In der Stadt am Rhein schlagen die Täter besonders häufig zu – zum Teil mit regelrecht einstudierten Tricks.

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Taschendiebe arbeiten gern zu zweit und lenken ihr Opfer ab, bevor einer von ihnen zugreift. Ein gepflegtes Auftreten gehört oftmals zur Tarnung.

Taschendiebe arbeiten gern zu zweit und lenken ihr Opfer ab, bevor einer von ihnen zugreift. Ein gepflegtes Auftreten gehört oftmals zur Tarnung.

dpa

Taschendiebe arbeiten gern zu zweit und lenken ihr Opfer ab, bevor einer von ihnen zugreift. Ein gepflegtes Auftreten gehört oftmals zur Tarnung.

Düsseldorf. Zwei schlanke, junge Männer streifen nachts durch die Düsseldorfer Altstadt. Sie mustern die angetrunkenen Gestalten, ein junger Mann erregt ihr Interesse. Was die beiden nicht ahnen: Sie befinden sich in der videoüberwachten Zone der Polizei und die hat sie bereits im Visier. Die Kamera hält von oben jede Bewegung fest. Willkommen in Düsseldorf, Deutschlands Hochburg der Taschendiebe.

Was jetzt kommt, ist der berüchtigte Abklatsch- oder Antanz-Trick. Einer der jungen Männer hält dem unbekannten Passanten seine Hand zum Abklatschen hin. Der will nicht unfreundlich sein und schlägt ein. Der Dieb nutzt das zur Annäherung, hält die Hand fest, legt sie um seine Schulter – und zieht dem Passanten mit der anderen Hand blitzschnell das Smartphone aus der Hosentasche. In zwei Sekunden ist alles vorbei, das Opfer zieht fröhlich, aber ohne Mobiltelefon weiter.

Der Komplize hat das Geschehen von hinten abgesichert und steht dabei so, dass der Griff in die Hosentasche des Opfers etwaigen Augenzeugen verborgen bleibt. Doch diesmal hat die Kamera alles aufgenommen, zwei Minuten später werden die 17 und 18 Jahre alten Männer festgenommen. Einer von ihnen ist mehrfach vorbestraft und erst seit einer Woche wieder auf freiem Fuß.

Die Aufklärungsquote liegt unter fünf Prozent

In keiner deutschen Großstadt werden pro Einwohner so viele Taschendiebstähle begangen wie in Düsseldorf. 8000 waren es im vergangenen Jahr - ein Anstieg von 50 Prozent. 60 Diebe wurden 2013 erwischt und festgenommen, in diesem Jahr sind es bereits bis August 133 gewesen. Die Aufklärungsquote liegt dennoch unter fünf Prozent, sagt Jörg Iserath, der den Kampf der Düsseldorfer Polizei gegen den Taschendiebstahl leitet.

Allein am Düsseldorfer Hauptbahnhof seien im vergangenen Jahr 2000 Diebstähle gezählt worden, teilt die Bundespolizei mit. Messe, Flughafen und das Amüsierviertel Altstadt ziehen jährlich Millionen Besucher und damit auch Langfinger an.

Im Jahr 2007 lag die Zahl der Taschendiebstähle noch bei 3762, im Jahr 2011 waren es schon 7621. In diesem Jahr rechnet die Polizei mit etwa 9000 Taten.

Je dichter das Gedränge, desto größer die Gefahr, Opfer eines Taschendiebstahls zu werden. Zwei Drittel der Taten in Düsseldorf ereignen sich demnach in der Innenstadt.

Deren Handwerk ist vielfältig: Beim Spendensammler-Trick wird mit Unterschriftenlisten oder Flugblättern die Tat verdeckt. Beim Restaurant-Trick nimmt ein gut gekleideter Gast Rücken an Rücken zum Opfer Platz und greift heimlich in dessen Jacke. Beim Drängel-Trick wird beim Einsteigen in Bus oder Bahn von mehreren Dieben ein Geschiebe erzeugt, so dass die entscheidende Berührung nicht bemerkt wird.

Beim Schmutz-Trick wird das Opfer mit Kaffee oder Currywurst befleckt - beim tatkräftigen Abputzen wird es dann mehr los als nur den Schmutz. Berlin steht zwar nach absoluten Zahlen mit 20 800 Taschendiebstählen ganz oben. Gemessen an der Einwohnerzahl ist aber Düsseldorf Deutschlands Hauptstadt der Taschendiebe, gefolgt von Köln, Hamburg und Dortmund.

Düsseldorf kommt auf 1400 registrierte Taten je 100 000 Einwohner, Berlin auf 600 Delikte und München nur auf gut 200 Anzeigen.

Möglicherweise stecken Banden hinter den Diebstählen

Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler räumt „signifikante Zuwachsraten“ ein. Dazu passt die verblüffende Erfahrung, die die Polizei bei einer Kneipenrazzia im Düsseldorfer Bahnhofsviertel machte: Von 70 anwesenden Gästen in einer Kneipe waren 90 Prozent bereits als Diebe aufgefallen.

Nun will man auch ermitteln, welche Bandenstrukturen hinter dem Phänomen stecken, das auch deswegen boomt, weil inzwischen viele Opfer ein mehrere hundert Euro teures Smartphone bei sich führen. Viele der Taschen- und Gepäckdiebe kommen dabei entweder aus Nordafrika oder aus Südosteuropa, sagt Iserath. Hinzu kämen international tätige Trickdiebe aus Südamerika.

Die Polizei hat deswegen zusätzliche Kräfte mobilisiert, verteilt Warnschilder an den Hotels und warnt auf Leuchttafeln an den Einfallstraßen der Landeshauptstadt vor Langfingern. Dass der Anstieg in diesem Jahr in Düsseldorf vorläufig bei „nur“ 13 Prozent lag, wertet man schon als Erfolg.

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