle Hilfe kommt dann mittels eines Ortungssystems, von dem E-Plus-Kunden jetzt nicht mehr profitieren können.

Handy-Besitzer können bei einem Unglück oft nur unzureichende Angaben zum Ort des Geschehens machen. Schnelle Hilfe kommt dann mittels eines Ortungssystems, von dem E-Plus-Kunden jetzt nicht mehr profitieren können.

dpa

Handy-Besitzer können bei einem Unglück oft nur unzureichende Angaben zum Ort des Geschehens machen. Schnelle Hilfe kommt dann mittels eines Ortungssystems, von dem E-Plus-Kunden jetzt nicht mehr profitieren können.

Krefeld. Der Mountainbike-Fahrer (20), der in einem Naturschutzgebiet im Krefelder Norden verunglückt ist, liegt schwer verletzt am Boden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht zieht er sein Handy aus der Tasche und wählt den Notruf 112. Doch wo er sich genau befindet, das kann er dem Feuerwehrmann am anderen Ende der Leitung nicht sagen. „Irgendwo im Hülser Bruch.“ Das allerdings ist riesig. Das Glück des Mannes: Die Feuerwehr hat die Möglichkeit, sein Handy zu orten. Nach nicht einmal 30 Sekunden wird auf einer Karte angezeigt, wo sich der Schwerverletzte befindet. Rettungskräfte müssen nicht mühsam suchen, sondern finden den 20-Jährigen dank der neuen Technik innerhalb weniger Minuten.

Fast alle Rettungsleitstellen setzen auf das Ortungssystem

Diese Hilfe wird neuerdings nicht mehr allen Handy-nutzern zuteil. Kunden von E-Plus und anderen Providern wie Simyo oder Blau, die das Netz des Düsseldorfer Unternehmens nutzen, können seit dem Jahreswechsel nicht mehr über das Computersystem geortet werden. Mit dem hatte die Björn-Steiger-Stiftung vor drei Jahren fast alle rund 300 Rettungsleitstellen in Deutschland kostenlos ausgestattet. E-Plus-Sprecher Klaus Schulze-Löwenberg sagt, das Unternehmen habe entschieden, die Lokalisierungsinformationen generell nicht mehr Dritten zur Verfügung zu stellen. In dem Ortungssystem der Rettungsleitstellen sieht er datenschutzrechtliche Probleme, da eine Ortung stets das Einverständnis des Anrufers voraussetze. Und das sollte es schriftlich geben, meint der Sprecher, nicht einfach nur mündlich während eines Notrufs.

E-Plus ist mit 20 Millionen Kunden drittgrößter Mobilfunkanbieter

Diese Zustimmung hole man während des Telefonats grundsätzlich ein, wenn geortet werden soll, verweist die Berufsfeuerwehr Krefeld auf einen der Grundsätze des Systems. Nur wenn ein Anrufer sich aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht mehr ausreichend äußern könne, gehe man in dessen Interesse davon aus, dass er geortet werden möchte. Dass E-Plus – immerhin drittgrößter Mobilfunkanbieter in Deutschland mit rund 20 Millionen Kunden – aus dem System ausschert, stößt in Krefeld auf Entrüstung. Oberbrandrat Kai Günther ist selbst E-Plus-Kunde und enttäuscht darüber, dass er diese Hilfe nicht mehr nutzen kann. Dabei gibt es eine Einschränkung: Wer über eines der noch nicht sehr weit verbreiteten GPS-fähigen Handys verfügt, dessen Standortinformationen werden unabhängig vom Netzbetreiber an die Rettungsleitstelle übermittelt. Das bestätigt Christian Weishuber, Pressesprecher der Allianz-Versicherung. Sie hat das Ortungssystem mit einer Tochtergesellschaft von der Björn-Steiger-Stiftung übernommen und betreibt es weiter. Finanzielle Gründe sollen für die Übernahme ausschlaggebend gewesen sein, die Allianz will auch kommerzielle Dienste anbieten.

Bei den Kunden erfolgt Anfrage zum Standort nun per Fax

E-Plus-Sprecher Schulze-Löwenberg weist den Eindruck, sein Unternehmen arbeite nicht mehr mit den Rettungsdiensten zusammen, zurück. Nach wie vor könne die Polizei im Rahmen der Gesetze den Standort eines Mobiltelefons erfahren, auch im Falle eines Rettungseinsatzes. Dies geschieht durch eine Anfrage per Fax. „Wenn Gefahr im Verzug ist, benötigen wir dafür auch keinen richterlichen Beschluss. Dann erhalten wir die Antwort meist innerhalb von Minuten“, sagt der Krefelder Polizeisprecher Dietmar Greger. Eine Abfrage innerhalb weniger Sekunden wie beim Ortungssystem der Rettungsleitstellen ist aber nicht möglich. Zudem werden die Polizeibehörden für jeden Einzelfall zur Kasse gebeten.

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